K-Pop

Die Überschrift ist irreführend. Margaret Sohn alias Miss Grit kommt aus Michigan, Yaeji aus Flushing, NY. Aber beider familiärer Hintergrund ist (teilweise) koreanisch, und Yaeji singt auch, neben Englisch, auf Koreanisch; Miss Grit hat Koreanisch neu gelernt (während der Pandemie).
Am Schluss ihres Sets für KEXP (hier die vollständige Aufnahme samt Interview mit Moderatorin Cheryl Waters, hier die Musik allein) steht ein Cover von, eben, Yaeji, What We Drew. Auch davon gibt es, im Original, zwei Versionen, einmal lang – mit Großvater und Freundinnen -, einmal kurz:

Lichte Musik, ein bisschen fremdartig, aber gut. – Hab dann noch ein bisschen weitergestöbert und fand diese beiden Songs, Waking Up Down, dessen Gesangslinie mich an M.I.A. erinnert, und For Granted, diesen Freitag auch in der Playlist der New York Times verlinkt.

Yaejis erstes Studio-Album With A Hammer, das am 7. April erscheinen wird, „is a diaristic ode to self-exploration; the feeling of confronting one’s own emotions, and the transformation that is possible when we’re brave enough to do so. In this case, Yaeji examines her relationship to anger.”

Das scheint gerade ein Thema zu sein, meine Faust von Sibylla Vričić Hausmann beschäftigt sich damit, und im Heimathafen Neukölln, habe ich gestern im Vorbeigehen gesehen, läuft ein Stück mit dem Titel Furios!, angekündigt als „wütende Show mit fünf Göttinnen, Band und Seminarleiter”.

Für mich steht Wut nicht auf dem Plan. Ich war allerdings als sehr junger Mensch jähzornig, da könnte ich mich fragen, was daraus geworden ist.
(In meiner damaligen Buchhandlung hatte ich das Buch Robbi regt sich auf von Mireille d’Allancé, und natürlich Wo die wilden Kerle wohnen.)

Heute sagte mir eine Freundin, sie habe sich entschlossen, wieder im Flugzeug zu fliegen, nachdem sie ein paar Jahre darauf verzichtet hatte: für die junge Generation. Sie hat aber (sie ist Lehrerin) den Eindruck gewonnen, dass die junge Generation – ausgenommen die Letzte Generation – selber keinesfalls verzichtsbereit ist, was Fliegen und Konsum betrifft, ihr möglicherweise auch Artenvielfalt/Artenschwund egal sind.
Ich kann’s nicht beurteilen.
Ich meinte, das müsse jeder für sich selbst entscheiden; unter Umständen würde ich auch mit dem Flugzeug verreisen (letzte Flugreise: 2016, Rom), aber erst mal nicht.

Nancy Fraser: „Die kapitalistische Gesellschaft ist eine Fressorgie, deren Hauptgericht wir alle sind.”

Morgen gehe ich ins Konzert, und demnächst auch mal wieder ins DaBangg, das vor kurzem wieder aufgemacht hat.

Schön Blog schreiben

Auf der Suche nach einem alten Beitrag stieß ich auf diesen hier von Oktober 2015. Damals wohnte ich in einer WG in der Perleberger Straße 41 und blickte aus dem vielleicht dritten Stock auf die Baustelle der ehemaligen Schultheiss-Brauerei, die damals zu einer Shopping Mall umgebaut wurde – daran fehlt es ja in Berlin. Es ist die einzige Idee, die der Investor hat, und er wiederholt sie, wo er nur kann („Bekannt ist Huth hauptsächlich für das Planen und Bauen von Einkaufszentren.” – Wikipedia)

Gewöhnliche Baustellenkaputtheit

Der Bagger hackt in den Boden, kippt, kippelt die Schaufel, rüttelt den Sand durch den Rost, dreht steif seitwärts, wirft Steinbrocken ab. Der Motor malocht, aber die Ketten stehen.
Hinter dem Schuttberg die angenagten Mauern, abgeplatzter Putz, weiß, ocker, lindgrün, blassgelb, die Farben in einem fort angeraunzt von Kälte und Nässe, so sehen sie aus. Eine 12 ist deutlich zu lesen und ein paarmal, neonfarben: STOP. Wandlöcher, Fensterlöcher, Türlöcher unter dichtem Himmel. Das karge Kra-kra der Nebelkrähen und der schmutzige Rauch, der da hinten schon aufsteigt, ergeben ein schlüssiges Bild und ein einsilbiges Wort. Manchmal landet eine Krähe auf der rauhgrünen Zunge der Straßenlaterne dort unterm Fenster und lässt sie stärker erzittern. Unbehaglich sieht das aus, kalt, doch gerade richtig für diese ernsten, befrackten Vögel, nach denen ich mich immer umdrehe, als gäb’s da was zu lernen, als wäre es wirklich möglich: sich etwas abgucken, Krähenkonzentration, Krähenfokussierung. Kommt kein Sterbenswort von dieser Zunge, nur abends, nachts, schweigt sie ihr Licht, da sitzen die Arbeiter längst in ihren Containern und essen Fritten und zischen ein Bier und suchen mit dem nackten Fuß nach dem verlorenen Pantoffel.

