Ornette Coleman Free Jazz

Die berühmte Schallplatte erschien im September 1961. Die Band besteht aus Ornette Coleman, Don Cherry, Freddie Hubbard, Eric Dolphy, Scott LaFaro, Charlie Haden, Ed Blackwell und Billy Higgins.

Zum Lesen und Hören:
Free Jazz: A Collective Improvisation (Wikipedia)
Steve Huey Free Jazz Review (AllMusic)
Gunther Schuller Free jazz: the explorations of Ornette Coleman (Encyclopedia Britannica)
Das Album, dem der Free Jazz seinen Namen verdankt (Ö1)

Der Status von Pflanzen in moralischer Hinsicht

Ich übernehme die Überschrift aus der Rezension des Buchs Tiere wie wir der Philosophin Christine M. Korsgaard von taz-Kulturredakteur Tim Caspar Boehme, siehe hier. (Muss ich einer Freundin schicken, die ihr Fleischessen mit dem Argument verteidigt, die Veganer würden ihrerseits ja schamlos Pflanzen essen, die doch auch leben wollten. Das mag durchaus so sein, und doch würde ich behaupten, dass die Haltung von Pflanzen zu menschlichem Nutzen ethisch weniger bedenklich ist als Haltung, Ausbeutung, Schlachtung und Verzehr sogenannter ‚Nutztiere’, von der Biene bis zum Pferd.) (Seit meinem Vegetarierwerden 2009 in Graz habe ich übrigens ganz vereinzelt Meerestiere gegessen, Sardellen und Muscheln z.B., was mein Karma hoffentlich nicht zu sehr belastet.)

Die problematischen Folgen des industriell betriebenen Pflanzenanbaus lassen sich unter anderem in Spanien beobachten, wo unlängst 70000 Menschen in einer (laut Berichten) 73 Kilometer langen Menschenkette die Salzlagune Mar Menor symbolisch umarmt haben, die – einstmals ein schöner Ort -, heute ein stinkender Pfuhl ist, an dessen Gestade tonnenweise verendete Meereslebewesen landen.
Diese Leute haben protestiert, aber sie haben auch ihrer Trauer darüber Ausdruck verliehen, dass die schöne Natur zuschanden geht. (Trauer über das Leiden der Natur empfinde ich auch, nicht täglich, aber wiederkehrend – wie sollte es auch anders sein?)
Diese symbolische Umarmung hat mir als Geste gefallen.
Ich bin ein Anhänger des Animismus.
Ich bedanke mich abends bei meinem Fahrrad.
Die Blätter jagen einander und tanzen (die toten auf der Straße).

Die taz hatte neulich ein Interview mit dem Politologen Volker M. Heins zum Thema Grenzen/Migration. Darin der bedenkenswerte Satz:
„Militarisierte Grenzregimes […] sind […] der vergebliche Versuch, eine „weiße“ Parallelgesellschaft auf der Erde zu erhalten oder wiederherzustellen.”

Ich stelle mir vor, dass es aus mancherlei Gründen (Armut, Klimakatastrophe, unfaire Chancenverteilung) immer schwieriger werden wird, das Konzept streng gegeneinander abgeschotterter Nationalstaaten aufrechtzuerhalten. Es erscheint mir sowieso künstlich und unorganisch. Ein identitär angelegter Staat wie Dänemark dürfte – ich hoffe es zumindest – ein Auslaufmodell sein. Am Ende werden nur natürliche Grenzen übrigbleiben: die Alpen, der Rhein, der Ärmelkanal, usw.
Mich schreckt die Aussicht, dass unsere Gesellschaft vielfältiger werden wird, nicht. Anders wäre es furchtbar.

Da ich neulich vom Bauen geschrieben habe – Scholzi möchte bekanntlich 400000 Wohnungen jährlich hochziehen lassen -: wird da nur das schädliche B-Material Beton verwendet werden, oder bekommt vielleicht, im Sinne der Kreislaufwirtschaft, das A-Material Lehm eine Chance?

