Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis

Vor kurzem war ich mal wieder in Kevelaer. Die Hälfte der Hauptstraße war aufgerissen, die Leute mussten im Zickzack laufen, oder es aufgeben.
Bäume sollen gefällt werden.
Den Kapellenplatz stelle ich mir unverändert vor seit hundertfünfzig Jahren – jetzt soll alles schöner werden, es ist Geld da, und mehr Geld ist vielleicht versprochen. Na, und wenn die Kasse stimmt, gibt’s auch kein Problem, seine Heimat zu planieren.
Als sich die Stadt den Slogan „Unverwechselbar Kevelaer” zulegte, fing sie an, austauschbar zu werden. Man sieht die Ladenketten, die es überall gibt, viel Leerstand auch. Das Kunsthandwerk, für das die Stadt einmal bekannt war, ist weitgehend verschwunden.
Hat der Bürgermeister eine Idee, wie der Niedergang aufgehalten werden kann? Wohl nicht.
Hat der neue Pfarrer von Sankt Marien eine Idee, wie der Niedergang aufgehalten werden kann? Wohl nicht.
Gibt es gute Konzepte?
Man muss die Rechnung natürlich mit den Ladeneigentümern machen.
Was unternimmt man gegen Habgier?
Von besserer Einsicht und Lokalstolz ließe sich immerhin phantasieren. Und so würde ich mir wünschen, die Eigentümer vor allem auf der Hauptstraße würden ihre Mietverträge mit Apollo Optik, Bonita, Nanu Nana usw. nicht verlängern und stattdessen in der Region, auch in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg, gezielt nach Handwerkern, Kunsthandwerkern, Künstlern (ich rede nicht von dem Schund, den man hier und dort sieht), Musikern usw. Ausschau halten und ihnen diese Räume für ein realistisches Entgelt – das natürlich weit unterhalb der jetzigen Rendite liegen würde, aber was soll’s! Sie haben sich ja schon zu Zeiten Dechant Oomens amortisiert! … – zur Verfügung zu stellen.
So könnte Kevelaer der Tristesse und Ödnis des überall Gleichen trotzen.
Und ein paar Lokalitäten, die Kevelaer besonders machen, gibt es ja: Das Hotel Goldener Löwe, das Hotel Zum goldenen Apfel, Weinhandlung und Antiquitätengeschäft Nießen, Restaurator Egbert Grofe, Silberschmiedewerkstatt Antje Witzler, Töpferei Dahmen-Wassenberg, Ikonengalerie Stefka Michel … Da würde ich ansetzen.