mouette – goéland

Der kleine Stolz, das Wort für Möwe noch gewusst zu haben: mouette! Doch nein, korrigiert die Lehrerin freundlich – Genauigkeit muss sein – so heißen die kleineren Vertreter mit feinem geradem Schnabel, die über den Schlick laufen und nur Muscheln und Würmer fressen. Die größere und wenig wählerische Art, die auch Mülleimer durchsucht, wird goéland genannt. Diese sieht und hört man in Brest. Auch häufig: Elstern. Die Krähen sind schwarz.

Brest ist keine schöne Stadt, aber reizvoll allemal. Im Zweiten Weltkrieg – hier hört die Zählung hoffentlich auf – von der Royal Air Force vollständig zerstört, um die deutschen Besatzer zu überwinden (hatte da wieder Bomber-Harris seine Finger im Spiel, der Psychopath im Dienste der Guten?), wurde sie in den folgenden Jahrzehnten neu gebaut und neu erfunden. Das Leid, das die Deutschen über das Land gebracht haben, begegnet einem auf Schritt und Tritt. Erinnerungen an Widerstandskämpfer, die standrechtlich erschossen wurden (noch die Rechtsbrecher berufen sich auf das Recht), an U-Boot-Besatzungen, die hier umkamen … Das alte Brest, in Photographien festgehalten, musealisiert.

Legende:
1. Pont de Recouvrance

2. Seilbahn (Téléphérique)

3. Université de Bretagne Occidentale

4. Rue de Siam (für Straßenbahn, Fußgänger und vermutlich Radfahrerinnen reserviert, wie übrigens auch die Rue Jean Jaurès)

5. Les Capucins (www.ateliersdescapucins.fr), ehemaliges Arsenal, heute zivil genutzt)

6. Bahnhof (der Busbahnhof ist auch dort)

7. Zur Crêperie de Cornouaille, Rue St Marc, nahbei

Brest

Nach kurzem, leichtem Schlaf gegen vier Uhr aufgestanden, alles für die Abfahrt vorbereitet. Viertel nach fünf durch den schlafenden Ort zum Busbahnhof.

Zweite Etappe: La Souterraine – Paris Gare d’Austerlitz.

Zwei Stunden Umsteigezeit, kann man glatt zu Fuß gehen.

Paris Gare Montparnasse – Brest. (Brest hat nur einen Bahnhof, kein Beiname erforderlich.)

Anders als die komfortablen ICEs, sparen die TGVs an Platz für die Passagiere. Wie Sardinen werden sie in die schmale Zugbüchse gesteckt und auf jagende Fahrt geschickt.

Brest, Bretagne. Vom Bahnhof noch 15 Minuten Fußweg. Im vierten Stock drei Wohnungstüren, alle ohne Namensschild. Mal die neben dem Aufzug probieren.

Wasser in Winkweite

Gestern abend Einladung zum Essen. (Die Leute vorgestern kennengelernt. Gleich den neuen Hühnerstall bewundert. Über dem Tor eine kleine Lenin-Statue, daneben groß der gallische Hahn.) Als Aperitif Rum / 55 %, von Eisklümpchen kaum verdünnt, dazu geröstete Kokosnussflocken und halbkreisförmige Nüsse, die auch irgendwie heißen, Kidney nicht, Chutney nicht, aber in die Richtung. Zum Hauptgang wurde Schweinefleisch mit Reis serviert, Rotwein. Lebhafte Gespräche über Macron und Mélenchon.

Zwischendrin Sichtung eines jungen Igels. Freudige Begrüßung. Die Nachbarin lief ihm vor Entzücken entgegen und nahm ihn auf die Hand, doch da hatte er sich schon zur Kugel eingerollt. Kann er ja nicht wissen, dass das eine ganz ganz freundliche Tante ist, die sich einfach freut, mal wieder einen Igel zu sehen, diesen selten gewordenen Gast. Wieder im Gras abgesetzt, blieb er einige Minuten Kugel und lief davon, als keiner guckte.

Am letzten Abend

Musik war länger nicht mehr, darum hier ein Stück von Charlotte Adigéry und Bolis Pupul.