Natürlich kann man in dem Stil nur kurze Sachen machen, maximal. Heute, und längst, schreibe ich nicht mehr schön, was in Ordnung ist, weil ich Im Dickicht mehr oder weniger als Tagebuchersatz sehe – Erinnerungssachen mit Musik. Da reicht es fast, wenn die Orthographie stimmt. Vielleicht sollte ich mir aber auch wieder mehr Mühe geben. Hm.

Gestern sehr schönes und nachdenklich stimmendes Konzert des Jerusalem Quartet im Kammermusiksaal der Philharmonie. Auf dem Programm:
• Sergej Prokofjew, Streichquartett Nr. 2 F-Dur op. 92 (1941, UA 1942)
• Dmitri Schostakowitsch, Streichquartett Nr. 10 As-Dur op. 118 (1964, UA 1964)
• Béla Bartók, Streichquartett Nr. 6 Sz 114 (1939, UA 1941)

Dem Begleitheft ist zu entnehmen, dass Bartók zuerst „ein volkstanzbasiertes Finale” vorgesehen hatte. Nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1.9.1939 schrieb er stattdessen das Mesto aus – die Vortragsbezeichnung heißt übersetzt: wehmütig, traurig, betrübt -, das den übrigen Sätzen jeweils als Motto vorgeschaltet ist.

Am Schluss des Konzerts wandte sich der Bratschist, Ori Kam, ans Publikum und sprach von den zwei Fragen, die bei ihren Auftritten in den USA immer kämen: Are you a band?, und: Where do you come from?
Auch wenn das Ensemble in Jerusalem gegründet wurde – der Cellist, Kyril Zlotnikov, kommt aus Minsk, der zweite Geiger, Sergei Bresler, aus Charkiw, und der erste Geiger, Alexander Pavlovsky, aus Kyjiw. Als Zugabe spielten sie dann passenderweise ein ukrainisches Stück, etwas kitschig, vor allem im direkten Vergleich zum Bartók-Quartett, aber dennoch dem Abend angemessen und seiner würdig.

Das Publikum hatte im ersten Streichquartett noch dazwischengeklatscht; im weiteren Verlauf des Konzerts blieb es weitgehend still, von Husten und Niesen abgesehen – die Musiker hielten auch Beifallskundgebungen mit ihren nach den einzelnen Sätzen florettartig erhobenen Bögen und mit unbewegter Pose in Schach.

Zum Schluss ein bisschen Klatsch und Tratsch.
Nachdem es bisher immer nur geheißen hatte, unser Büro würde von der Frankfurter Allee in Nähe Jannowitzbrücke umziehen (voraussichtlich irgendwann um Mitte des Jahres), wurde die künftige Bürofläche heute als BEAM namhaft, wie das umgebaute historische Schicklerhaus von anno 1910 demnächst heißen wird. „Neuer Glanz auf altem Stein”. Und wem gehört’s? Dem österreichischen Immobilientycoon René Benko!
Vermutlich nicht billig das Ganze.

Meine Reviews, sofern sie noch ausstanden, habe ich rechtzeitig zu heute morgen eingereicht, es hat mich, bis auf drei Stunden Schlaf, eine Nacht gekostet.

Im Deutschlandfunk (nachts) eine meiner Lieblingsstimmen, Aglaia Dane. Die möchte ich gern öfter hören! – vielleicht auch mal, und dauerhaft, an Stelle der frohgemuten Knatschigkeit einer Martina Sturm-Wende. Und vielleicht auch mal tagsüber, wenn ich unter den Lebenden bin.

Vierzig Entwürfe

Heute habe ich gesehen, dass die neue Platte von Kimbra, A Reckoning, mittlerweile einen Veröffentlichungstermin hat (27.1.2023), und dass auch das Cover enthüllt wurde, auf dem sie wie die Franz von Stuck’sche Sünde aus der Wäsche schaut. Warum auch nicht. Ob mir die Musik dann am Ende gefällt, ist nicht sicher. Vows, The Golden Echo und Primal Heart haben mir gefallen – A Reckoning … mal sehen. Aber Kimbra als Individualistin, die ihre Musik so macht wie sie es meint, hat so oder so meinen Respekt.
(Der gemeine Hörer wird sie nur als Stimme neben Gotye im Über-Hit Somebody That I Used To Know kennen, der sie seit 2011 verfolgt, wie einst Romy Schneider von ihrer Sissi-Rolle verfolgt wurde, so ungefähr.)

Auf der Arbeit sind gerade wieder einmal die jährlichen performance reviews fällig (self review, manager review, peer reviews).
Please share your accomplishments. What work are you most proud of?
Diese Texte zu schreiben, fünf diesmal, ist kein Vergnügen. Ich habe aber zu einer gelasseneren Haltung gefunden.
Mittwoch muss alles im Kasten sein.

