Über Konstantin Ames‘ neue Gedichte

Heute ist im Münchner Signaturen Magazin meine Kritik zum letzten Band der sTiL.e-Tetralogie erschienen.
Sie kann hier gelesen werden (keine Bezahlschranke!).
Bestellungen über den Buchhandel oder den Verlag -> Edition Noack & Block

„Du, wir bauen hier Widerstand an.” Über den letzten Band von Konstantin Ames‘ Tetralogie: Lyrik, Glückswürdigkeit. Geeichte und Gedichte in Zeitlupe (2021)

Julia Jacklin, Bertolt Brecht et …

www.deepl.com

Il y a deux semaines la le New York Times a proposé dans sa rubrique hebdomadaire Playlist, publiée chaque vendredi, la plage le titre Be Careful With Yourself de Julia Jacklin, chanteuse et compositrice australienne. Les paroles m’ont fait penser rappelé à un poème d’amour de Bertolt Brecht. Mais tandis que dans la vidéo la protagoniste lit le texte sur une feuille de papier comme si elle répétait un rôle ce que signifie que c’est son partenaire à en être l’auteur que son ami lui a écrit, Brecht, lui, met ses mots dans la bouche de la femme aimée.

please stop smoking, want your life to last a long time
if you don’t stop smoking i’ll have to start, shorten mine
when you go driving would you stick to the limit
i’m making plans for my future and i plan on you being in it

when things get too hard make sure that you’re talking
i know you were raised by the church encouraged to keep it all in
i’ve seen enough now to know that this is special
so i’m just asking politely if you’d just try and be careful with yourself

please make sure you have got a little savings
we have to try to be prepared for things changing
i’ll keep the car in the drive, if you maintain the house
let’s keep all our doctors appointments, give voice to our doubts

from now on in you i put all my trust
now that i know there’s nobody coming to save us

(c) Julia Jacklin

Der, den ich liebe
Hat mir gesagt
Dass er mich braucht.

Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
Fürchte von jedem Regentropfen
Dass er mich erschlagen könnte.

Bertolt Brecht
(c) Suhrkamp Verlag, Berlin
Aucune violation du droit d’auteur prévue.

Maintenant, grâce à Julia Jacklin, la série d’albums magnifiques de jazz sur mon compte Bandcamp a été interrompue par son album opus indie Pre Pleasure qui vient de paraître, et bien sûr je suis loin de m’en plaindre.

Quoi d’autre ?
La semaine de travail était assez tendue. Mercredi on a reçu un courriel du siège central de notre compagnie en Californie communiquant nous informant que pas moins de 20 % du personnel seraient licenciés serait licencié le lendemain. Jeudi j’étais au bureau à Friedrichshain où – peu surprenant – régnait une ambiance assez lugubre. Au bout de quelques heures d’angoisse c’était il était clair que personne de notre équipe serait viré, pourtant j’avais du mal à sentir du soulagement être soulagé parce qu’en même temps des collègues d’autres équipes ont perdu leur travail.
Ayant fait l’expérience de ce ‚massacre‘ Suite à cette expérience de dégraissage, nécessaire peut-être du point de vue de gestion, j’ai pensé que probablement ce serait malin de continuer plus acharnément sérieusement mes études de français, voire d‘apprendre du vocabulaire, de mémoriser enfin la différence entre ‚vite‘ et ‚rapide‘, de m’inscrire de nouveau à la table ronde des traducteurs et (surtout) traductrices franco-allemands, bref, de diversifier mon travail, de m’orienter lentement mais sûrement vers des métiers qui ne dépendent pas du cours de la bourse comme, justement, traducteur (mal payé), ou critique littéraire (pas payé). Attends Voyons … Y-a-t-il Y a-t-il des femmes riches et célibataires parmi mes lectrices ?

Après tant de texte en français, je voudrais conclure avec un morceau mesuré, beau et digne solennel découvert récemment sur Bandcamp, et qui pour quelque raison une raison inconnue a seulement 23 visites sur YouTube. Faites passer le mot !

