Pudding kochen 3 l Milch

Ich dachte, es gäbe ein – rheinisches oder niederrheinisches – Wort poselen in der Bedeutung von „naschen”. Hab’s nicht gefunden, die Suchmaschinen bieten „porcelain” an. (Das O ein geschlossenes langes O. Nie gehört?)
Gut, ich hab auch andere Probleme, zum Beispiel die Frage, ob der Abwärtslauf am Beginn von The Clashs The Magnificent Seven ein Snakefinger-Zitat sein könnte, der in seinem Song Don’t Lie einen ebensolchen Lauf verwendet (0’45“, 1’16“, 2’19“, 2’50“). Sandinista! ist am 12. Dezember 1980 erschienen, Greener Postures kam im Oktober 1980 heraus.
Na ja, ich muss es nicht wissen, mir fiel die Parallele auf, das ist alles.
In Musikerkreisen erfolgt die Aufnahme des Neuen zuweilen im Handumdrehen. Wenn ich nicht irre, hat Jimi Hendrix All Along the Watchtower in einem Club gespielt, als Dylan’s Platte (John Wesley Harding) gerade einen Tag draußen war.

Am Wochenende komme ich hoffentlich mal wieder ein bisschen zum Lesen. Ich könnte beispielsweise die MusikTexte zur Hand nehmen, deren Februar-Heft eine ausführliche Würdigung des verstorbenen Komponisten Alvin Lucier enthält. Der Rest ist, fürchte ich, ebenfalls interessant. (Mara Genschels geflüsterte Laudatio auf die Donaueschinger Kulturtage ist abgedruckt, und Nicolaus A. Huber erzählt unter dem treffenden Titel „Ghost-Zuspielung”, wie der Geist des verstorbenen Karlheinz Stockhausen zu verschiedenen Malen noch um ihn webte (hätte Goethe gesagt).)

(Ich würde zu dieser späten Stunde wahrscheinlich gar nichts schreiben, wenn nicht die 76- oder 77-jährige Mutter meiner Mitbewohnerin zu Besuch wäre und im angrenzenden Wohnzimmer herumwuseln würde, wodurch ich in gewisser Weise in meinen Raum einsperrt bin. Diese schreckliche Nähe ebenso wie die gedämpft zu mir durchdringenden Geräusche – ich trage Kopfhörer – erdulde ich wie ein Märtyrer, sie wird ja auch wieder abreisen, vielleicht morgen.
In der Firma kursierte der Witz, dass die Skandinavier ganz froh wären, dass die 2 Meter-Abstandsregel abgeschafft wäre und sie endlich wieder zu ihrer angestammten 5 Meter-Distanz zurückkehren dürften. Ich konnte mich völlig damit identifizieren.)

Deutschlandfunk Kultur hatte heute bereits einen Sommerhit im Programm:

Mit Begeisterung höre ich Squarepusher mit Hard Normal Daddy – hier hat AllMusic einmal die seltene Höchstwertung vergeben. Übrigens kenne ich Squarepusher über Klaus Fiehe und seine Radiosendungen bei 1 Live. Klaus Fiehe war und ist ein großer Squarepusher-Fan. Seinen Tip greife ich aber erst jetzt auf, mehr als zehn Jahre später.

Heute hatte ich wieder Konversationstraining (eine halbe Stunde). Gegenstand war unter anderem eine E-Mail von mir, die meine Lehrerin Korrektur gelesen hatte. Sie befand, meine Ausdrucksweise ginge manchmal in Richtung Madame de Sévigné (1626-1696). Sie hat vor, mich sprachlich meiner Zeit näherzubringen 🙂
Außerdem sollte ich einige Reportagephotographien von Robert Doisneau beschreiben, in denen es, neben anderem, um Wahrsagerinnen, spiritistische Sitzungen und den Zwiebelorden ging.
la pendule = Pendel (Uhr)
le pendule = Pendel (Spiritismus)
Verwechselt habe ich d’ailleurs (übrigens) und par ailleurs (außerdem).
Es blieb noch Zeit, etwas über das (Ost-) Berliner Ampelmännchen und den Bären von Renée Sintenis zu sagen. Le trophée. (Wieder ein Fehler!)

