Abschluss mit Die-in und Tanz

Samstag am Marx-Engels-Forum, wo ich an einem sogenannten NVDA-Training teilnahm – die Abkürzung steht für Non-Violent Direct Action. Es hat, mit Pausen, so lang gedauert wie eine Wagner-Oper, von ein Uhr mittags bis halb neun abends.
Mein Chef reagierte mit dem ihm eigenen Humor auf mein kurzfristig vorgebrachtes Ansinnen, bei einer Übung Zivilen Ungehorsams zum Auftakt des August RiseUp! teilzunehmen – der Aktionswoche verschiedener Umweltgruppen, die derzeit in Berlin stattfindet.
Vorsichtig hatte ich am Sonntag gefragt, ob – und wenn ja – für wie lange er mich an meinem Arbeitstag zum Demonstrieren freistellen würde.
Über einen Messengerdienst antwortete er trocken:
„Ein Tag plus folgend eine Nacht in einer Gefangenen-Sammelstelle sollte in jeder gutbürgerlichen Biografie verzeichnet sein.”
Er riet mir, auf dem Telefon die Nummer eines Rechtsanwalts abzuspeichern (der mich dann aus der Gesa herausholen würde), aber ich hatte gar nicht vor, das Handy mitzunehmen (auch beim Training war es nicht dabei gewesen).
Sonntag abend und Montag morgen bereitete ich mein Gepäck vor: Eine Tupperdose mit Johannisbeeren, Heidelbeeren und Apfelscheiben, eine Plastikflasche Wasser (mitgeführtes Glas sieht die Polizei nicht gern; noch ein harmloser Fahrradhelm würde als Bewaffnung gedeutet), eine kleine Blechdose mit Nüssen, eine Packung Paracetamol, einen zugeschnittenen Müllsack als Regenschutz, ein Sitzpolster (Pullover, Wolldecke), ein Reclamheft (Une saison en enfer), einen Emailleteller, eine Tasse, einen Löffel und ein kleines Pappschild (16 x 9 cm) mit der Aufschrift: „Wenn die Emissionen aufhören müssen, dann müssen wir die Emissionen stoppen. (Greta Thunberg)”
Außerdem natürlich eine FFP2-Maske – bloß nicht mit den Nichtdenkern um Herrn Ballweg verwechselt werden!
Geschlafen habe ich dann nur wenig, um pünktlich am vereinbarten Treffpunkt zu sein, wo unserer Kleingruppe der Einsatzort mitgeteilt werden sollte – eine Mitteilung, die dann verwirrend lange auf sich warten ließ. „Team Blau” hatte Material beschlagnahmt und unsere Pläne durchkreuzt. Schließlich gab es dann aber doch eine Sitzblockade am Platz des 18. März. Später verlagerte sich der Protest zum Monbijoupark, alles nicht ohne Schwierigkeiten, weil die Polizei (einschließlich Sondereinsatzkommando) im Verhältnis zu uns in dreifacher Stärke auflief – uns, die wir daran erinnern wollten, dass wir nur diesen einen zerbrechlichen Planeten E haben, der gerade vor die Hunde geht, was merkwürdigerweise die Mehrheitsgesellschaft nicht zu stören scheint.
Gerade hat Olaf Scholz erklärt, dass für ihn ein Ausstieg aus der Kohle vor 2038 nicht in Frage komme. Und Armin Laschet –
„Armin Laschet auf den Mond – das ist Raumfahrt, die sich lohnt!” (Ein Chor.)
„Dass die Politik nicht handelt, obwohl wir in die Klimakrise hineinrasen, ist unglaublich”, sagt Annemarie Botzki, eine der Organisatorinnen des August RiseUp!, im Gespräch mit der taz. Das sehe ich auch so. Mindestens würde ich erwarten, dass autofreie Sonntage ‚verhängt‘ werden – nichts dergleichen geschieht.