Zur Feier ihres 10-jährigen Bestehens hat unsere Firma einen tennisballgelben Kapuzenpullover mit aufgesticktem Gespenst und ein schwarzes T-Shirt mit gelb-rot-orangem Design ins Dickicht geschickt. Nice 🙂

Denk ma an die Liebe

(Wandschrift Berlin-Friedenau)

Bonjour,

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Bien cordialement,

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schreibt mir eben diese Zeitung, die 1973 von Jean-Paul Sartre gegründet wurde. Ein Herr de Rothschild hält Anteile (als Hauptaktionär). In Kürze wird sie wohl freigeschaltet werden, wenn meine zwei Euro angekommen sind.
Den Newsletter bekomme ich bereits, Freitag widmete er sich dem Thema der Datenvergiftung. Offenbar gibt es Programme, mit denen man, zum Schutz seiner Persönlichkeitsrechte, Abbildungen seines Gesichts überkrickeln kann: damit unbrauchbar für die Gafa alias Google, Apple, Facebook (!), Amazon. In Zeiten der Gesichtserkennung sicherlich ein nützliches Werkzeug.

Eine positive Meldung der letzten Tage war, dass eine geplante Kupfermine in Norwegen nach dem Rückzug eines deutschen Produzenten nun möglicherweise doch nicht gebaut werden wird. Der Bericht erläuterte, dass „die Regierung in Oslo genehmigt hatte, den gesamten mit Schwermetallen und giftigen Chemikalien belasteten Grubenschlamm einfach in den Fjord zu leiten”, und zwar über die gesamte, mit fünfzehn Jahren angegebene, Laufzeit der Mine hinweg, s. hier.
Die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg sah darin kein Problem, und auf die Rechte der Samen hat sie auch keine Rücksicht genommen.
Es ist doch immer wieder verblüffend, wie skrupellos und niederträchtig manche Leute handeln. Erna Solberg ist sicherlich nicht einmal die Schlimmste in diesem Verein.
Zusammen mit den guten Nachrichten aus Grönland gibt das – hoffentlich! – Aus für die Kupfermine der Hoffnung Nahrung, dass ein Umdenken einsetzt und es mit der Ausbeutung von z.B. Bodenschätzen vielleicht doch einmal ein Ende nimmt. (Wobei der Chef der US-amerikanischen Verwaltung ja ein Freund des Frackings ist, leider.)
Ich wünsche mir, dass uns ein besseres ökonomisches Modell einfallen möge als das der Räuber- und Plünderwirtschaft.

Nicht nur Bob Dylan, Captain Beefheart und Charlie Watts wurden 1941 geboren wurden, sondern auch Annette Peacock, die Anfang der 70er Jahre groß in den Musikzirkus hätte einsteigen können (an der Seite David Bowies), sich aber dagegen entschied. Aus Anlass ihres Geburtstages – wann der genau ist, weiß ich nicht – sind zwei ihrer Platten wiederveröffentlicht worden, X-Dreams und The Perfect Release.


Bei meinem Versuch, Licht in die mir dunkle Bedeutung des Worts – und einstigen Berufs – Seneschall zu bringen, das ich in den schönen Erzählungen der Marie de France gelesen hatte, wurde ich auf das Wort Truchseß verwiesen.

Demnächst trifft sich, allerdings nur per Computer, die Rebellionsgruppe der Extinction Rebellion, der ich mich anzuschließen gedenke, es sei denn, ich würde zum Ergebnis gelangen, dort nicht gut aufgehoben zu sein. Die Bezeichnung meiner Rebellionsgruppe ist ganz friedlich: Earth Holders. Mal sehen. Eine Arbeitsgruppe würde mich ebenfalls interessieren: Regenerative Kultur. – Alles Neuland für mich, mehr als dieses Internet, und vielleicht finde ich es auch schrecklich, das sehe ich dann.
So, wie es geht, geht es nicht weiter.

Gestern habe ich mir das ‚Triell‘ mit Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet angesehen. „Anne Will” war ich drauf und dran ebenfalls zu gucken, aber allein schon die Präsenz Christiane Hoffmanns vom Spiegel und Jana Hensels von der Zeit haben mich davon abgebracht. Kevin Kühnert wirkte aschgrau und hatte eine Bittermiene aufgesetzt, die ich auch nicht leiden kann. , möchte ich da mit einem Ausdruck meiner Freundin Hanna sagen und das Thema abschließen.