Pablo Ablanedo, piano / Anat Cohen, clarinette / Jenny Scheinman, violon / Chris Cheek, saxophone ténor et soprano / Jerome Sabbagh, saxophone ténor et soprano / Diego Urcola, trompette / Ben Monder, guitare / Fernando Huergo, basse électrique / Franco Pinna, batterie

Konstantin Ames, Finales

Hier ein Auszug aus einer Kritik zum Band sTiL.e(vir) Lyrik, Glückswürdigkeit von Konstantin Ames, 2021 erschienen, Abschluss seiner sTiL.e-Tetralogie: Vorschlag einer Interpretation.

[…]

Finales

schrieb wer über Punk

er sei zurück (Das Loch)
aber das wüsste ich doch
sagt mir der unverbitterliche Postpunk
TU DAS LIEBER NICHT
Klopstock geht ja praktisch immer
Töpfelchen fönden söch dönn schön
NEIN TU DAS NICHT
vor der Fi’ale der Postbank

Die Kleinschreibung von „schrieb“ erlaubt es, den Anfang so zu lesen, als habe jemand „Finales“ über Punk geschrieben – wobei offen bleibt, ob das Substantiv, im Sinne von „Abschließendes, Letztgültiges“ verstanden, auch eine Konnotation von „Punk ist tot“ haben könnte –, oder als habe er erklärt, Punk sei zurück (nachdem er zwischenzeitlich passé gewesen war). In Parenthese wird „(Das Loch)“ hinzugesetzt, wohl als Beleg für die Richtigkeit der These. Der großgeschriebene Artikel, wie auch die mindestens seit Zeiten der Beatles (The Beatles) zu beobachtende Gepflogenheit vor allem angelsächsischer Gruppen, ihrem Namen ein The voranzustellen, lässt auf eine Band schließen, möglicherweise Hole (ohne Artikel) – nur dass die Musiker um Courney Love keinen Punk, sondern Alternative Rock spielen. Ihre Platten sind bei einem Major-Label erschienen.

Vorstellbar, dass es nur einen Sprecher gibt, der die (vermeintliche) Neuigkeit über Punk mitteilt. „aber das wüsste ich doch“ könnte dann der – nur gedachte – Einwand des Angesprochenen sein. Vielleicht gehört der Satz aber auch zur Rede des „unverbitterliche[n] Postpunk[s]“, oder alles ist ein Bruchstück aus dem Bewusstseinsstrom einer einzigen Person, „ich“, wäre also eher zu lesen als: Aber das wüsste ich doch, sagte der unverbitterliche Postpunk in mir.
Das Adjektiv klingt freundlicher als „unverbesserlich“.
Die Mahnung „TU DAS LIEBER NICHT“ kommt unvermittelt und scheint zusammenhanglos, ist in jedem Fall überraschend, wie auch der nachfolgende Vers, der im Gedichtkontext nicht minder fremd klingt, mit der Namensnennung jedoch auf genuin poetisches Gebiet lenkt: „Klopstock geht ja praktisch immer“.
Selbstgespräch des nicht so sehr an Punk Interessierten? In welche Dichtungsdebatte mag der Einwurf wohl gehören? Das bleibt im Dunkeln, wenn auch das, geziertes Sprechen karikierende, „Töpfelchen fönden söch dönn schön“ ahnen lässt, dass der an Klopstock Denkende es für einen Holzweg hält. „NEIN TU DAS NICHT“, folgt eine weitere Warnung – Warnung, jetzt nicht in die Klassizismusfalle zu tappen (möge sie sich auch, wer weiß, finanziell auszahlen, denn: „Klopstock geht ja praktisch immer“)?
Der Schlussvers benennt den Ort, an dem dieser Austausch über Musik stattfindet: „vor der Fi’ale der Postbank“. Das synkopierte Wort („Fi’ale“) greift die Mündlichkeit der Situation auf und verweist auf die Überschrift: Finales.
Er resümiert, wohin es führt, wenn Kunst auf Geld schielt. Dann reimt sich ganz schnell „Postpunk“ auf „Postbank“. Drei Mal darf man raten, wer stärker ist.
So wird „Finales“ lesbar als Gedicht über künstlerischen Ausverkauf, und über die Weigerung, dabei mitzumachen.

