Variable Gehaltsanteile

Im Herbst 2025 wird die nächste Bundestagswahl stattfinden. Bundeskanzler Olaf Scholz wird dann Stimmen, und, wenn es schlecht für ihn läuft, sein Amt verlieren. Soll man ihn bedauern?
Sein Gedächtnisverlust im Zusammenhang mit dem Betrugs- und Korruptionsskandal in Hamburg (Cum-Ex) ist nicht akzeptabel und muss, wenn schon nicht vor Gericht, dann per Wahlzettel geahndet werden.
Der Wikipedia ist zu entnehmen, dass der Bank-Räuber („Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?” – Bertolt Brecht, 1928) Christian Olearius vom Ehrenmann Peter Gauweiler (Kanzlei Gauweiler & Sauter, does it ring a bell?) anwaltlich vertreten wird. Viel Glück!
An seinem Grabe aber – der Gute ist schon achtzig – wird dermaleinst an seine kriminelle Energie und sein staatsschädigendes Verhalten erinnert werden.
(Wäre es nicht eine schöne Kollektivarbeit, neue Gesänge zur Dante’schen Hölle zu schreiben?)

Abgesehen von diesen geduldeten wirtschaftskriminellen Verwicklungen, ist aber auch die Politik insgesamt nicht so toll. Es wird gesagt, man wolle weg von fossilen Energieträgern, und dann wird die Mehrwertsteuer auf Gas auf 7% abgesenkt? Bis Frühjahr 2024?
Die Lenkungsfunktion von Preisen wird auf diese Weise nicht gesichert, vom Verlust an Steuereinnahmen ganz zu schweigen. Vielleicht nimmt sich die deutsche Politik demnächst ein Vorbild an Japan und ermuntert die jungen Leute, mehr Alkohol zu trinken.

Die Verwandtschaft erinnerte neulich an diesen Song von John Mayall.

Man’s a filthy creature
Raping the land and water and the air
Tomorrow may be too late
Now’s the time that you must be aware
Nature’s disappearing
Polluted death is coming, do you care?

Garbage going nowhere
Soon the dumps will spread to your front door
Lakes and rivers stagnant
Nothing lives or grows like years before
Nature’s disappearing
The world you take for granted soon no more

Read about pollution
Make manufacturers uncomfortable
Boycott at the market
Containers that are non-returnable
Aluminum, glass and plastic
Eternal waste that’s not destructible

We’re a generation
That may live out our natural time
But as for all our children
Born to suffocate in human slime
Nature’s disappearing
And we are guilty of this massive crime

Die Musik ist durchschnittlich und recht lahm (kein Schlagzeug!), aber der Text so aktuell wie vor fünfzig Jahren (1970). – Die Band besteht aus John Mayall, Don ‚Sugarcane‘ Harris, Harvey Mandel und Larry Taylor.

Ein unendliches Thema, weil es die „Ewigkeitslast” Plastik betrifft:
Anja Krieger, Plastikmüll im Meer. Schon 1972 schlugen Forscher Alarm (Deutschlandfunk Kultur, 2020)

Die taz am wochenende widmet ihre Titelgeschichte dem Fischsterben in der Oder und mahnt „ein grundsätzlich anderes Verhältnis zu unseren Flüssen” an. Tja, das wäre in der Tat notwendig und wünschenswert. Es werden aber die Fahrrinnen der Oder und der Elbe vertieft, für den Rhein ist es angekündigt. Man kann Gift darauf nehmen, dass es genau so gemacht werden wird, da können sich die Umweltverbände auf den Kopf stellen.

Die New York Times gedenkt des Walrosses Freya, das die norwegischen Behörden umgebracht haben. (Haut das hin mit dem Link?)

Nun zu etwas Erfreulichem. Ornette Coleman, der in den 60er Jahren Free Jazz gespielt hat – der Begriff ist seine Erfindung – wandte sich in den 70ern dem Free Funk zu. Zwischen diesen beiden Phasen liegt das Album Science Fiction (1972). Daraus hier Law Years, das noch mehr zur alten Seite hin neigt.
In einem anderen Stück, Rock the Clock, wird Charlie Haden seinen Bass über ein Wah-Wah-Pedal spielen [ab 1:02], und das klingt dann schon mehr nach Prime Time (Colemans electric band).