Galimathias

Das Wort, das so viel wie „Kauderwelsch, unverständliche Rede” bedeutet, kam mir in den Sinn, als ich Mallarmés Anmerkungen zur Sprache las oder zu lesen versuchte.
rendre au mot […] sa mobilité – okay, damit kann ich was anfangen. Dem Wort seine Beweglichkeit zurückgeben.

Gestern war ich bei Zadig, zum Abschluss einer kleinen Spazierrunde der auf drei Köpfe geschrumpften hiking group unserer Firma in Hermsdorf im Berliner Norden (Bezirk Reinickendorf), um mir Mallarmés Gelegenheitsgedichte (Vers de circonstance) abzuholen, und das Buch von Nastassja Martin, aber ich glaube, ich lasse Mallarmé jetzt erst einmal liegen und lese stattdessen etwas anderes, etwas, bei dem sich das Gehirn nicht wie ein Saugnapf über das Geschriebene stülpt, sondern schlendrig darüber hinweggehen kann. Ich dachte an Comics (Bastien Vivès).

Immer, wenn ich „Geimpfte und Genesene” höre, denke ich: Erniedrigte und Beleidigte, aus rhythmischen, nicht inhaltlichen, Gründen.

Der Außenminister mit dem klimpernden Dackelblick und der zuen Nase ist von den Entwicklungen in Afghanistan vollkommen überrascht.

Josephine Baker wird pantheonisiert.

Aus Anlass des Wahlkampfauftritts von Angela Merkel, Armin Laschet und Markus Söder in Berlin gab es gestern, im Zusammenhang mit dem August RiseUp!, eine Demonstration von Umweltschützern. Sie veranstalteten unter anderem – mit Blick auf die 230 Opfer, die die Überschwemmungen im Juli forderten – ein Die-in, ein Transparent zitierte Herrn Laschet mit dem Satz: „Nur weil jetzt ein solcher Tag ist, ändert man nicht die Politik.”

Die Plagiatsvorwürfe gegen Franziska Giffey, Kandidatin der SPD bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin (leider darf ich als Brandenburger nicht abstimmen), sind mir egal. Ich würde sie aus politischen Gründen nicht wählen, z.B. wegen ihrer vorgestrigen Verkehrs- und Baukonzepte.
Ich denke an einen Beitrag, den Jan Böhmermann und sein Recherche-Team vor gar nicht langer Zeit zum Thema Sand gebracht haben.
Ein Zitat daraus: „In Indien wird – Schätzungen zufolge – an mehr als 7000 Stellen illegal Sand gewonnen.” (Pascal Peduzzi, UN Environment Programme)
Dieser Bericht (von 2018) zitiert die Vereinten Nationen mit der Mutmaßung, „dass inzwischen etwa doppelt so viel Sand abgebaut wird, wie die Natur nachliefern kann.”
Sandkriege werden noch nicht geführt.
Auch Touris stehlen Sand, für’s Aquarium oder das Trophäenregal daheim.

Es ist überwältigend, in welchen Schwierigkeiten wir stecken. Es muss sich etwas ändern, überall, alles, sofort. – Ich hoffe, dass die Demonstrationen am 24. September groß werden, denn das hat Greta Thunberg wieder einmal ganz richtig gesagt:
„Echte Veränderung wird nicht durch Konferenzen herbeigeführt, sondern von Menschen auf der Straße und von Menschen, die den Wandel einfordern.” (zit. n. Augsburger Allgemeine, 20.8.2021)

Als ich Freitag abend vom Haus der Kulturen der Welt zurückkam, es muss schon spät gewesen sein, denn auf dem Weg waren die Ampeln ausgeschaltet, trabte ein Fuchs vor mir her auf das eingezäunte Gelände eines Autohauses, ich blieb stehen für ein kurzes hallo, er tat ein paar Schritte auf mich zu, nur konnte ich ihm nichts zu fressen anbieten, wer trägt schon Würstchen mit sich herum, ich sprach leise, mahnte ihn, auf den Verkehr aufzupassen und wünschte ihm einen guten Abend, indessen er das Gras beschnüffelte.
Vom Wald her das Grunzen von Wildschweinen.
Nur eine schwarze Katze sah ich noch auf dem letzten Stück des Wegs, Wendemarken, die Augen cyberartig kalt im Schein der Fahrradlampe.