[…]

sTiL.e(vir) Lyrik, Glückswürdigkeit. Geeichte und Gedichte in Zeitlupe. Mit einem Nachwort von Michael Gratz. 116 Seiten, Klappbroschur. Edition Noack & Block, Berlin 2021. 14,80 Euro – Kann über den Buchhandel bestellt werden (ISBN: 978-3-86813-096-6), oder direkt beim Verlag

Schweinegeld

[Robert Habeck, ministre fédéral de l’Économie -> Gasumlage wird überprüft.]

„300 Tonnen tote Fische” lautet heute eine Nachricht des Deutschlandfunks (j’ai commencé à écrire cette entrée du blog avant-hier, heute se réfère donc à ce jeudi) verbunden mit der Zeile: „Umweltkatastrophe an der Oder”. Wenn so viel Leben vernichtet wird, kann man von einer Katastrophe wohl sprechen, aber vielleicht wäre das Wort Umweltverbrechen zutreffender?
„Es ist wahrscheinlich, dass eine riesige Menge an chemischen Abfällen in den Fluss gekippt wurde, und das in voller Kenntnis der Risiken und Folgen”, zitiert rbb24 (bereits am 13.8.) den polnischen Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki. „Die wichtigste Aufgabe ist es jetzt, den Täter, den Giftmischer zu finden.”
Da ist es doch gelinde enttäuschend, wenn die neuesten Meldungen nun immer bei der Algenart enden, die gefunden wurde. Interessant wäre einmal eine Auflistung der längs des Flusses angesiedelten Betriebe, die für salzhaltige Abwassereinleitungen in Frage kommen. Gibt es so etwas? Was sagen diese Leute? Oder haben sich die Eigner der 282 illegalen Abwasserleitungen abgesprochen und auf drei die Hähne aufgedreht?

DeepL Übersetzer

Ma prof de français m’a suggéré d’écrire ce blog en français, justement, puisque ce serait un bon exercice. Sûrement ! Pourtant, je crois qu’elle a dit ça parce qu’elle aime corriger mes fautes de grammaire, d’expression, d’ordre des mots, etc. En écrivant dans une langue que je connais bien sans tout de même la maîtriser parfaitement, je ne manquerai pas de lui fournir abondamment du matériel pour les leçons à venir. Sehr schlau ! Dois-je donc rebaptiser Im Dickicht et le nommer désormais Dans les fourrés ?
Maintenant le petit troupeau de mes lecteurs se dispersera sans aucun doute en un clin d’œil. Au revoir !

Voyons ce que la Playlist de la New York Times propose aujourd’hui. Tiens, il y a un tube (c’est certain !) de Britney Spears et Elton John, Hold Me Closer, un morceau indie de Julia Jacklin, Be Careful With Yourself, et d’autres qui doivent attendre jusqu’à demain.

Plus le monde est fou plus on doit s’occuper de choses intelligentes et belles. Pour cette raison ici un morceau rayonnant du Marta Sánchez Quintet. Les musiciens de Yayyy sont Román Filiú, saxophone alto, Jerome Sabbagh, saxophone ténor, Marta Sánchez, piano, Sam Anning, contrebasse, et Jason Burger, batterie. Profitez-en !

Auto, alte Nervtüte

„Oh, von den Toten auferstanden!” grüßte Dr. B., kurz aufblickend, dem Regal Geisteswissenschaften zustrebend. Aber tot war ich gar nicht gewesen, nur Urlaub. Und dann, okay, eine Woche wie erschlagen.
„Hier steht was für dich”, hielt mir mein Chef ein Buch unter die Nase. Jedenfalls wüsste er nicht, wer es sonst bestellt haben sollte. Ich konnte mich nicht erinnern, sagte, es könne auch die Dame von der Bundeskulturstiftung gewesen sein. Er gab mir Recht, aber ich schnappte es mir, es passte ja: worte. und deren hintergrundstrahlung. Thomas Kling und sein Werk. (Ich bin Klingianer.)
„Und das hier”, zauberte er von anderswo her eine Zeitschrift hervor. Die bestellt zu haben, erinnerte ich mich auch: IDIOME. Hefte für Neue Prosa.
Angesichts dieser Überraschungen, hätte ich vielleicht Michel Butors Der Zeitplan noch etwas länger im Regal stehen lassen. Aber ich hatte schon vor Monaten damit geliebäugelt, ohne viel darüber zu wissen, nur erinnere ich mich, in dem unausschöpflichen Band Paris-Paris 1937-1957 davon gelesen zu haben, lange her, und es war nur vernünftig, ihn genau gestern zu pflücken.
„Der Roman [als Form] ist eine Suche, in deren Verlauf das Universum, in dem wir leben, erkundet, in Frage gestellt und neu geschaffen wird.” (Hat er das gesagt? Na, jedenfalls steht es in dem kurzen, Butor gewidmeten Absatz in Paris-Paris.)