Ornette Coleman, as – Dewey Redman, ts – Bobby Bradford, tp – Charlie Haden, b – Ed Blackwell, dr

Und ein Fitzelchen aus der Populärkultur, der Auftritt von Sängerin Debbii Dawson aus Los Angeles bei America’s Got Talent – ein Sonnenschein.

Auf dem Sprengplatz

Einen Sprengplatz – so was hat wahrscheinlich auch nur Berlin. 25 Tonnen Dynamit dort zu horten … gut, kein Dynamit, aber Bomben, Munition und Feuerwerk …, im „beliebten Naherholungsgebiet”, wie das ZDF mit einem Unterton der Missbilligung berichtet, das scheint, mit einem Wort des geschätzten Altkanzlers, suboptimal. Immerhin war die Avus ein paar Tage lang gesperrt, die berühmte Rennstrecke. Das hat den Autosüchtigen sicher nicht geschmeckt, aber vielleicht doch auch einmal ganz gut getan.

À propos: Die heute von ihrem Amt zurückgetretene Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg gehört mit einem Jahresgehalt von 300.000 Euro wahrscheinlich, wie ich selbst (oder Friedrich Merz), zur bedrohten Mittelschicht. Wie gut, dass es das Dienstwagenprivileg gibt. Dadurch lassen sich Härten abfedern.
Massage-Sitze in die Luxuskarosse montieren lassen ist ja nicht billig.
(Ein Revolverblatt wie Im Dickicht lässt sich ein solches Detail nicht entgehen, klar.)
Man darf gespannt sein, welcher Regierung die Ehre zukommen wird, es eines Tages abzuschaffen. Vermutlich muss zunächst einmal der kleine Koalitionspartner abgeschafft werden.
Ulrike Herrmann von der taz gibt zu bedenken, dass die gesamte Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, der „Selbstbedienungsmentalität” frönt, und fordert, damit müsse Schluss sein.
Träumen darf man!
In einem anderen Artikel zum Thema verlinkt die taz diese beiden lesenswerten Blogeinträge der Freien beim rbb, die die Unverfrorenheit und Schamlosigkeit der (gewesenen) Intendantin noch einmal ins rechte Licht rücken. (Wie gesagt: Ähnliche Stories gibt’s bestimmt auch unter, zum Beispiel, Tom Buhrow.)
Löffelhäppchen + Schlagzeilen + Belegschaftsversammlung
Vorwürfe + Bestandsschutz + Energiepreispauschale

In der Ukraine ist ein Atomkraftwerk beschossen worden – das größte Europas.
Unser kleiner Sprengplatz im Grunewald ist ein Sandkasten dagegen.

Der Landwirtschaftsminister (von den Grünen) verschiebt das EU-Artenschutzprogramm ein bisschen, damit die Landwirte mehr Getreide anbauen können. Der Oberlobbyist der Landwirte ist erleichtert. Er sorgt sich um die Ernährung der Weltbevölkerung, guter Mann! Es wäre aber auch möglich, die Ackerflächen, die jetzt zur Produktion von Biotreibstoff und Futtermitteln für die Fleischindustrie benutzt werden, umzuwidmen. (Möglicherweise hat sich der kleine Koalitionspartner dagegen gesperrt. Oder die Agrarlobby, oder beide.)

Für die Nachgeborenen: Insekten, das waren diese kleinen Dingerchen ->
Insekten.

Fazit: Auch nach dem Urlaub ist die Selbstabschaffung des Menschen – einschließlich der Vernichtung aller anderen Arten – eine denkbare, und man darf sagen: eine aktiv betriebene, Sache und, wie es aussieht, der wahrscheinliche Ausgang des Dramas. Schade.

Kimbra hat zusammen mit dem mexikanischen Jazzdrummer Antonio Sánchez einen neuen Song veröffentlicht. Leider ist nach drei Minuten Schluss. Trotzdem toll!