Die Playlist der Zeitung aus New York hatte schon länger nichts mehr, das mich aus den Schuhen gehauen hätte.

Als wir Mitte Dezember aus dem Büro geschickt wurden, um von zu Hause zu arbeiten, dachte ich, es wäre für nur kurze Zeit. Ab September wollte ich halbe-halbe arbeiten, mal sehen, ob die Zahlen es erlauben.

Abschluss mit Die-in und Tanz

Samstag am Marx-Engels-Forum, wo ich an einem sogenannten NVDA-Training teilnahm – die Abkürzung steht für Non-Violent Direct Action. Es hat, mit Pausen, so lang gedauert wie eine Wagner-Oper, von ein Uhr mittags bis halb neun abends.
Mein Chef reagierte mit dem ihm eigenen Humor auf mein kurzfristig vorgebrachtes Ansinnen, bei einer Übung Zivilen Ungehorsams zum Auftakt des August RiseUp! teilzunehmen – der Aktionswoche verschiedener Umweltgruppen, die derzeit in Berlin stattfindet.
Vorsichtig hatte ich am Sonntag gefragt, ob – und wenn ja – für wie lange er mich an meinem Arbeitstag zum Demonstrieren freistellen würde.
Über einen Messengerdienst antwortete er trocken:
„Ein Tag plus folgend eine Nacht in einer Gefangenen-Sammelstelle sollte in jeder gutbürgerlichen Biografie verzeichnet sein.”
Er riet mir, auf dem Telefon die Nummer eines Rechtsanwalts abzuspeichern (der mich dann aus der Gesa herausholen würde), aber ich hatte gar nicht vor, das Handy mitzunehmen (auch beim Training war es nicht dabei gewesen).
Sonntag abend und Montag morgen bereitete ich mein Gepäck vor: Eine Tupperdose mit Johannisbeeren, Heidelbeeren und Apfelscheiben, eine Plastikflasche Wasser (mitgeführtes Glas sieht die Polizei nicht gern; noch ein harmloser Fahrradhelm würde als Bewaffnung gedeutet), eine kleine Blechdose mit Nüssen, eine Packung Paracetamol, einen zugeschnittenen Müllsack als Regenschutz, ein Sitzpolster (Pullover, Wolldecke), ein Reclamheft (Une saison en enfer), einen Emailleteller, eine Tasse, einen Löffel und ein kleines Pappschild (16 x 9 cm) mit der Aufschrift: „Wenn die Emissionen aufhören müssen, dann müssen wir die Emissionen stoppen. (Greta Thunberg)”
Außerdem natürlich eine FFP2-Maske – bloß nicht mit den Nichtdenkern um Herrn Ballweg verwechselt werden!
Geschlafen habe ich dann nur wenig, um pünktlich am vereinbarten Treffpunkt zu sein, wo unserer Kleingruppe der Einsatzort mitgeteilt werden sollte – eine Mitteilung, die dann verwirrend lange auf sich warten ließ. „Team Blau” hatte Material beschlagnahmt und unsere Pläne durchkreuzt. Schließlich gab es dann aber doch eine Sitzblockade am Platz des 18. März. Später verlagerte sich der Protest zum Monbijoupark, alles nicht ohne Schwierigkeiten, weil die Polizei (einschließlich Sondereinsatzkommando) im Verhältnis zu uns in dreifacher Stärke auflief – uns, die wir daran erinnern wollten, dass wir nur diesen einen zerbrechlichen Planeten E haben, der gerade vor die Hunde geht, was merkwürdigerweise die Mehrheitsgesellschaft nicht zu stören scheint.
Gerade hat Olaf Scholz erklärt, dass für ihn ein Ausstieg aus der Kohle vor 2038 nicht in Frage komme. Und Armin Laschet –
„Armin Laschet auf den Mond – das ist Raumfahrt, die sich lohnt!” (Ein Chor.)
„Dass die Politik nicht handelt, obwohl wir in die Klimakrise hineinrasen, ist unglaublich”, sagt Annemarie Botzki, eine der Organisatorinnen des August RiseUp!, im Gespräch mit der taz. Das sehe ich auch so. Mindestens würde ich erwarten, dass autofreie Sonntage ‚verhängt‘ werden – nichts dergleichen geschieht.