Aus The Shape of Jazz to Come, 1959. – Ornette Coleman, Don Cherry, Charlie Haden, Billy Higgins.

Modernität ist etwas, das mich grundsätzlich interessiert, und Der Zeitplan (L’Emploi du temps), 1956 in den Éditions de Minuit erschienen, muss damals hypermodern gewesen sein. Die Übersetzung von Helmut Scheffel, zuerst 1960 im Biederstein Verlag, München, ist – vermutlich – kongenial. (Für die Neuausgabe bei Matthes & Seitz Berlin, 2009, wurde sie von Tobias Scheffel durchgesehen.)
Tolle Wasservergleiche!
„Denn damals war das Wasser meines Blickes noch nicht getrübt; seitdem aber hat jeder Tag seine Prise Asche hineingeworfen.” (S. 8)
„Ich habe die Augen geöffnet und graues, wie Spülwasser aussehendes Licht sich in den Saal ergießen sehen. Die drei Landstreicher atmeten regelmäßig.” (S. 14)
Diese Proben genügen mir schon als Qualitätsausweis.

Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (Eckpunktepapier) gebookmarked.
Straßenbegleitgrün.
Politik und Verwaltung haben ihre eigene Sprache.

Giftfracht

Ist Giftfracht ein poesiefähiges Wort? Wahrscheinlich! Unterdessen wird nach Lektüre eines ZDF-Artikels deutlich, warum die zuständigen polnischen Behörden partout nicht herausfinden wollen, warum in den letzten zwei Wochen 190 Tonnen toter Fische aus der Oder geborgen wurden und, wie zu lesen war, ihr Pegel um 30 cm angestiegen ist:
„So ist etwa Paweł Rusiecki, einer der vier stellvertretenden Direktoren des Wasseramtes, Ehemann von Umweltministerin Anna Moskwa.”
Ach so.
Bemerkenswert auch die „Ausgaben für neue Dienstfahrzeuge im Wert von mehreren Millionen Euro”. Vielleicht haben auch deutsche Autohersteller davon profitiert, das wäre doch schön.

Thomas Dudek, Fischsterben in der Oder : Offene Fragen und Ablenkungsmanöver in Polen (ZDF, 18.8.2022)

Wer ein bisschen über Ornette Coleman nachliest, wird die Information finden, dass seine Eltern zu arm waren, um ihn zum Musikunterricht anzumelden. Also hat er sich das Saxophonspielen als Teenager selbst beigebracht, neben seiner Arbeit als Fahrstuhlführer, allerdings ohne zu wissen, dass die Musik anders notiert ist als sie klingt, so dass er die Intervallproportionen zwar korrekt spielte, aber mit falschen Tönen. Man hat in diesem produktiven Irrtum eine Ursache für Colemans harmonische Freiheit gesehen.
Miles Davis, Konkurrenz witternd:
„Hell, just listen to what he writes and how he plays. If you’re talking psychologically, the man is all screwed up inside.”
Sein Trompeter-Kollege Dizzy Gillespie: „I don’t know what he’s playing, but it’s not jazz.”
Andere waren hellsichtiger, wie der Komponist Gunther Schuller:
„His playing has a deep inner logic, based on subtleties of reaction, subtleties of timing and color that are, I think, quite new to jazz. At least they have never appeared in so pure and direct a form”,
oder John Lewis, der Pianist des Modern Jazz Quartet:
„The only really new thing since the mid-’40s innovations of Dizzy Gillespie, Charlie Parker, and Thelonious Monk.”
[Alle zitiert nach dem Booklet zur CD-Box Beauty Is a Rare Thing: The Complete Atlantic Recordings, 1993]