Eine Nachricht, die jüngst die Runde machte, erinnert daran, dass die Erdverwüstung nicht auf Ratschluss der Götter erfolgt, sondern auf Profitinteressen beruht: Sie ist (ursächlich) keine Katastrophe, sondern ein Verbrechen. Es gibt Täter, die namhaft gemacht werden können; vor Gericht bleiben sie straffrei – vorerst.
Das alles ist natürlich nicht neu, und auch ich, der ich mein mit Palmfett gebackenes Plätzchen in den Kaffee soppe, bin schuldig.
Klimawandel. Forscher machen ExxonMobil schwere Vorwürfe (Deutschlandfunk, 12.1.2023)
[Edit. – Weitere Meldungen, um pessimistisch zu bleiben: Deutsche befürworten schnelleren Neubau der Autobahnen (Der Spiegel, 15.1.2023). – Neue Regeln für Parkplatzbau. Parkplätze sollen in Deutschland deutlich größer werden als bisher – so will es das zuständige Fachgremium. Autos würden eben stetig wachsen. (Der Spiegel, 15.1.2023)
Dies steht im Widerspruch zu meiner (positiven) Vision der Mobilität der Zukunft: Abriss aller Autobahnen, Autobahnzubringer, Autobahnbrücken; Renaturierung der Flächen; Abschaffung des Individualverkehrs; regionale Organisation des Arbeits- und Alltagslebens; Umstieg aller Verkehrsteilnehmer auf Eisenbahn, Bus, Fahrrad, Fuß.]

Hier ein weiteres Meisterstück von Miss Grit, bürgerlich Margaret Sohn, aus plural-ihrer schlage ich für den Moment als Übersetzung des englischen their vor Impostor-EP, die vor einem Jahr erschienen ist.

I wish I was blonde
Walking back home I’ll sing along
Tracking their words from all their songs
I don’t hear how I sound wrong

I wish you were calm
You find your voice so fun
Can’t understand no one
When all you can do is talk on

I’ve got nothing to say
I’ve got nothing to say
I’ve got nothing to say
I’ve got nothing to say

I’ve got nothing to say
I’ve got nothing to say
I’ve got nothing to say
I’ve got nothing to say

♪ ♪ ♪ ♪ ♪
♪ ♪ ♪ ♪ ♪
♪ ♪ ♪ ♪ ♪
♪ ♪ ♪ ♪ ♪

Die zwei Strophen, die davon sprechen, dass das lyrische Ich nichts zu sagen habe – kontrastiert von der zunehmend lauter aufspielenden Band – werden im verlangsamten Schlussteil des Songs aufgenommen, aber ohne Worte, mit geschlossenem Mund; die Gesangsstimme ist so stark verfremdet, dass sie nur noch Sound ist. Das ist ein starkes gestalterisches Konzept.

Die nächste Woche wird voll: Buchhandlung, Übersetzer-Stammtisch, Ultraschall Berlin Festival, Arbeiten, Französisch (Skype), und im Kammermusiksaal ist auch was, Mittwoch. Und wollte ich nicht auch meine Kritik weiterschreiben? Wann soll ich das hinkriegen?

Oh, fast hätte ich vergessen, dass ich mich unlängst wie Bolle gefreut habe, als ein selbstgebasteltes Notizbuch der von mir geschätzten Saxophonistin, Komponistin, Dozentin, und was nicht alles, María Grand im Briefkasten lag. Muss ich mich noch bedanken.

mannigfaltig

Habe ich vielleicht erwähnt: Neulich (Dezember) wurde in der Presseschau von rbb24 inforadio das Wort mannigfaltig verwendet, was mich doch sehr gefreut hat. In unserer Epoche, in der Medienleute in Formulierungen wie „Kann Deutschland Zeitenwende?” schwelgen, tut es gut, ab und an mittelalterlich reden zu hören; es kommt kaum vor, das ist wahr, wäre aber jederzeit möglich.

Heute nur ein Musikvideo von Miss Grit, Follow the Cyborg. Für Glamour habe ich durchaus etwas übrig. Es gibt eine kurze Intro (25 Sekunden), dann Schnitt; wummernde, puckernde Party-Ausgeh-Stimmung, kontrastiert von Miss Grits unaufgeregter Stimme. Die fünf Minuten, die das Stück dauert, sind abwechslungsreich gestaltet und nicht zu lang. Prima!

Nachdem ich im vergangenen Jahr die Hälfte meines Milchkonsums durch dieses Ersatzgetränk von Vly ersetzt habe, überlege ich als Neuerung für dieses Jahr, keine Eier mehr zu kaufen. (Auf Honig könnte ich wahrscheinlich gleich mit verzichten, nur noch langsam das vorhandene Glas aufbrauchen. – Gut, um Arabischen Honigkuchen zu backen, würde ich schon noch Honig kaufen.) Werde mal meine veganen Arbeitskolleginnen und -kollegen fragen, was Eier ersetzen kann.

Ich bin da und mache was

Den treuen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein gutes Neues Jahr! Ein frohes Neues Jahr wird es nicht werden, das ist klar (schließt individuelle glückliche Momente nicht aus!), aber … – einverstanden, auch gut wird es nicht werden. Also: Möge 2023 besser werden als es 2022 war! Das kann man sagen, wünschen und hoffen.