Wann, wenn nicht wir

„Mallarmé, intraduisible, même en français.” Dies Bonmot von Jules Renard wollte ich noch nachreichen. Auf Deutsch etwa: Mallarmé kann man nicht übersetzen, nicht mal ins Französische.
Ich klaue das von Tim Trzaskalik (Aussprache?), der sein Nachwort zu den Mallarmé-Studien von Jean Bollack mit eben diesem Zitat eröffnet.
(Dies Buch ist noch ungelesen. Ich frage mich, ob es für mein – grob gesagt – künstlerisches Gehirn nicht zu akademisch sein könnte. Ein Wort wie ehrpusselig, das Stefan Ripplinger in seinem lesbaren, und ich würde sagen: lesenswerten, Essay Mallarmés Menge verwendet hat, wird man beim todernsten Bollack vermutlich nicht antreffen, was bedauerlich ist. Überhaupt – jetzt allgemein gesprochen – wird sprachlich tendenziell eher wenig geschnoddert. Wer aber stilistisch nichts wagt, schreibt nicht gut, möchte ich keck behaupten.) (Ob ich Stefan Ripplinger in seiner Argumentation unwidersprochen folge, steht auf einem anderen Blatt. Ich kann mir Mallarmé auch in 200 Jahren nur als von einzelnen gelesen vorstellen, wenn es bis dahin noch Menschen gibt. Ich schließe keine Wette darauf ab.)

Heute nachmittag bin ich in die Maske des Aktivisten geschlüpft und habe an einer Fahrraddemonstration der Extinction Rebellion teilgenommen, wo ich ein Schild mit der Aufschrift „Wann wenn nicht wir” las. Die Polizei umsorglich. Einer meiner Brüder tauchte zu meiner Überraschung ebenfalls auf, was mich sehr freute, und noch besser: nachher lud er mich auf einen Cappuccino ein. Die Radlergruppe fuhr noch weiter bis zum Park am Gleisdreieck, um dort T-Shirts zu bedrucken.

Ab dem 16.8. sind unter dem Motto RiseUp umfangreichere Aktionen geplant. Der 16.8. ist ein Montag, da arbeite ich in der Buchhandlung, aber irgendwo werde ich während dieser Tage sicherlich aufkreuzen. – Bei der Demonstration der Fridays for Future am 24.9., kurz vor der Bundestagswahl, werde ich auch mitgehen, hab mir einen halben Tag frei genommen.
In Zeiten, da es überall auf der Welt brennt und eine Julia Klöckner dennoch einen Plan zur Renaturierung von Mooren blockieren darf (Plan zum Moorschutz gescheitert, taz, 6.8.2021), scheint es mir angemessen, auf die Straße zu gehen und zu stören.

Von Regenerativer Kultur habe ich zum ersten Mal gehört und mir zu Hause einen vierzigminütigen Vortrag von Yari Or von der Frankfurt University of Applied Sciences angesehen: Was ist Regenerative Kultur? (nach unten scrollen). – Der Text auf der Seite der Extinction Rebellion bereitet mir ein wenig Unbehagen, gebe ich zu, aber der Vortrag war interessant, und es ist gut möglich, dass hier der Weg beschrieben ist, der einzuschlagen wäre. (Dabei fällt mir ein, dass Grönland erklärt hat, auf die Ausbeutung seiner Bodenschätze zu verzichten. Das würde den chinesischen Superkapitalisten natürlich nicht im Traum einfallen, die mit ihren Scheckbüchern nach Afrika reisen, um die Gewinnung Seltener Erden klarzumachen.)