Ornette Coleman, alto sax – Don Cherry, pocket trumpet – Charlie Haden, bass – Billy Higgins, drums [8.10.1959, Hollywood, California]

Ramblin‘ aus dem Album Change of the Century (1960) hat eine bluesige Phrasierung und Intonation. Es ist ein sofort eingängiges Stück. Ornette Coleman, aber auch Don Cherry und Charlie Haden, zitieren hier (offenbar) nordamerikanische Folkmelodien. Man hört schwach (Sprech-) Stimmen im Hintergrund, vielleicht von den Musikern, vielleicht vom Studiopersonal, was der Aufnahme Lebendigkeit und Alltagsnähe verleiht. Don Cherry spielt das zweite Solo, auf seiner sogenannten besseren Kindertrompete, und als wäre das alles nicht schon großartig genug, folgt ab 4:00 Charlie Haden, dessen Solo technisch gar nicht besonders spektakulär scheint, aber eben doch ist, minimalistisch begleitet von Billy Higgins‘ Glöckchensound. Viel später (1977) hat Ian Dury Hadens Solo über Ramblin‘ in einem seiner Songs zitiert. Zum Schluss wiederholt das Quartett das Thema – wie oft bei Coleman, ist es recht fröhlich – und dann ist die Sechseinhalbminuten-Sternstunde vorbei.

Anlässlich eines mehrtägigen Engagements in Paris 1997, hat Jacques Derrida Ornette Coleman für die Musikzeitschrift Les Inrockuptibles zu den Themen Komposition, Improvisation, Sprache und Rassismus interviewt. Ein englisches Skript (.pdf) gibt es bei ubu.com, aber das nur nebenbei.

Übrigens, ein anderer sehenswerter Clip aus der diesjährigen Ausgabe von America’s Got Talent ist der Auftritt der polnischen Sängerin Sara James, die einen Song (Lovely) von Billie Eilish singt. Dafür gibt’s einen ‚Golden Buzzer‘ – verdient!

Variable Gehaltsanteile

Im Herbst 2025 wird die nächste Bundestagswahl stattfinden. Bundeskanzler Olaf Scholz wird dann Stimmen, und, wenn es schlecht für ihn läuft, sein Amt verlieren. Soll man ihn bedauern?
Sein Gedächtnisverlust im Zusammenhang mit dem Betrugs- und Korruptionsskandal in Hamburg (Cum-Ex) ist nicht akzeptabel und muss, wenn schon nicht vor Gericht, dann per Wahlzettel geahndet werden.
Der Wikipedia ist zu entnehmen, dass der Bank-Räuber („Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?” – Bertolt Brecht, 1928) Christian Olearius vom Ehrenmann Peter Gauweiler (Kanzlei Gauweiler & Sauter, does it ring a bell?) anwaltlich vertreten wird. Viel Glück!
An seinem Grabe aber – der Gute ist schon achtzig – wird dermaleinst an seine kriminelle Energie und sein staatsschädigendes Verhalten erinnert werden.
(Wäre es nicht eine schöne Kollektivarbeit, neue Gesänge zur Dante’schen Hölle zu schreiben?)

Abgesehen von diesen geduldeten wirtschaftskriminellen Verwicklungen, ist aber auch die Politik insgesamt nicht so toll. Es wird gesagt, man wolle weg von fossilen Energieträgern, und dann wird die Mehrwertsteuer auf Gas auf 7% abgesenkt? Bis Frühjahr 2024?
Die Lenkungsfunktion von Preisen wird auf diese Weise nicht gesichert, vom Verlust an Steuereinnahmen ganz zu schweigen. Vielleicht nimmt sich die deutsche Politik demnächst ein Vorbild an Japan und ermuntert die jungen Leute, mehr Alkohol zu trinken.

Die Verwandtschaft erinnerte neulich an diesen Song von John Mayall.

Man’s a filthy creature
Raping the land and water and the air
Tomorrow may be too late
Now’s the time that you must be aware
Nature’s disappearing
Polluted death is coming, do you care?