Sollte ich darum bitten, dass mein Name hier auch auftaucht? → https://morehotlist.com/about
Immerhin war ich es, der den – damals noch so genannten – Hotlistblog 2012 startete und weit über ein Jahr hinaus im Alleingang schrieb. Die Beiträge sind auch im Archiv noch abrufbar, allerdings ist mein Verfassername zu morehotlist kollektiviert und somit, da er sonst nirgendwo aufgeschlüsselt ist, zum Verschwinden gebracht worden. Ich greife zwei Beispiele heraus:
Das System steigt in den Ring: Ulf Stolterfoht, Verleger (31.5.2014)
Lesung Verlag Peter Engstler (8.2.2015)
Aber dann denke ich: Wer guckt sich alte Blogeinträge an? Niemand. Da hat Bob schon Recht. Und ich verlinke seinen Blog natürlich, damit ihr ihn finden könnt. Die geläufige Praxis des Wegboxens und Unterbutterns (siehe oben) ist nicht mein Ding und sollte grundsätzlich vermieden werden. (Kann sein, es ist nur Gedankenlosigkeit, arglos.)
Wahrscheinlich bin ich, auch wenn ich mich immer als Dickhäuter gesehen habe, zu dünnhäutig. – Auch anderswo komme ich nicht vor, hab aber doch was gemacht, zu Ann Cotten, Christoph Wenzel, Sonja vom Brocke.
Man sieht: Auch auf dem Eiland der Poesie und in den Pfützchen der Kritik wird Aufmerksamkeitsökonomie betrieben; manche kriegen Licht, manche nicht.
Aber ich will mir die Eitelkeit abgewöhnen und nicht auf mein gutes Recht pochen, denn alles ist eitel und das Recht egal.

Einige Bücher und Broschüren, die ich überlegt hatte wegzugeben, dürfen nun doch weiter hier wohnenbleiben: Der kommende Aufstand, Auf der Suche nach der vergeudeten Zeit, Das Recht auf Faulheit, Manifest gegen die Arbeit, Recht auf Faulheit. Zukunft der Nichtarbeit (Edition Freitag, 2001). Vielleicht lese ich sie sogar noch einmal.
„Zeit ist der Raum zu menschlicher Entwicklung. Ein Mensch, der nicht über freie Zeit verfügt, dessen ganze Lebenszeit – abgesehen von rein physischen Unterbrechungen durch Schlaf, Mahlzeiten usw. – von seiner Arbeit für den Kapitalisten verschlungen wird, ist weniger als ein Lasttier. Er ist eine bloße Maschine zur Produktion von fremdem Reichtum, körperlich gebrochen und geistig verroht.”
(Marx/Engels Werke, Bd. 16, S. 144 f., zitiert nach: Auf der Suche nach der vergeudeten Zeit, S. 25)

What else? Auch dies Jahr werde ich keine Kriminalfilme gucken. Als nächstes dieses:

Zu schön, um wahr zu sein, aber dennoch wahr (nur bei der Tonspur wurde sicher nachgeholfen).

„Wir / Müssen aufhören aufhören / Auf Nacken von andern zu knien / die nicht atmen können“. – Ann Cotten : Las ich neulich in einer schon etwas älteren, aber immer noch aktuellen, Kritik im Tagesspiegel.
Dass Michael Braun nicht mehr ist, will erst einmal verarbeitet sein – am besten lesenderweise. (Ich erwarte in Kürze den dritten Band Der gelbe Akrobat, der als einziger der Reihe noch lieferbar ist, den zweiten habe ich da, der erste ist unter Umständen antiquarisch zu bekommen.)

Weitere Konstanten (neben Krimiverzicht) dies Jahr: eine halbe Stunde Skype-Französisch pro Woche (vor einem Jahr fing’s an); Erwerbsarbeit: wie gehabt (seit 1/2014 für die Buchhandlung, seit 12/2016 für die Softwareschmiede); Kritiken – hoffentlich wieder mehr; Beschäftigung mit Hochkultur (Musik, Literatur vor allem); Bäume pflanzen; Wiederaufnahme der Kaffeerunden im Dickicht, die 2020 nur einmal stattfanden und danach nicht mehr.
Und es gibt immer noch Man Rays Porträt von Juliet Browner neben der Tür (im Internet keine Reproduktion), und die französische Radierung des CANAL DE ROTTERDAM überm Bett, und das Aquarell meines Vaters, das er an der Frischen Nehrung gemalt hat, war er da schon im Krieg? ARMELN 1940 steht am unteren linken Bildrand, abgeschnitten vom Passepartout. Narmeln vermutlich. Narmeln gibt’s nicht mehr. Überm Bett. Und die Lithographie einer Leserin, da kann ich mal ein schlechtes Foto nachreichen, wenn das Licht besser ist; jetzt ist Abend, sieht man nix.
Freitag Haareschneiden.
Heute und morgen frei.

Nachtrag 3.1.2023

Leserin aus früherer Zeit

Silvester-Pop & Jazz-Gold

… und zum vorläufigen Schluss ein wieder mehr puristisches Jazzstück, gespielt von María Grand, Tenorsaxophon, Kanoa Mendenhall, Bass, und Savannah Harris, Schlagzeug.
Die Komponistin (M.G.) erklärt zum Titel:
„Whabri signifies an imaginary animal that is half whale half hummingbird (in Spanish, Colibrí). This song seeks to express a being of extremes, both heavy, light, fast and nimble and large and imposing; an embodiment of additive truths as opposed to exclusive ideas.”
Der Track ist aus dem Album Reciprocity, das 2021 bei Biophilia Records erschienen ist.