À propos Mafia, bevor ich’s vergesse: Gestern entdeckte ich bei Dussmann eine Import-DVD des Films Le conseguenze dell’amore von Paolo Sorrentino, den ich mit einer Freundin in Rom gesehen hatte, er war gerade in die Kinos gekommen, 2004. Jetzt habe ich ihn mir ein zweites Mal angesehen und fand ihn immer noch stark. Ein ruhig erzähltes Mafiadrama, absolut sehenswert. Ich hatte vergessen, dass sich die Hauptperson, ein ehemaliger Investmentbanker, einmal wöchentlich Heroin spritzt, aber stimmt, so war’s gewesen. Dafür hatte ich noch die Blutwäsche in Erinnerung und die schreckliche Schluss-Szene. Super!

Leichtmütig bleiben

– eine Übung.

[gestrichen]

Eine weitere Mail, schon einige Tage her, von Kimbra, mit der schwungvollen Anrede: „Kimbro’s!”
Sie beeilt sich, hinzuzufügen: „IRL I call everyone bro (it’s a very Kiwi thing) so feels apt.” – Wieder eine Abkürzung, die ich nachgucken muss, aber kein Problem. In real life.

„… features some of the most evocative processed vocals since Imogen Heap’s „Hide and Seek.“ ” – Heather Phares, AllMusic

Im wesentlichen verkündete sie, dass dies Jahr neue Musik von ihr erscheinen wird.
Sie verlinkte auch einen Podcast, Switched On Pop, eine knappe Stunde über einen zehn Jahre alten Hit und über das, was für sie daraus folgte. „I just believed in the power of possibility” – vielleicht durch das Alter begünstigt, sie war damals 20 oder 21 Jahre alt.

Ich lese zur Zeit (wieder) eine Fragment gebliebene Erzählung Mallarmés, Igitur ou La Folie d’Elbehnon. Igitur ist als Personenname zu verstehen, ebenso (wahrscheinlich) Elbehnon. Mallarmé hat vor allem in den Jahren 1869/1870 an dem Text gearbeitet, möglicherweise auch schon früher und später noch. Die Editionslage ist kompliziert, das Buch vermittelt einen Eindruck davon, indem zum Beispiel eingangs eines Absatzes vermerkt ist: [fos 32 ro, 33 ro, 34 ro, 35 ro, 36 ro], was heißt, dass sich der gedruckte Text auf den jeweiligen Vorderseiten der genannten Blätter eines wohl recht unübersichtlichen Manuskripts befindet, das insgesamt ungefähr fünfzig Blätter umfasst, in verschiedenen Größen, mal mit Tinte, mal mit Bleistift beschrieben, und natürlich mit Durchstreichungen, Überschreibungen … Die erste Edition datiert von 1925, Herausgeber war Dr. Edmond Bonniot, Mallarmés Schwiegersohn. Ich lese die neuere von Bertrand Marchal. [Sie basiert auf der von ihm erarbeiteten zweibändigen Mallarmé-Werkausgabe in der Bibliothèque de la Pléiade (1998/2003). Inzwischen (2006) hat der schottische Mallarmé-Forscher Gordon Millan den Text neu herausgegeben, siehe – bei Interesse – hier.] Während sich le Dr Bonniot darum bemüht hatte, eine glatte Lesefassung herzustellen, liefert Bertrand Marchal mehr einen Bausatz, beispielsweise enthält ein Kapitel gleich fünf, mit griechischen Buchstaben ’numerierte‘, Versionen der Szene, wie Igitur (Also) das Zimmer verlässt, um sich in den Keller des Hauses zu begeben, wo es einen Würfelwurf auszuführen gilt.
Auch die gestrichenen Passagen bleiben erhalten, werden nur als solche kenntlich gemacht.
Mallarmé ist eine mysteriöse, sich entziehende Gestalt. Als vor einigen Jahren eine Biographie über ihn erschien, war eine Kritik überschrieben: „Mallarmé gets a life.”