Garbage going nowhere
Soon the dumps will spread to your front door
Lakes and rivers stagnant
Nothing lives or grows like years before
Nature’s disappearing
The world you take for granted soon no more

Read about pollution
Make manufacturers uncomfortable
Boycott at the market
Containers that are non-returnable
Aluminum, glass and plastic
Eternal waste that’s not destructible

We’re a generation
That may live out our natural time
But as for all our children
Born to suffocate in human slime
Nature’s disappearing
And we are guilty of this massive crime

Die Musik ist durchschnittlich und recht lahm (kein Schlagzeug!), aber der Text so aktuell wie vor fünfzig Jahren (1970). – Die Band besteht aus John Mayall, Don ‚Sugarcane‘ Harris, Harvey Mandel und Larry Taylor.

Ein unendliches Thema, weil es die „Ewigkeitslast” Plastik betrifft:
Anja Krieger, Plastikmüll im Meer. Schon 1972 schlugen Forscher Alarm (Deutschlandfunk Kultur, 2020)

Die taz am wochenende widmet ihre Titelgeschichte dem Fischsterben in der Oder und mahnt „ein grundsätzlich anderes Verhältnis zu unseren Flüssen” an. Tja, das wäre in der Tat notwendig und wünschenswert. Es werden aber die Fahrrinnen der Oder und der Elbe vertieft, für den Rhein ist es angekündigt. Man kann Gift darauf nehmen, dass es genau so gemacht werden wird, da können sich die Umweltverbände auf den Kopf stellen.

Die New York Times gedenkt des Walrosses Freya, das die norwegischen Behörden umgebracht haben. (Haut das hin mit dem Link?)

Nun zu etwas Erfreulichem. Ornette Coleman, der in den 60er Jahren Free Jazz gespielt hat – der Begriff ist seine Erfindung – wandte sich in den 70ern dem Free Funk zu. Zwischen diesen beiden Phasen liegt das Album Science Fiction (1972). Daraus hier Law Years, das noch mehr zur alten Seite hin neigt.
In einem anderen Stück, Rock the Clock, wird Charlie Haden seinen Bass über ein Wah-Wah-Pedal spielen [ab 1:02], und das klingt dann schon mehr nach Prime Time (Colemans electric band).

Ornette Coleman, as – Dewey Redman, ts – Bobby Bradford, tp – Charlie Haden, b – Ed Blackwell, dr

Und ein Fitzelchen aus der Populärkultur, der Auftritt von Sängerin Debbii Dawson aus Los Angeles bei America’s Got Talent – ein Sonnenschein.

Destination … Out!

Am 3.6.2022 starb, an seinem 85. Geburtstag, der Posaunist und Komponist Grachan Moncur III. Love and Hate aus dem Album Destination … Out! ist eine seiner berühmtesten Kompositionen – legendär! (Blue Note, New York 1964).

Die Musiker:
Jackie McLean, as
Grachan Moncur III, tb & comp
Bobby Hutcherson, vib
Larry Ridley, b
Roy Haynes, dr

Was sonst noch wichtig war: Die Fische in der Oder sind tot (alle). Merkwürdigerweise weiß niemand, woran es liegt. War es die Unsichtbare Hand? Oder hat es mit der Regierungspartei Prawo i Sprawiedliwość zu tun (frei übersetzt: Law and Order)? Möglich, dass ein Parteifreund von Jarosław Kaczyński aus Kostenersparnis seine hochgiftigen Abfälle in die Oder verklappt hat und dann zum Telefonhörer gegriffen hat: „Hey, Jarosław, ich bin’s. Pass auf, ich hab ein Problem … Du musst mir helfen!”
Na ja, wundern darf man sich, dass nicht nur großes Rätselraten herrscht, wer und was für das Verbrechen verantwortlich ist, sondern dass auch nicht ermittelt wurde, wo sich die Vergiftung ereignete. Ist beim Ausbaggern des Flusses etwas schiefgelaufen? Dann besteht erst recht Grund zur Vertuschung, um das Infrastruktur-Projekt nicht zu gefährden.
Wie geht’s eigentlich dem Białowieża-Urwald? Auch da schafft die PiS Tatsachen.
Es wird Zeit, dass diese Leute abgewählt werden.