Füllwörter müssen nicht kurz sein

Sie können auch lang sein. Das derzeitige Modewort ist „tatsächlich” – wird zu jeder passenden und, vor allem, unpassenden Gelegenheit benutzt, allmählich entwickele ich einen Widerwillen dagegen, allerdings mehr im medialen Zusammenhang, privat ist es mir einigermaßen gleichgültig. Als Ann-Kathrin Büüsker vom Deutschlandfunk in den ersten Sätzen des „Interview[s] der Woche”, das ich mir andernfalls möglicherweise angehört hätte, das ominöse Wort mindestens vier Mal unterbrachte, zwei Mal davon im selben Satz, schaltete ich das Radio reflexhaft aus. Sie ist eine gute Journalistin, aber es gibt Grenzen der Toleranz. Wenn ich auch sonst kein besonders empfindlicher Mensch bin: hinsichtlich des Sprachgebrauchs bin ich es, bis zur Überempfindlichkeit.

Mein Plan, mich mehr mit Französisch zu beschäftigen, ist bisher gut aufgegangen. Ich habe Bücher auf Französisch gelesen, französische Serien (Nona et ses filles von Valérie Donzelli, u.a. mit Miou-Miou als schwangere Alt-Feministin, Rüdiger Vogler als würdiger Docteur Marcel Trüffel und Barnaby Metschurat als Hebamme; die vierte Staffel von Dix pour cent alias Call My Agent!) und Filme geguckt, war inzwischen auch wieder bei Zadig, wo ich kurze Sätze gesprochen habe („Vous avez deux livres pour moi”, „Je paie comptant”) – lächerlich, aber ein Anfang.
Über einen Vokabelfehler in einer E-Mail an das Zadig-Team habe ich mich geärgert.
Ich werde sie morgen abholen kommen: „Je viendrai les chercher demain”, so muss es heißen, und nicht „Je verrai les chercher demain”. Aber na gut, immerhin ist es mir aufgefallen. Es besteht Hoffnung.
Als nächstes werde ich ein Online-Konversationsprogramm mit einer Dame in Nordfrankreich starten. Ein Skype-Konto habe ich jetzt eingerichtet (Spitzname: Snoopy12), es nur noch nicht getestet. Wenn diese technische Hürde genommen ist, kann es losgehen.

In der Buchhandlung hat mein neuntes Jahr angefangen. Ich tu die Arbeit immer noch gerne, es spricht also nichts dagegen, dass ich die Montage zwei bis vier auch fürderhin bei Shakespeare and Company verbringen werde.

Die andere Firma wünscht sich, dass ich smart bin und will Beweise. Meine Arbeitstage werden aber von regulären Tätigkeiten aufgezehrt, so dass ich mein „berufliches Wachstum” aufs Wochenende werde verschieben müssen – oder ich setze mich jeweils vor Arbeitsbeginn an den Computer, das ginge auch (theoretisch).

Ein Buch, in dem ich blättere, doch vielleicht entschließe ich mich ja, es ordentlich zu lesen, sind die Gespräche von und mit Julien Gracq. (Ein Mensch, der stur sein Ding macht, hat immer meine Anerkennung.) Gleich, wo man diese Gespräche aufschlägt – man könnte mit einem Messer irgendwo hineinstechen und aufs Geratewohl lesen -, immer findet man eine bemerkenswerte Aussage:
„Ich schreibe langsam und mühsam, ein bißchen schneeballartig.” (S. 6)
„Leider gibt es kein großes gesellschaftliches Leben oberhalb von 4000 Metern Höhe!” (S. 28)
„Ansonsten glaubt ein Schriftsteller natürlich immer an das, was er tut – was für eine traurige Beschäftigung wäre das andernfalls! Wollte man näher definieren, was es heißt, ‚an das zu glauben, was man tut‘, dann müßte man recht komplizierte Überlegungen anstellen.” (S. 119)
Usw. usw. Alles super!

Julien Gracq (bürgerlich: Louis Poirier), Gespräche. Aus dem Französischen von Dieter Hornig. 248 Seiten. Literaturverlag Droschl, Graz – Wien 2007. 23,00 Euro