*** PROGRAMMZETTEL ***

Hundi May You Sing Like No One Is Listening (2011)
2. Charlotte Adigéry & Bolis Pupul Haha (2022)
3. Annette Peacock Survival (1979)
4. Palais Schaumburg Telephon (1981)
5. Rosalía Delirio De Grandeza (2022)
6. Mary Halvorson & Amirtha Kidambi Accurate Hit (2018)
7. Cécile McLorin Salvant Ghost Song (2022)
8. & 9. Don Cherry Nonet Eternal Rhythm Pt. I: Baby’s Breath / Sonny Sharrock / Turkish Prayer / Crystal Clear (Exposition) / Endless Beginnings / Baby’s Breath (Unaccompanied) (1968)
Pt. II: Autumn Melody / Lanoo / Crystal Clear (Development) / Screaming J / Always Beginnings (1968)
10. Yelle Karaté (2020)
11. Lounge Lizards Voice of Chunk (1989)
12. María Grand / Kanoa Mendenhall / Savannah Harris Whabri (2021)

Bayerische Teichwirtschaft

(aus einem Bericht über Fischotter)

Das Amselchen auf der Mauer – es hat nicht geradezu auf sein Handgelenk getippt wie wir Menschen tun, um anzuzeigen: Es ist Zeit! Solche ostentativen Kundgebungen wären auch gar nicht nach Amselart. Es erinnerte mich aber, dass die gestern ausgestreuten Rosinen längst weggepickt waren, und Nachschub willkommen.
Ich tat wie mir geheißen, drehte den Schlüssel im Schloss und verschwand ins andere Zimmer, denn ich weiß: meine Amseln sind genierlich. Sie möchten wohl gesehen werden und in ihren Rosinenbedürfnissen erkannt, aber beobachtet? So steht es nicht im Liefervertrag.

Gefragt, was ich mir für das kommende Jahr wünsche:
dass Erdoğan mit der Politik aufhört, ebenso Bibi Netanjahu, Wladimir Putin … Dies Jahr haben die Brasilianer Jair Bolsonaro abgewählt, das war einmal eine schöne Nachricht. Xi Jinping wünschte ich auch mehr Zeit für seine Hobbies. So ließe sich die Liste fortführen.

„Women of the world: take over. Because if you don’t the world will come to an end, and we haven’t got long.” – Jim O’Rourke, Ivor Cutler-Cover

Gestern habe ich den Film von Mika Kaurismäki Mestari Cheng geguckt, Geburtstagsgeschenk einer Freundin, das sie mir zusammen mit einem Weihnachtsgeschenk in einem Umschlag zusandte, mit je einer Postkarte, auf der ich mal als Geburtstagsmeinolf, mal als Weihnachtsmeinolf angeredet werde. Es lagen auch zwei Tütchen Tee bei, ein Geburtstags-Tee, und ein Bratapfel-Tee.
Der Film ist schön fotografiert und erzählt eine freundliche Geschichte, die Hauptdarstellerin gefiel mir auch (wenngleich nicht mein Typ).

Mein Arzt-Bruder schickte eine Karte: „Lieber Meinolf, Fuchs u. Hase, euch im Dickicht frohe Weihnachten und alles Gute zum Neuen Jahr!”
(Auf dem Weg zu den Franzosenfichten, wo ich eine Postkarte einwerfen wollte, die irrtümlicherweise im Dickicht gelandet war, sah ich den von Wildschweinen umgewühlten Waldboden. Das Haus habe ich trotz eingehender Suche nicht gefunden, zwei Anwohnerinnen wussten auch keinen Rat; schließlich steckte ich die Karte in irgendeinen Briefkasten, sollen sich die Franzosenfichten kümmern.)

Auch mein Schneider-Bruder schrieb – ebenfalls in Druckschrift -, ließ aber die mitgesandte Postkarte (das Geschenk) leer. Deren Bildseite zeigt die Sombrero Galaxy; die Legende erklärt: „The luminous core of Messier 104 (M104), also known as the Sombrero Galaxy, is surrounded by wide bands of thick dust. From Earth, it resembles the wide brim and high top of a sombrero. The galaxy is massive – the size of 800 billion Suns.”
8oo Milliarden Sonnen … kann ich mir gerade nicht vorstellen. Sieht aber schön aus: magisch!

Kaffee (oder Tee), Plätzchen und ein Buch – meine Lieblingsmischung gibt’s dieser Tage öfter, da mich aus zwei weit auseinanderliegenden Ecken Deutschlands Gebäck und Lebkuchen erreichten, wobei der eine Bäcker behauptete, aus Kostengründen das Mehl mit Sägespänen vermischt zu haben. Wahrscheinlich ein Flachs.

Silvester melde ich mich wieder mit Musik. Werde an dem Tag nichts Besonderes unternehmen, höchstens Muzenmandeln kaufen, wenn’s die hier gibt, und Zweigelt.