Auch dies stimmt nicht froh: Bei Waldbränden in diesem Jahr mehr als 660.000 Hektar Land in Flammen aufgegangen. [Diese Zahl bezieht sich nur auf Europa, Stand jetzt, zur Mitte der Waldbrandsaison.] (Nicht, dass es dadurch einfacher wird, sich den Schaden vorzustellen, aber 1 Hektar sind 10.000 Quadratmeter.) Die Waldflächen, die auf Grund von Trockenheit kaputtgehen werden, darf man hinzuaddieren.

Eine Woche Krankschreibung, das reicht doch hoffentlich? Mal sehen, was die Teststelle sagt.

Flucht aus Byzanz (keine Abbildung vorhanden), lesenswert, aber nicht alles gleichermaßen interessant. Konstantin Kavafis – boring! Besser wäre es, die Essays zum Silbernen Zeitalter zusammenzufassen, und fertig.

Auf dem Sprengplatz

Einen Sprengplatz – so was hat wahrscheinlich auch nur Berlin. 25 Tonnen Dynamit dort zu horten … gut, kein Dynamit, aber Bomben, Munition und Feuerwerk …, im „beliebten Naherholungsgebiet”, wie das ZDF mit einem Unterton der Missbilligung berichtet, das scheint, mit einem Wort des geschätzten Altkanzlers, suboptimal. Immerhin war die Avus ein paar Tage lang gesperrt, die berühmte Rennstrecke. Das hat den Autosüchtigen sicher nicht geschmeckt, aber vielleicht doch auch einmal ganz gut getan.

À propos: Die heute von ihrem Amt zurückgetretene Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg gehört mit einem Jahresgehalt von 300.000 Euro wahrscheinlich, wie ich selbst (oder Friedrich Merz), zur bedrohten Mittelschicht. Wie gut, dass es das Dienstwagenprivileg gibt. Dadurch lassen sich Härten abfedern.
Massage-Sitze in die Luxuskarosse montieren lassen ist ja nicht billig.
(Ein Revolverblatt wie Im Dickicht lässt sich ein solches Detail nicht entgehen, klar.)
Man darf gespannt sein, welcher Regierung die Ehre zukommen wird, es eines Tages abzuschaffen. Vermutlich muss zunächst einmal der kleine Koalitionspartner abgeschafft werden.
Ulrike Herrmann von der taz gibt zu bedenken, dass die gesamte Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, der „Selbstbedienungsmentalität” frönt, und fordert, damit müsse Schluss sein.
Träumen darf man!
In einem anderen Artikel zum Thema verlinkt die taz diese beiden lesenswerten Blogeinträge der Freien beim rbb, die die Unverfrorenheit und Schamlosigkeit der (gewesenen) Intendantin noch einmal ins rechte Licht rücken. (Wie gesagt: Ähnliche Stories gibt’s bestimmt auch unter, zum Beispiel, Tom Buhrow.)
Löffelhäppchen + Schlagzeilen + Belegschaftsversammlung
Vorwürfe + Bestandsschutz + Energiepreispauschale

In der Ukraine ist ein Atomkraftwerk beschossen worden – das größte Europas.
Unser kleiner Sprengplatz im Grunewald ist ein Sandkasten dagegen.

Der Landwirtschaftsminister (von den Grünen) verschiebt das EU-Artenschutzprogramm ein bisschen, damit die Landwirte mehr Getreide anbauen können. Der Oberlobbyist der Landwirte ist erleichtert. Er sorgt sich um die Ernährung der Weltbevölkerung, guter Mann! Es wäre aber auch möglich, die Ackerflächen, die jetzt zur Produktion von Biotreibstoff und Futtermitteln für die Fleischindustrie benutzt werden, umzuwidmen. (Möglicherweise hat sich der kleine Koalitionspartner dagegen gesperrt. Oder die Agrarlobby, oder beide.)

Für die Nachgeborenen: Insekten, das waren diese kleinen Dingerchen ->
Insekten.

Fazit: Auch nach dem Urlaub ist die Selbstabschaffung des Menschen – einschließlich der Vernichtung aller anderen Arten – eine denkbare, und man darf sagen: eine aktiv betriebene, Sache und, wie es aussieht, der wahrscheinliche Ausgang des Dramas. Schade.

Kimbra hat zusammen mit dem mexikanischen Jazzdrummer Antonio Sánchez einen neuen Song veröffentlicht. Leider ist nach drei Minuten Schluss. Trotzdem toll!