Im Fernsehen war ich sehr von der norwegischen Serie Beforeigners angetan, die davon handelt, wie weltweit – auch in Oslo – Flüchtlinge aus vergangenen Zeiten ankommen, Wikinger, Steinzeitmenschen und Leute aus dem 19. Jahrhundert, die sich, so gut es geht, in die Gesellschaft einfügen und, darum geht es in erster Linie, der Osloer Polizei bei der Verbrechensaufklärung helfen. Originell, witzig, gut gemacht.
Da ich Zarah – wilde Jahre und Unit 42 bereits gesehen habe, zur Zeit keine weitere Serienkost für mich (was sonst im Angebot ist, spricht mich nicht an).

Mit meiner Schwester bei Dussmann, wo ich mir das neue Album von Françoiz Breut gekauft habe, Flux Flou de la Foule. Daraus hier die Single.

Heute nachmittag lag wie eine hübsche, wenngleich überraschende, Bordüre eine Ringelnatter vor dem Eingang zum Wohnzimmer, züngelnd. Sie nahm in einer schönen Schlängelbewegung etwas Abstand zum Haus, kroch dann die Mauer entlang, die die Terrasse vom Garten trennt, und entschwand durch eine schmale Öffnung ins Grüne. Très joli!

Dunkelflaute

Ein (poesiefähiger) Begriff aus einem Gespräch zwischen Ulrike Herrmann und Patrick Graichen, das die taz unter Moderation ihres Redakteurs Bernhard Pötter angeregt hat. Es dreht sich um die Frage, ob ‚grünes Wachstum‘ möglich sei: Klimaschutz im Kapitalismus (30.7.2021). Auch in Anbetracht des jedes Jahr früher eintretenden Erdüberlastungstags – dies Jahr war es der 29. Juli – neige ich mehr der Argumentation Ulrike Herrmanns zu („Grünes Wachstum ist nicht möglich”).
Wolfgang Schäuble (CDU, 78) hat sich für einen schnelleren Anstieg des CO2-Preises ausgesprochen, aber einen früheren Ausstieg aus der Kohleverstromung, der erst für 2038 vorgesehen ist, hält er nicht für nötig.
Doch es gibt ja noch mehr Baustellen: Agrarwende, Verkehrswende … (Unter Verkehrswende verstehe ich nicht, dass Diesel-SUVs gegen Elektro-SUVs eingetauscht werden, die Ressourcenverschwendung ist in beiden Fällen nicht zu verantworten.)

Sehr geehrter Herr ***,
vielen Dank für Ihren Klimaschutzbeitrag!
Zu Ihrem Klimaschutzabo haben wir 63,00 Euro eingezogen. Mit diesem Beitrag kompensieren Sie 2.740 kg CO₂. […]
Mit Ihren Beiträgen zur CO₂-Kompensation finanzieren Sie den Auf- und Ausbau von erneuerbaren Energien in Entwicklungsländern.

Ich dachte, Europa ist das Entwicklungsland. Den Erdüberlastungstag hat der Steuerpfuhl Luxemburg im vergangenen Jahr bereits am 16. Februar erreicht.
Lieber, als dass ich Reparaturmaßnahmen auf der Erdsüdhalbkugel unterstützte, wäre mir, bei der Anschaffung und Haltung von Rückepferden in Brandenburg zu helfen (zum Beispiel), oder von Hütehunden, als Alternative zum Abschuss von Wölfen. Das werde ich atmosfair einmal vorschlagen.

Übrigens, was geschieht eigentlich mit den Brandstiftern, die für einige der Hunderte von Waldbränden, die weltweit lodern, verantwortlich sind (sofern man ihrer habhaft wird)?
Da sich diese Taten Tag für Tag und Jahr für Jahr wiederholen, werden die Strafen vermutlich mild ausfallen – vorausgesetzt, es werden Strafen verhängt. Oder wird nur der Tatbestand festgestellt, und dann klopft man dem Verbrecher auf die Schultern: Kannst gehen?
Das wäre ein lohnenswertes journalistisches Recherchethema, allerdings mit Gefahr verbunden.

Im Nachruf der New York Times auf den Schriftsteller und Verleger Roberto Calasso (Roberto Calasso, Renaissance Man of Letters, Dies at 80) wird dieser mit den Worten zitiert:
“A book is written when there is something specific that has to be discovered […] The writer doesn’t know what it is, nor where it is, but knows it has to be found.”