radio satt #6 – Veronika Reichl

Seit heute ist die neue Folge von radio satt online, siehe hier:

http://www.satt.org/literatur/20_11_radiosatt-06.html

radio satt bringt Lesungen und Gespräche zur Literatur. Zu Gast in der Folge #6 ist Veronika Reichl, die für sich eine besondere, schwer zu kategorisierende Form des Schreibens gefunden hat: Ihre Geschichten handeln von realen, vorab in Interviews mitgeteilten, Lektüreerfahrungen von Philosophinnen und Philosophen mit – hier vor allem – Hegel. „Hegel zu lesen ist anstrengend, manchmal zermürbend“, weiß Veronika Reichl.
Im Schaum dieser Sprache. Hegel lesen erzählt von jenen, die die Herausforderung angenommen haben – und in den Lesepausen vielleicht „House of Cards“ weitergucken. Doch auch dort finden sich Hegelsche Denkfiguren.
Eine mit feiner Ironie versetzte Hommage an Hegel, die in dieser Ambivalenz, aus feministischem und postkolonialem Blickwinkel, auch im Gespräch mit Lilian Peter aufgegriffen wird.

Siehe auch Patrick Eiden-Offe, „Der ewig Unzeitgemäße. Zum 250. Geburtstag von Hegel“ (die tageszeitung):

„Wir werden hier mit Lektüren konfrontiert, die bisher Gedachtes erschüttern und Ungedachtes aufbrechen lassen; Lektüren, in denen Hegels Denken weitaus plastischer vor uns ersteht als in allen Biografien und Aktualisierungen.”

Veronika Reichl lebt als Illustratorin, Dozentin und Autorin in Berlin.
Sie studierte Kommunikationsdesign und European Media an der Merz Akademie in Stuttgart. Promotion im Fach Art, Design and Media bei Diedrich Diederichsen und Paul Newland über die Visualisierbarkeit philosophischer Texte an der University of Portsmouth.
2008 erschien bei Merz & Solitude das Buch Sprachkino: Zur Schnittstelle zwischen abstrakter Sprache und Bildlichkeit, eine zeichentheoretische Untersuchung mit einer Serie experimenteller Animationsfilme.
Forschungsaufenthalt in Oslo. 2003 Preisträgerin des 11. open mike. Veröffentlichungen u.a. in Circumference, Bella Triste, Idiome, Mantis, LIT, RealPoetics. Literarische Vortrags-Performances und Installationen, u.a. bei European Media Art Festival 2017, Am Nerv der Demokratie, Performance-Philosophie Festival 2019, Eröffnung der Ausstellung Hegel und seine Freunde in Marbach 2019 etc.
Website: https://veronikareichl.com/

Lilian Peter lebt in Berlin. Sie studierte zunächst als Jungstudentin Klavier (RSK/Musikhochschule München), anschließend Philosophie, Altgriechisch und Musikwissenschaften in Wien, Tübingen und Heidelberg, später noch Literatur am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Studienaufenthalte in Prag, Paris und New York. Verdient ihr Brot hauptsächlich als Übersetzerin, Radioautorin, Klavierlehrerin, stellt derzeit den literarischen Essayband Mutter geht aus fertig, daneben Arbeit an verschiedenen anderen Prosaformen. Seit Januar 2020 schreibt sie die auf ein Jahr begrenzte monatliche Kolumne How To Cook A Phallus für fixpoetry.com. Derzeit läuft zudem ein Briefwechsel mit der japanischen Schriftstellerin Yui Tanizaki, kuratiert vom Goethe-Institut Kyoto/Osaka (die Texte erscheinen fortlaufend online auf den Seiten des Goethe-Instituts und werden von Literaturübersetzerinnen in die jeweils andere Sprache übersetzt). Für ihren Essay „Diebinnen im Paradies“ erhielt sie 2017 den Edit Essaypreis. 2019 war sie Stipendiatin der Villa Kamogawa in Kyoto, 2020 erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats, 2021 ein Arbeitsstipendium im Künstlerhaus Edenkoben. Ihre Texte erschienen bisher u.a. in Lettre International, Still Magazine, Edit, BELLA triste und bei Matthes & Seitz Berlin.
Sie betreibt das Blog peterslilie.