Windgebauschte Ärmel von Eis

Überschrift = Zitat von Günter Eich („Februar”)

Mein Feiertags-Mixtape habe ich ja schon vor einigen Tagen online gestellt, heute daher nur ein kleiner Nachschlag. Der Song von Julia Jacklin – was sie genau singt …? Oh, hier gibt’s einen Hinweis: „With its transportive harmonies and slow-burning guitar solo, Don’t Know How to Keep Loving You ponders the heartache in fading affection (“I want your mother to stay friends with mine/I want this feeling to pass in time”)” – scheint eine traurige Geschichte zu verhandeln; tut hier aber nichts zur Sache. Das Englisch-Genie Drittgedanke – zweitgrößter Wortschatz nach Goethe, ey, isch schwör -, auch als Die Beifängerin auftretend, versteht alle Texte und kann alles mitsingen. Mir fehlt diese Gabe. – Die Melodie ist sanglich, die Darbietung (in Philadelphia, Pennsylvania, für das World Cafe, eine Sendereihe des National Public Radio npr, aufgenommen) konzentriert und hingebungsvoll. Julia Jacklin singt mit Inbrunst. Und: Sie trägt eine Brille! Cool.
Das Hahnentrittmuster verrät Stil, hat etwas zeitlos Altmodisches.
Der Drummer erinnert an Orson Welles, sieht aber möglicherweise anders aus; was meint Bob dazu? – Charismatischer Typ, schauspielerische Fähigkeiten.
Wenn ich die Namen der Musiker finde, reiche ich sie nach.

Erschienen ist das Stück auf Julia Jacklins zweitem Album, Crushing (2019).
Es gibt auch ein Offizielles Video zum Song, in dem, peu à peu eskalierend, Renaissance und Independent-Kino zusammenkommen; Julia Jacklin selbst hat Regie geführt.

Gestern kam die betrübliche Nachricht, dass Michael Braun gestorben ist, erst 64 Jahre alt. Er wird überall fehlen. Wir haben uns ein paar Mal getroffen, wenn er in der Galerie seines Cousins Karl Piberhofer in der Schwartzkopffstraße in Berlin-Mitte, gegenüber dem nazimäßigen Gebäude des Bundesnachrichtendienstes, den von ihm (mit-)herausgegebenen Lyrik-Taschenkalender präsentierte, auch im Literaturhaus Berlin oder in der alten Akademie der Künste im Tiergarten. Als ihm 2018 der Alfred Kerr-Preis für Literaturkritik verliehen wurde, fuhr ich eigens zur Preisverleihung nach Läpzsch.
Zuletzt hatten wir 2019 Kontakt, als ich für das Signaturen Magazin die Anthologie Aus Mangel an Beweisen besprach. Michael meinte, wahrscheinlich hätte keiner das Buch so gründlich gelesen wie ich – was hier weniger aus Eitelkeit wiederholt sei als darum, weil ich mich da als guter Schüler gezeigt habe, denn Michael Braun selbst war dafür bekannt, Bücher gründlich zu lesen: vorbildlich. Er war und bleibt ein inspirierender, Maßstäbe setzender Kritiker, und wir wollen nicht vergessen, dass bei seinen sachkundigen, zugewandten Exegesen jeweils immer auch ein schöner, runder Text heraussprang, ein Text von Michael Braun.

Deutschlands wichtigster Lyrikkritiker Michael Braun ist gestorben. Pfälzischer Stoiker: Letzter Gruß an den Miterfinder der neuen deutschen Lyrikszene. Von Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel, 23.12.2022)
Diese poetische Kundigkeit. Er war unbestechlich und dezidiert, aber musste nicht recht haben. Die Literatur war ihm wichtiger als er selbst. Zum Tod des Kritikers Michael Braun. Ein Nachruf. Von Ulrike Draesner
DIE ZEIT, 23.12.2022
„Die Karawane verharrt”. Nachruf auf den Lyrikkritiker Michael Braun. Von Hauke Hückstädt
Börsenblatt, 24.12.2022
Enthusiast für Poesie. Zum Tod von Michael Braun. Von Beate Tröger
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2022

Notorische Neugier. Nachruf auf Michael Braun. Von Henning Ziebritzki
Süddeutsche Zeitung, 23.12.2022 (leider nur für Abonnenten frei lesbar)
Michael Braun und das große Sanktuarium der Poesie. Von Kristian Kühn
Signaturen Magazin
, 2.1.2023

Edit (28.12.2022): Mein Bruder wies mich auf das Interview hin, das Faust-Kultur in Person von Bernd Leukert 2018 mit Michael Braun geführt und aus Anlass seines Todes zum Nachlesen bereitgestellt hat, hier.

