Fall nicht in den Jammersack

Eine Redewendung, die meine Mutter benutzt hat: in den Jammersack fallen – kam mir neulich wieder in den Sinn. Was sie genau bedeutet, weiß ich nicht, ahne aber, bei welchen Gelegenheiten sie angebracht wäre. Problem nur, dass sie vielleicht nicht verstanden wird (wenn das ein Problem ist).

Ich finde, der Verzicht auf
– eine Reichensteuer
– ein Tempolimit auf Autobahnen
– Aussetzung der Schuldenbremse
ist Zugeständnis genug an die FDP in einer Ampelkoalition, da muss Christian Lindner nicht auch noch Finanzminister werden (und der Schrecken der EU – mit Ausnahme Schwedens, Dänemarks, der Niederlande und Österreichs: de vrekkige vier).
„Die Ampel steht auf Gelb”, wo habe ich diese Überschrift gelesen?
„Jetzt fehlt noch die Kohle”, titelte die taz am wochenende.

Der neue Song von Adele, Easy On Me, hat bei YouTube schon 67 Millionen Aufrufe – oder ist da ein Bot am Werk?
Ich habe mir auch die neue Single von James Blake angehört, aber diese englischen Sänger … Heulbojen (Thom Yorke, Chris Martin), immer leidend oder euphorisch, ich kann das nicht gut hören.

Über ihren Newsletter schickte Kimbra Johnson einen Download-Link zu ihrem neuen Song, den sie gestern veröffentlicht hat, verbunden mit den großzügigen Zeilen:
„Whichever way you chose to get involved, the song is yours. Go copy it, upload it, share it, leak it, whatever you want.”
Der Betreiber des YouTube-Kanals Kimbra Fans Forever hat sich das nicht zweimal sagen lassen und Different Story postwendend hochgeladen, mit der visuellen Umsetzung (sozusagen das Bad einlassend und zugleich das Kind hineinsetzend) von Patrick Rowe, die von Kimbra als sogenanntes Nun-Fungible Token (digitales Eigentumszertifikat) gedacht war und nur in einer Auflage von fünf Exemplaren existiert – vielleicht durch Kimbras Worte legitimiert, wer weiß.

Nachdem ich große Freude an dem Roman Der Sonnenschirm des Terroristen von Iori Fujiwara hatte – sehr zu empfehlen -, habe ich mir aus dem Programm des Cass Verlags zwei weitere Bücher ausgeguckt: Aufzeichnungen eines Serienmörders von Kim Young-ha und Das Romanverbot ist nur zu begrüßen von Seiko Ito.
Nicht, dass ich sonst nichts zu lesen hätte: Modellfliegen (Marcel Möring), Das Haus mit den sieben Giebeln (Nathaniel Hawthorne), Streulicht (Deniz Ohde), Unter Orangen (Norbert Lange), Der dritte Versuch (Julia Veihelmann) … liegt alles hier und will gelesen werden, und noch mehr, und noch mehr dazu.

Ich würde gern einmal das Polarlicht sehen, in den Norden Finnlands und auf die Orkney Inseln reisen. Konkret plane ich aber eine Fahrt zum Niederrhein, wo ich lange nicht war.

4 Kommentare zu „Fall nicht in den Jammersack“

    1. Gut gesehen und schön gesagt, liebe Sonja! Ich füge hinzu, dass die Wunschlandschaften schroff sind und von den Elementen umtost (jedenfalls stelle ich mir das so vor), das tatsächliche Reiseziel aber kreuzbrav (ist).
      Hier ein Satz aus dem koreanischen Roman (den ich noch nicht angefangen habe). Er bringt den Plot auf den Punkt:
      „Meine letzte Lebensaufgabe steht fest. Ich muss Jutae Park umbringen, bevor ich vergesse, wer er ist.” (Übersetzung von Inwon Park)

  1. Jammersack – damit kann ich was anfangen! In diesen Zeiten, wo zur Unzeit alle zu Hause bleiben. Normalerweise wäre jetzt unsere, ach was, MEINE beste Zeit! – Hoffentlich fallen die Panik-Lappen bald, die nur noch dafür angetan sind, für schlechte Stimmung zu sorgen und unsereinem das Geschäft zu vermiesen.

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