Sind doch Krokusse?

Als ich von der Arbeit kam, war ich fix und foxy. Vielleicht, weil ich es nicht mehr gewohnt bin, so viele Leute zu sehen, in der Stadt unterwegs zu sein, mit den Öffis zu fahren? Na, so doll viele waren’s ja nicht.
Montags geh ich um zehne aus dem Haus, hole Curtis aus dem Schuppen, pass auf, dass wir nicht die Krokusse plattmachen, die wie Pilze aus dem Boden (Rasen) schießen.
Ich denke, es sind Krokusse. – Gibt es bunte Schneeglöckchen?
Das ist ja immer die frohe Botschaft, die ein Sprachlehrer seinen Schüler*innen verkünden kann: Die Mehrzahl der Verkleinerungsform ist genau gleich wie die Einzahl der Verkleinerungsform:
das Büdchen – die Büdchen
das Blümchen – die Blümchen
das Häuschen – die Häuschen
das Süppchen – die Süppchen
und so weiter.
Dass das ich-ch so schwer auszusprechen ist, gut, das ist wieder blöd. Und die Umlaute! Ich hab’s aber nicht erfunden.
Nebenbei bemerkt, ist auch das ach-ch nicht einfach.
ch ch
Als Mehrzahl von Krokus gestattet der Duden auch: die Krokus. Bisschen komisch, aber mir soll’s recht sein. Verwirrt wär ich über „Safran”.
Übrigens brauche ich nicht den Segen des Duden(s), die Sprache soll so frei sein, wie sie Lust hat. Tendenziell ist der Sprachgebrauch ja nicht sehr frei. – Lasst die Wörter los!, so würd ich immer sagen.
Hab mich ja auch sehr gefreut, als Hanna mal „bei ihmchen” sagte. Der rheinische Diminutiv macht auch vor Personalpronomen nicht Halt. Toll!
Und jetzt habe ich in meinen Büchertürmen doch glatt nach dem Niederrhein-Büchel von Joseph Roth gesucht – Kleve Xanten Kalkar – das seltsamerweise einmal in Rom gedruckt wurde (1986). Erstmals erschienen die drei kleinen Texte im Mai 1925 in der Frankfurter Zeitung.
„In Kleve am Niederrhein erzeugt man Margarine, ohne damit der Schönheit der Stadt zu schaden. Sie lag einmal am Rhein. Der Fluß hat sich selbst von ihr entfernt, was unrecht von ihm war. Schon im 11. Jahrhundert mußten die Klever Bürger einen Kanal bauen, um die Beziehungen zum Rhein wiederaufzunehmen.”
Ich komm drauf, weil Roth den Niederrhein als landschaftlichen Ausdruck des Pazifismus beschreibt, und so Verkleinerungsformen erscheinen mir doch auch ganz friedlich.

Wenn ich so mäandernd schreibe wie hier, denkt meine Schwester, ich wäre betüddelt. Das ist natürlich nicht der Fall.

Vom Dickicht aus -> Stadtplan Kleinmachnow (wir sind das letzte Haus in der Straße) fahre ich über die Wendemarken und An der Stammbahn zur Karl Marx-Straße (ich lehne es ab, sie mit zwei Bindestrichen zu schreiben, denn sie ist schließlich nicht nach Karl und Marx benannt, sondern nach Karl Marx – kann mich damit im Freundeskreis aber nicht durchsetzen … – Johnson würde mich verstehen), die in Zehlendorf selbstverständlich nicht mehr so heißt, sondern Benschallee. Die brauch ich aber gar nicht, weil ich vorher rechts in die Berlepschstraße einbiege, die mich zum S-Bahnhof bringt. Dort mache ich mein Pferdchen fest und fahre –
Aber will das wer überhaupt so genau wissen?
Am Rathaus Steglitz Umstieg in die U9 Richtung Osloer Straße, Spichernstraße steige ich aus, die Kachelwände visualisieren ein Musikstück, die Universität der Künste (Musikabteilung) und das Haus der Berliner Festspiele sind nicht weit.
Hier werde ich meinen Weg zur Arbeit unterbrechen, denn es ist Viertel vor drei, und morgen muss ich arbeiten.

Das Eichkatzerl war wieder da, jetzt gerade. Aber keine Erdnüsse! Morgen lege ich nach.