Der Status von Pflanzen in moralischer Hinsicht

Ich übernehme die Überschrift aus der Rezension des Buchs Tiere wie wir der Philosophin Christine M. Korsgaard von taz-Kulturredakteur Tim Caspar Boehme, siehe hier. (Muss ich einer Freundin schicken, die ihr Fleischessen mit dem Argument verteidigt, die Veganer würden ihrerseits ja schamlos Pflanzen essen, die doch auch leben wollten. Das mag durchaus so sein, und doch würde ich behaupten, dass die Haltung von Pflanzen zu menschlichem Nutzen ethisch weniger bedenklich ist als Haltung, Ausbeutung, Schlachtung und Verzehr sogenannter ‚Nutztiere’, von der Biene bis zum Pferd.) (Seit meinem Vegetarierwerden 2009 in Graz habe ich übrigens ganz vereinzelt Meerestiere gegessen, Sardellen und Muscheln z.B., was mein Karma hoffentlich nicht zu sehr belastet.)

Die problematischen Folgen des industriell betriebenen Pflanzenanbaus lassen sich unter anderem in Spanien beobachten, wo unlängst 70000 Menschen in einer (laut Berichten) 73 Kilometer langen Menschenkette die Salzlagune Mar Menor symbolisch umarmt haben, die – einstmals ein schöner Ort -, heute ein stinkender Pfuhl ist, an dessen Gestade tonnenweise verendete Meereslebewesen landen.
Diese Leute haben protestiert, aber sie haben auch ihrer Trauer darüber Ausdruck verliehen, dass die schöne Natur zuschanden geht. (Trauer über das Leiden der Natur empfinde ich auch, nicht täglich, aber wiederkehrend – wie sollte es auch anders sein?)
Diese symbolische Umarmung hat mir als Geste gefallen.
Ich bin ein Anhänger des Animismus.
Ich bedanke mich abends bei meinem Fahrrad.
Die Blätter jagen einander und tanzen (die toten auf der Straße).

Die taz hatte neulich ein Interview mit dem Politologen Volker M. Heins zum Thema Grenzen/Migration. Darin der bedenkenswerte Satz:
„Militarisierte Grenzregimes […] sind […] der vergebliche Versuch, eine „weiße“ Parallelgesellschaft auf der Erde zu erhalten oder wiederherzustellen.”

Ich stelle mir vor, dass es aus mancherlei Gründen (Armut, Klimakatastrophe, unfaire Chancenverteilung) immer schwieriger werden wird, das Konzept streng gegeneinander abgeschotterter Nationalstaaten aufrechtzuerhalten. Es erscheint mir sowieso künstlich und unorganisch. Ein identitär angelegter Staat wie Dänemark dürfte – ich hoffe es zumindest – ein Auslaufmodell sein. Am Ende werden nur natürliche Grenzen übrigbleiben: die Alpen, der Rhein, der Ärmelkanal, usw.
Mich schreckt die Aussicht, dass unsere Gesellschaft vielfältiger werden wird, nicht. Anders wäre es furchtbar.

Da ich neulich vom Bauen geschrieben habe – Scholzi möchte bekanntlich 400000 Wohnungen jährlich hochziehen lassen -: wird da nur das schädliche B-Material Beton verwendet werden, oder bekommt vielleicht, im Sinne der Kreislaufwirtschaft, das A-Material Lehm eine Chance?

Zur Feier ihres 10-jährigen Bestehens hat unsere Firma einen tennisballgelben Kapuzenpullover mit aufgesticktem Gespenst und ein schwarzes T-Shirt mit gelb-rot-orangem Design ins Dickicht geschickt. Nice 🙂

Es gibt auch gute Nachrichten

Zum Beispiel: In Brasilien gehen die Leute gegen Jair Bolsonaro auf die Straße. (Er lebt noch, das ist die schlechte Nachricht.) Oder, aus hiesigen Breiten: everwave hat in der Weser erfolgreich eine Plastiksammelplattform getestet:

Es wird Zeit, dass diese Teile serienmäßig produziert und rund um den Globus zu Wasser gelassen werden, denn – okay, wieder eine schlechte Nachricht – allein in China fallen jeden Tag 240 Tonnen Kunststoffabfall an.

Am 26. September finden die Wahlen zum 20. Deutschen Bundestag statt. Nach dem, was man hört, hat der Kandidat der CDU/CSU gute Aussichten, Angela Merkels Nachfolge anzutreten. Hoffentlich täuschen sich die Kommentatoren. Soeben einen taz-Artikel über die rechte (!) Hand der Frohnatur gelesen, heiliger Bimbam! Hier, für Freunde des Horrors: Die rechte Hand Laschets. Nathanael Liminski in NRW.
Meine Stimme kriegt er nicht, der lustige Rheinländer.
Leider bin ich mit meiner Entscheidungsfindung noch nicht viel weiter.
Als Bundeskanzler wäre mir Scholzi am liebsten, muss ich sagen. Bedauerlicherweise schwächelt seine Partei sehr, prozentual. Dabei haben er selbst, aber auch Arbeitsminister Hubertus Heil und Umweltministerin Svenja Schulze (die mir mit ihrer penetrant guten Laune auf die Nerven geht) gute Dinge auf den Weg gebracht, soweit ich das beurteilen kann. Man vergleiche ihre Bilanz mit der des Verkehrsministers, der Landwirtschaftsministerin oder des Wirtschaftsministers! Gut, über den Außenminister kann ich ebenfalls nichts Positives sagen, SPD hin oder her.
Ich gratuliere allen zur Pension, die sie dereinst beziehen werden.

Annalena Baerbock müsste sich sehr anstrengen, um mich dazu zu bewegen, sie zu wählen. Sie ist genauso ungreifbar wischiwaschi wie ihr lachender Mitbewerber. Die 300 (?) Toten des Hochwassers hätte sie meiner Ansicht nach zum Anlass nehmen dürfen, für ihre Ziele zu trommeln. Hat sie nicht gemacht. Ihr Kollege von Notz hat etwas getwittert und dann wieder gelöscht, das war auch nicht klug. Mein Eindruck: Die Grünen haben sich aufgegeben.
Vielleicht haben Scholzi und die Sozen also doch eine Chance?
In zwei Monaten wissen wir mehr.

Die zweite Staffel von Unit 42 habe ich zu Ende geguckt, leider bot das ZDF nur die Synchronfassung an, aber immerhin. Eine gute Serie. Jetzt muss ich mir was Neues überlegen.

Buongiorno, Adorno! begrüßte mich blödelnd eine Bekannte, deren Namen ich nicht weiß.
Ich: Come va?
Sie war schon weitergegangen, drehte sich noch mal um, lachend: Va bene tutto, e tutto va bene!