Veronika Reichl, Im Schaum dieser Sprache. Hegel lesen. Texte und Zeichnungen. Herausgegeben und mit einem Vorwort von Sandra Potsch. Begleitband zur Ausstellung „Idealismusschmiede in der Philosophen-WG. Hegel, Hölderlin und ihre Tübinger Studienjahre“. 104 Seiten mit zahlreichen farbigen Illustrationen, Klappenbroschur. Museum Hölderlinturm Tübingen, Tübingen 2020. 12,50 Euro
ISBN 978-3-941818-43-9

Beziehbar über das Museum (Bestell-Nr. 0189).

Wollen Sie aufhören?

„Du hast doch Urlaub”, sagte mein Chef und gab mir ein Päckchen Zigarillos (Romeo y Julieta Club 20), das er gerade bei Zigarren Herzog gekauft hatte. Dessen Inhaber ist ein soignierter, stattlicher Herr, der, wenn er mir mit zwei Fingern einen Zeitungsausschnitt über die Theke reicht, immer nur gerade so viel sagt, dass ich nicht zu entscheiden wüsste, ob er Österreicher oder Schweizer ist. Nun habe ich seit März allerdings kaum noch geraucht, mit sparsamen Ausnahmen bei Verwandtenbesuchen. Aber das Zeug vertrocknen lassen ist vermutlich auch doof, bei einem Stückpreis von 77 ½ Cent. Wahrscheinlich lässt sich auf der Strandpromenade von Warnemünde prima rauchen, aber ich will gar nicht.
Heute habe ich einen kleinen Rest Mandeln auf die Mauer gelegt, für die nächste Krähe, die vorbeigeflogen kommt – vielleicht auch für Eichhörnchen interessant? Überraschenderweise waren es dann aber Feuerkäfer, die als erste aufkreuzten. Schlenkrig kletterten sie den Efeu empor, wo ich zuvor einige von ihnen zusammenklucken gesehen hatte, und lehnten sich in verschiedenen Schrägegeraden an die Mandeln an oder ließen sich auf ihnen nieder, ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
Mehr habe ich in meinem Urlaub noch nicht erlebt.
Jetzt lese ich in meinem langsamen Tempo Die Topeka-Schule, den hervorragenden neuen Roman von Ben Lerner (sehr gut von Nikolaus Stingl übersetzt) und schreibe eine Kritik zum Album RGB des Trios Autochrom, was mir nicht leicht fällt, aber es fällt mir nie leicht, eine Kritik zu schreiben. Ich will aber unbedingt meinen Teil dazu beitragen, dass mehr Leute auf dieses 1A-Jazzalbum neugierig werden.
Im übrigen steht, diesen Sonntag schon, eine neue Aufnahmesitzung des Podcasts radio satt an, der zwei Jahre pausiert hatte. Diesmal zu Gast die Schriftstellerin Veronika Reichl, die ihr grenzgängerisches, Literatur und Theorie verbindendes, Buch Im Schaum dieser Sprache. Hegel lesen vorstellen wird. (Die bisherigen Folgen: Luise Boege, Sofie Lichtenstein und Moritz Müller-Schwefe, Deniz Ohde, Lilian Peter und Julia Veihelmann.)
Und wenn der Sonntag um ist, fängt meine zweite Urlaubswoche an, und danach werde ich wahrscheinlich happy sein, wieder (abhängig) arbeiten zu dürfen. Trotzdem, nächstes Jahr kann von mir aus die Vier-Tage-Woche kommen.
Hier jetzt noch ein Stück für tikerscherk aus den ‚guten‘ 50%.

radio satt #4: Lilian Peter

Folge #4 von radio satt ist der Schriftstellerin und Übersetzerin Lilian Peter gewidmet. Sie liest aus einem unbetitelten Romanmanuskript, dazu einige Gedichte: kluge, gedankentiefe, musikalische, sprachversessene, gewitzte und vertrackte Texte, entfernt theorieverwandt, nicht unironisch.

radio satt #4: Lilian Peter

Die Sendung, vielleicht nicht weiter schlimm, beginnt etwas hakend, was ich nachzusehen bitte, aber die Hauptsache ist sowieso die Lesung. Diese fängt an mit einem Romanauszug, in dem gespensterhaft Daniel Paul Schreber erscheint, Verfasser der Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken. Daran schließt sich eine kleine Unterhaltung über das Gehörte an, gefolgt von einer Vorrede zu den (sechs) Gedichten, die die Sendung beschließen. Die Gedichte können teilweise auf dem Blog von Lilian Peter nachgelesen werden: peterslilie.