Richard Leising Mulackstraße

Eine Anfrage bei der Rechtsabteilung des Verlags C.H. Beck in München, ob ich das Gedicht Mulackstraße verwenden dürfe, blieb leider unbeantwortet – von einer automatisch versandten Abwesenheitsnotiz abgesehen. Ist das ein Ja?
Der Dichter Richard Leising (1934-1997) ist wahlweise kaum bekannt, unbekannt oder vergessen – ein Großer gleichwohl. Hier sei mit genanntem Gedicht an ihn erinnert, das im Band Gebrochen deutsch abgedruckt ist, der zusammen mit dem Nachlassband Die Rotzfahne in keiner Buchsammlung fehlen sollte.
Ich habe den Autor über meinen Freund Ilja kennengelernt, der vor Jahren eine Auswahl in niederländischer Sprache initiiert und herausgegeben hat.
Natürlich waren beide Bände in meiner gewesenen Buchhandlung auf Lager, aber das Geld ist doch besser für einen Lottoschein ausgegeben oder für Bier, für den Opferstock meinetwegen: die arme Kirche. Vielleicht hätte Richard Leising sogar zugestimmt.

MULACKSTRASSE

Der Kohlenträger hat bis in den Hals gelbes Haar, das / vom Kohlendreck schwarz war. / Der Kohlenträger ist mit einem Tafelwagen gekommen, er / hat niemand andern zum Ziehen mitgenommen. / Er hat ein Lederkoller umgebunden, das ist an Rücken / und Schultern abgeschunden. / Er hat in Holzkiepen, halb so hoch wie er und doppelt / so breit, Briketts geschichtet, sechzig ungefähr. / Der Kohlenträger hat auf den Wagen etwa dreißig Kiepen / gestellt und so aneinandergelehnt, dass keine herunterfällt. / Der Wagen mit den Kiepen mit den Kohlen fährt vor / das Haus; der Kohlenträger klingelt. Ein Mann sieht / zum Fenster raus. / Dieser Mann ist der Kohlenbesteller, er kommt herunter / und zeigt dem Kohlenträger den Keller. / Jetzt hat der Kohlenträger eine Kiepe gedreht, dass er / mit seinem Rücken genau vor ihr steht. / Er hakt in die Kiepe ein Lederband, legt es über die Schulter / und wickelt es um die Hand. / Der Kohlenträger beginnt sein Kreuz gegen die Kiepe zu / drücken, dann bückt er sich, dann steigt sie auf seinen Rücken. / Dreißigmal schiebt die Kiepe den Kohlenträger ins Haus; / der Keller hat elf Stufen hinein und elf heraus. / Der Kohlenträger kommt wieder ans Tageslicht, er hat / eine schwarze Maske vor dem Gesicht. / Er setzt die Kiepen auf den Wagen, steht noch zwei Minuten / hier und trinkt eine Flasche Bier.

Richard Leising Gebrochen deutsch. Gedichte. 48 Seiten, gebunden. 2. Auflage. C.H. Beck, München 1992 [1. Auflage 1990]. 12.95 Euro

Richard Leising Die Rotzfahne. Gedichte und kleine Prosa. Herausgegeben von Kristof Wachinger. 64 Seiten, gebunden. C.H. Beck, München 2010. 14.95 Euro

Eine im Wikipedia-Eintrag zu R.L. verlinkte Rezension von Wolfgang Emmerich in der Zeitung DIE ZEIT vom 3.10.1991 (!) – „Gebrochen deutsch. In der DDR stand er im Schatten – und nun? Ein Lyriker ist zu entdecken: Richard Leising” – verschwindet nach fünf Zeilen im Nebel einer Bezahlschranke. Der Holtzbrinck-Konzern als Eigentümer der ZEIT, Jahresumsatz (2020) 3.2 Milliarden Euro, kann sich Gönnertum nicht leisten.

Wer sich für Leising interessiert, wandert besser direkt weiter zu Planet Lyrik – in einem außerirdischen Webdesign gehalten, doch qualitativ vom feinsten -, wo ihm ein sorgfältig bestelltes Plätzchen reserviert ist,

hier (Beiträge und Würdigungen u.a. von Kristof Wachinger, Michael Braun, Kristin Schulz, Jürgen Serke und Holger Helbig).

Musik zum Advent

Montag. In der Nacht hat es geschneit, nicht doll viel, aber genug, dass heute Schneelicht ist. Die Lautstärke der Autos heruntergedreht, auch recht. Ich specke ein bisschen an. Mit dem Tee hinterher, 9 als nächstes, Zitrone Ingwer. Dank je wel!

Es ist selbstverständlich (wer mich kennt) keine adventliche Musik. Weihnachten heißt für mich das Zimmer aufzuräumen, Staub zu saugen und Ruhe zu haben. Ich bin ein erz-nüchterner Weihnachtsbegeher.
Allein, dass ich die folgenden Darbietungen in dieser Zeit des Jahres zusammenstelle, qualifiziert sie für besagtes Attribut.
Bestimmt würfele ich noch ein bisschen herum, füge etwas hinzu, nehme etwas weg, ihr kennt das ja.
PS. Nichts von den unten gelisteten Musikstücken habe ich je im (deutschen) Radio gehört (Ausnahme Robin Holcomb, die Karl Lippegaus mal aufgelegt hat). Welche Verschwendung!

Ohne Zusammenhang: Nancy Hünger weist in ihrem „Aber ohne Ergebnis” überschriebenen Beitrag zum Günter Eich-Sammelband darauf hin, dass die tschechische Trickfilmfigur Der kleine Maufwurf und Günter Eichs Maulwürfe-Prosa im selben Jahr das Licht der Welt erblickten, 1968. Welche Utopien wurden da aufgeworfen, welche begraben?

Captain Beefheart The Dust Blows Forward ‘N the Dust Blows Back Captain Beefheart alias Don Van Vliet (15.1.1941 – 17.12.2010). Das zweite Stück aus dem von seinem einstigen Klassenkameraden Frank Zappa produzierten Album Trout Mask Replica (1969). *****

Rosalía Bizcochito Rosalía steht mit Motomami (2022) verdientermaßen auf den vordersten Rängen aller Jahres-Bestenlisten. Meine niederrheinischen Freunde verstehen nicht, was ich an Rosalía finde, aber ich lasse mich nicht beirren. *****
Robin Holcomb When I Stop Crying Montag, 21.00 Uhr. Vor zwanzig Minuten von der Arbeit nach Hause gekommen. Die Straße so glitzernd, lieber mal langsam laufen. – Hab ich 9 gesagt? Tee 8 war’s, aber Ginger Lemon, wie gehabt. – Der Song ist von Holcombs Rockabye-Album, das 1992 herauskam, vermutlich habe ich’s um die Zeit auch gehört. ***** The Angelica Sanchez Trio (w/ Michael Formanek & Billy Hart) Generational Bonds Angelica Sanchez ist mir bei Bandcamp begegnet, sie taucht aber auch in Giovanni Russonellos Auswahl der (10) New York Times Best Jazz Albums of 2022 auf. Das Stück lädt ein zu überprüfen, was das Blatt, und wahrscheinlich abermals Mr Russonello als dessen Jazz-Kritiker, über Angelica Sanchez geschrieben hat: „In her piano playing as well as her compositions Angelica Sanchez seeks out the lyrical heartbeat within any avant-garde storm…”  ***** Dua Lipa Golden Slumbers Das Beatles-Cover stammt aus der Live Acoustic EP (2017). Gute Stimme, ich möchte sie nicht missen! *****

21.00 Uhr, vor gut einer Stunde nach Hause gekommen. Jetzt 9 („Grüne Neune. Bio Kräuter-Früchtetee”). Ich specke weiter an, die Musik ist noch nicht zu Ende. – Es ist sicher kein Zufall, dass der beste anhörbare Jazz hispanische Verbandelungen hat, und ich überlege, ob ich anhörbar oder Jazz kursiv setzen soll. Bei Angelica Sanchez, in Phoenix, Arizona, geboren, vermute ich es; bei Marta Sánchez und Patricia Brennan weiß ich es; Adam O’Farrill nicht zu vergessen. [Text gestrichen] These (1): Literatur ohne Witz ist gipsern, wird vornehmlich von Gipsköpfen goutiert und ad infinitum in Gips gegossen. These (2): Literatur kann nicht zum Erstarren gebracht werden. Wenn sie starr ist: schlecht für sie.) María Grand/Rashaan Carter/Jeremy Dutton Magdalena ***** Ich bin abgeschweift. Sizigia (Syzygy), vorletztes Stück aus dem im November bei Kris Davis‘ Label Pyroclastic Records erschienenen More Touch. – Magdalena aus dem gleichnamigen Album (2018) der Tenorsaxophonistin María Grand.

O Gott, die Ziehzeit ist jetzt aber auch drüber!

MF DOOM (1971-2020) ist im aktuellen Song Belize von Danger Mouse und Black Thought als Stimme und Schatten dabei. DOOMs Tod am 31.10.2020 wurde erst am 31.12.2020 bekanntgegeben und überschattete den Jahreswechsel. Präsident Biden nahm einen Song von ihm in seine Inaugurations-Playlist auf, die Regierung Obama hatte ihm die Wiedereinreise in die USA verweigert (Wikipedia).

Zwei Abende verwendet man darauf, Text zu ergänzen, einen, um ihn wieder wegzunehmen – nicht alles, das ist wahr. – Sudan Archives stammt aus Cincinatti, Ohio, ich habe erst kürzlich angefangen, sie zu hören. Paid ist der erste Track ihrer sehr zu empfehlenden selbstbetitelten EP (2018), das Video zeigt sie mit Anfang/Mitte 20. Ihre Präsenz ist hypnotisch und rahmensprengend (die Kamera unverschämt draufhaltend, aber sie weiß es zu handeln). Auch Home Maker ist ein Opener – diesmal ihres zweiten Longplayers: Natural Brown Prom Queen (September 2022). Das oben verlinkte Golden City ist wiederum aus der Sudan Archives EP. „I’m not average”, singt Sudan Archives auf ihrer aktuellen Veröffentlichung. Das kann man wohl sagen!

Vulture Prince von Arooj Aftab, die in Brooklyn, New York, lebt, ist eine herausragende Veröffentlichung des vergangenen Jahres (2021). Arooj Aftabs Stimme bündelt alles abgrundtief Traurige der Welt. Der Sender KEXP aus Seattle hat sie eingeladen, ihre Musik zu spielen. Mach das in Deutschland, dann bleiben die Werbekunden weg!

Rosalía Granaína (Gitarre: Marc López) *****

… und ein ‚Rausschmeißer‘: