Verschattungssysteme

(c) Verena Bentele

Der Generalsekretär der World Meteorological Organization (WMO) -> public.wmo.int, Petteri Taalas, stellt fest, dass wir uns, im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter (in Jahreszahlen ausgedrückt? -> nachsehen), auf eine Klimaerwärmung um 2,5 °C zubewegen. Die aktuelle Hitzewelle ist ein Inferno. In Südwestfrankreich mussten über 32.000 Menschen evakuiert werden, europaweit wurden zehntausende Hektar Wald vernichtet. (Das ist noch harmlos, denkt man an die Hungersnot in Ostafrika.) Wie wird es noch werden? Ist eine Erhöhung der Pendlerpauschale, sind Tankrabatte eine adäquate Antwort?

In den von Russland eroberten Gebieten in der Ostukraine und auf der Krim ist es einigermaßen ruhig, es fallen keine Bomben mehr, keine Raketen schlagen mehr ein. Die Ukraine in Person ihres Präsidenten hat erklärt, die geraubten Landesteile mit Bomben und Raketen zurückerobern zu wollen. Vielleicht wäre es doch einmal an der Zeit, über non-ballistische Strategien nachzudenken und es nicht dahin kommen zu lassen, dass einer der Kontrahenten dem strittigen Kind rechthaberisch Arme und Beine ausreißt. (Der kaukasische Kreidekreis wiederlesen.) Was ist territoriale Integrität wert, wenn sie nur um den Preis der Zerstörung des Territoriums zu haben ist?

Auf dem Weg zur Schlossruine an der Kirche vorbei – doch halt! Da steht ein Lieferwagen, ein Sarg wird herausgeschoben. Also lieber über die Straße. 1633 wurde das Schloss auf Befehl Richelieus zerstört, um die Ordnung in Mittelwestfrankreich wiederherzustellen. Richelieu, der Gauner. Eine Tafel gedenkt der Vicomtes Gui I und Rainaud VI sowie der Vicomtessen Assalide und Marguerite, außerdem der Troubadoure Bernard de Ventadour, Gui, Eble, Pierre und Elias d’Ussel, Cauceim Faidit und Jean d’Aubusson. Im 12. und 13. Jahrhundert kamen sie mit Poesie und Musik 🎶 nach Aubusson. Vergangene Zeiten. Indes: The King is dead but not forgotten. (Neil Young)

Ein Vers von Gui d’Ussel unten auf der Gedenktafel: Vas Albusso chanso t’en tost ta via … (Vers Aubusson chanson mets-toi vite en route …). Nach Aubusson, Chanson, rasch eile!

Ceci n’est pas une route

Einen Kaffeelöffel, einen Korkenzieher kaufen und der Unterkunft vermachen – ein Plan, der in dem Moment, da sich der tire-bouchon als solides Markenwerkzeug des Autokonstrukteurs Peugeot herausstellt, zur Hälfte Makulatur wird. Immerhin, der Löffel darf bleiben.

Auf dem Weg zu Chez Armand

Bei Armand essen zu gehen, muss warten: Heute wegen „Covid“ geschlossen. – Wer ist krank, er selbst, oder der (andere) Koch? – Und morgen ist alles wieder gut?

Einige Schritte entfernt eine Banderole. Gerahmt von einem roten viereckigen Kreis und einem roten Stern in Großbuchstaben der Hinweis: Dies ist keine Straße.

Erziehung durch Schrift auch anderswo: Wer hier seine Kippen wegwirft, verschmutzt die Creuse! – Wie immer bei französischen Interpunktionszeichen, die aus zwei Elementen bestehen (!?:;), ist das Ausrufungszeichen von Leerzeichen gerahmt und dadurch betont. Kippen liegen da trotzdem. (Der Hinweis findet sich neben jedem Gulli.)

Umwelterziehung, das wünschte man sich auch für Berlin.

Einen Haufen Geld müsste man haben! Da könnte man eines der leerstehenden historischen Häuser kaufen, es von örtlichen Handwerkern instandsetzen lassen, ein paar Jahre selbst darin wohnen und es dann stiften, z.B. für die Zunft der Übersetzer oder der Dichterinnen.

Die Treppe

Treppe in Limoges

Das ist die Treppe, die besagte.

Bus 9, Bussteig A. Nebst Fahrschein gibt es ohne weiteren Kommentar zwanzig Euro zurück. Der Fahrer hatte also „deux (2) euro“ gesagt, nicht „douze (12) euro“. Die Fahrt wird eindreiviertel Stunden dauern. Leises Radio, Ansage der Stationen vom Band.

Aubusson.

Nach einer Weile geduldigen Wartens Nachfrage bei der Dame, die mit Handschuhen und Atemschutzmaske ihre Garage leerzuräumen scheint. Die Nummer 13? – Sie lässt ihre Arbeit liegen. Vor der Tür bleibt sie stehen, fragt: Haben Sie’s versucht? – Die Tür geht auf. Niemand da. Auch die Tür zum Zimmer ist offen, der Schlüssel steckt von innen. Überraschenderweise ist das Bett nicht gemacht. Anruf beim Vermieter. AB. Abgehört hat er’s aber, denn eine Frau erscheint, bittet um Entschuldigung, macht sich daran, den Raum herzurichten, picobello. Kleiner Spaziergang draußen. Unaufgeräumter Eindruck, kein Freilichtmuseum. Viel Brüchiges, Gräser, hochstengelige Blumen, Bienen. In der Luft Gekreische der Schwalben. An der Mauer eine Eidechse, uneilig. Wieder zurück. Der Vermieter ruft an, das Phantom, ob jetzt alles in Ordnung sei. Er fährt in Urlaub. Anweisung, bei Abreise den Schlüssel steckenzulassen, Haustür bleibt offen.

PS. Die Wohnung ist übrigens schön, ohne Schnickschnack.

Straßenzeichnungen

Bevor es morgen mit dem Überlandbus weiter nach Aubusson geht, Abfahrt 9.03 Uhr Place Winston Churchill, galt es heute, dem Quartier du Pont Adieu zu sagen, das sich auf der linken Vienne-Seite zwischen Pont Saint-Martial und Pont Saint-Étienne erstreckt.

Auf dem Weg zur ersten Brücke (12. Jahrhundert) war diese Zeichnung der örtlichen Straßenmeisterei zu bewundern.

Nach Überquerung der Vienne – die zweite Brücke stammt aus dem 13. Jahrhundert – steigt man das andere Ufer hinan, entweder auf einer schönen alten Treppe (Bild folgt), oder über eine stufenlose Schräge. Dort an einem Vorsprung eine Erinnerung an die Pariser Commune von 1871. Das Strich-Gesicht gehört mutmaßlich dazu.

In Aubusson fließt netterweise auch ein Fluss: die Creuse. Bestimmt auch schön!

Postkarte aus Limoges

Blick auf die Vienne

Die Anreise verlief gut, war aber anstrengend nach schlafloser Nacht. Siebzehn Stunden von Tür zu Tür. Das letzte Stück wurde mir von einer Anwohnerin gewiesen, die einen Abendspaziergang mit ihrer Katze unternahm. Diese folgte ihr auf Schritt und Tritt. Laut ihrer App müsse ich links. Aufblickend lachte sie, sie sei gut darin, Leute in die falsche Richtung zu schicken, sie gehe lieber mit. Als ich mich nach der Katze umsah, war sie weg. „Schon nach Hause gelaufen.”

Die Unterkunft ist ganz schön, leider außerhalb und eher für Autofahrer geeignet. Es gibt Busverbindungen, aber heute am Nationalfeiertag werden die Linien nicht bedient. Die Stadt selbst gefällt mir auch, vor allem längs des Flusses, während es auf den Straßen schnell zu heiß wird. Einen Tag, nachdem ich die Vienne fotografiert habe, waren es 38° C. (Bis jetzt habe ich sechs Fotos gemacht, von denen eines nur eine Texttafel zeigt – Material für den Konversationsunterricht.) Sollte ich wiederkommen, dann früher im Jahr.

Ich kann nicht fassen, dass es auch dies Jahr kein Tempolimit geben wird. Ich glaube, selbst wenn alle Wälder Brandenburgs in Rauch aufgehen – und das werden sie natürlich -, wird es immer noch einen Minister geben, der das Recht der Autofahrer schützen wird, aufs Gaspedal zu treten, und einen Regierungschef, der ihn gewähren lässt. Hier ist auf die Fahrkarte aufgedruckt, wie hoch die CO2-Ersparnis gegenüber einer Fahrt mit dem eigenen PKW ist.

Hölderlin, Hyperion. Bin ich überkritisch, oder ist der Unterschied zu Narziss und Goldmund nur graduell?

Interesting

Mein Bruder, den ich letztes Wochenende verpasst habe, weil ich zur Nachfeier des 65. Geburtstages meines ehemaligen Profs nach Bonn gefahren war, war vor seinem Abstecher nach Berlin drei Wochen in – eben – Bonn gewesen (beruflich), was ich nicht wissen konnte, denn er hat es mir nicht gesagt. Mein Berliner Bruder (der andere) sagte es mir vorm Lichtblick Kino, von wo aus er sein jüngstes Geschwister (mich) über die Straße erspäht und ihm zugerufen hatte. (Den Film über den zugedröhnten Dennis Hopper wollte ich mir nicht so bald ansehen – er hätte schon ein paar Minuten später angefangen – außerdem war ich zum Essen verabredet. Ob das Gericht, das serviert wurde, der indischen Küche zugerechnet werden konnte, wie behauptet, wage ich zu bezweifeln. -> Deepu/Radhika fragen.)
Meine Anwesenheit im hippen Teil Berlins rührte übrigens daher, dass ich eine Freundin vom Bahnhof abgeholt hatte, die, zurück von einer Flugreise, einen vollgepackten Koffer bei sich führte, der vier oder sechs halbe Treppen hochgetragen werden musste. Das geht besser in Gesellschaft.
Andalusien soll schön sein. Glaub ich, glaub ich!
Wenn ich selbst noch einmal in ein Flugzeug steige, dann sollte die Destination schwer mit dem Zug erreichbar sein. Japan, Neuengland, so was.
Ein Freund von mir hat Interrail gemacht und ist bis Bukarest gefahren.

Nachdem ich den Abend damit vertan habe, ein Musikstück für diesen Beitrag auszusuchen – keines schien mir zwingend -, gucke ich jetzt noch die letzten beiden Folgen von En thérapie (2. Staffel), die Episoden 34 und 35.
Ich scheine mich für psychoanalytische Themen zu interessieren, sofern es sie im Fernsehen gibt und ich nicht selbst reden muss.

Regen war morgen

Nicht sorgen, wenn dies Logbuch für längere Zeit nicht mit neuem Stoff gefüttert werden sollte (sollte). Ich werde nicht gestorben sein. Ich verreise bloß, ich überschreite eine geographische (eine Staats- und Sprach-) Grenze, was für mich zwar außergewöhnlich, aber immerhin kein nur einmaliges/letztmaliges/letztes Ereignis wie Geburt oder zu den Meinigen versammelt werden a/k/a Tod ist. Also Ball flachhalten.
Über die Reiselektüre, ihr habt mich ja gefragt, ist bis jetzt folgendes klar: Gustave Flaubert, Madame Bovary (Französisch), Friedrich Hölderlin, Hyperion oder der Eremit in Griechenland (Ausgabe Stroemfeld/Roter Stern), Johann Wolfgang von Goethe, Die Wahlverwandtschaften. Sollte ich das alles schaffen – wenn es auch im Urlaub nicht um Schaffen gehen soll, sondern um Lassen, vielleicht sogar um Zulassen, Zulassen im öffnenden Sinn (hier ist eine Tür) -, hätte ich immer noch was zu lesen. Wobei, würde dann eher noch was Französisches koofen, will ja produktiv faulenzen!
[Nachtrag 7.7.2022: Den dicken Musil kann ich auch mitnehmen, in digitaler Form. Ich werde meinen Urlaub um ein Jahr verlängern müssen.]

Tagebuch schreibe ich nicht, aber ich werde kritzeln, so in der Art: das lesen, das hören.
Diese Kritzeleien dienen meiner Bildung.
Die Bildung ankert in der Zukunft oder geht dort baden.

Ich möchte etwas Verschwindendes schaffen, es geht (mir) um den Move, die Energie. Was (stehen)bleibt, ist (för möch) witzlos, außer es schafft es, die Bewegung in sich zu bannen.

Zeitung lesen über Smartie, und hin und wieder als klassisches Papier, auch wegen der sozialen Interaktion. Le Monde, s’il vous plaît.

À propos:
„Wir erforschen die Natur, um sie besser auszubeuten.” (Bernhard Pötter, zitiert in der taz am wochenende, 2/3. Juli 2022, S. 24, „briefe”)
„Für alle, die unseren Kindern die Welt erklären, damit sie die Welt erobern können.” (Werbekampagne der BILD-Zeitung, 2022)
Ausbeuten, erobern, das hat die Welt zerstört und zerstört sie weiterhin.
Verstehen, entdecken, okay, aber dann bitte lassen! Nicht anrühren!

Mein einer Bruder hat sich {vorvorgestern} gemeldet, er sei {am Wochenende} in Berlin, er würde sich freuen mich zu sehen. Ich dankte ihm postwendend, dass er sich gemeldet habe und schrieb ihm, ich sei {am Wochenende} in Bonn, käme aber {gestern} gegen Mitternacht wieder in Berlin an und sei dann aufgelegt, irgendwohin zu kommen, er solle sagen, wie es ihm passe. Diese E-Mail blieb unbeantwortet.
Der Wohnort meines einen Bruders liegt in einer anderen Zeitzone.
Wohingegen mein anderer Bruder, aus Oberbayern, neulich von der Autobahn aus anrief, ob es mir recht sei, wenn er kurz vorbeikomme. Es war an einem Arbeitstag zu den Bürostunden, ich gab meinen Teamkollegen Bescheid, und die Sache war geritzt. Hat mich sehr gefreut. Den sehe ich nicht oft, muss man die Gelegenheit gleich ergreifen. Die Leute sterben auch, die andern, oder man selbst.
Er ist 65 Jahre alt, pensioniert. Seine Frau und er besitzen eine Segelyacht, sind im übrigen genügsam. Er hat seinen Nachnamen geändert. Er macht sich Gedanken. Seine Kinder habe ich früher gesehen.
Auch mein Rad fahrender Berliner Bruder kommt gelegentlich auf ein Käffchen.
Ich habe mich für ein zurückgezogenes Leben entschieden, bin aber geselligkeitsbereit.

Wer sich nicht über WhatsApp verabreden kann, lässt es.
Ich lasse mich nicht von Anwendungen schurigeln.

Hendrik Jackson fragte sich einmal, ob es etwas zu bedeuten habe, dass er drei meiner Geschwister und mich selbst unabhängig voneinander zu verschiedenen Jahren an verschiedenen Orten kennengelernt habe. Ja, das konnte ich ihm auch nicht beantworten. (Vielleicht habe ich diese Anekdote schon mal erzählt.)

Ihr könnt auch Fragen stellen.

Adam O’Farrill Blackening Skies

Ein spukhaftes Animations-Video von Elenor Kopka zu Blackening Skies, dem spröden, doch spannungsreichen Schluss-Stück des Albums Visions of Your Other von Adam O’Farrill’s Stranger Days, das ich an diesem blitzblauen Tag, der möglicherweise eher nach Surfmusik verlangt (aber nicht im Hause Meinolf), nur darum poste, weil es bei meiner gestrigen Suche nach adam o’farrill angezeigt wurde. Albträume sind garantiert! Und wenn nicht, ist auch gut. Es gibt eine Chas Addams-Stimmung in den Bildern, verhängnisvoll, vielleicht auch ‚lustig‘. Eine Lustigkeit, die nichts Gutes vorhat. Roland Topor fällt mir noch ein. Aber was sollen die Vergleiche! Dies ist von Elenor Kopka, vermutlich die Arbeit von Wochen, oder Monaten.

Aus dem Begleittext zur CD (die aber, aus Gründen der Ressourcenschonung und der Müllvermeidung, als CD oder LP gar nicht existiert, sondern nur als Audio-Datei + Booklet, das dann doch): „And the closing track, „Blackening Skies“, was written from a climate change-induced anxiety, having experienced a scorching heatwave in NY within days of a summer monsoon in LA.” (Kevin Sun, s. hier)

Das Rückepferd

„Das Rückepferd Geert bereitet das Saatbett vor.”

Was für schöne Sätze sich doch finden lassen!
Quelle: Insektenbündnis Hannover.

Neulich mindestens fünfzehn Minuten darauf verwandt, eine Hummel, die sich in die Buchhandlung verirrt hatte, einzufangen und in die Freiheit zu entlassen. Zwischendrin einer Kundin den Fall erklärt, sie auch anteilnehmend, lachend, als ich sagte: Ich bleib dran.

Es war ein Tip meiner Konversationslehrerin, mir die Arte-Serie En thérapie anzusehen. Die erste Staffel hatte ich im letzten Jahr nur bis zur dritten oder vierten Folge geguckt, nun habe ich die zweite angefangen und bin bereits bei Folge 14 angelangt (von 35). Wenn ich nicht zu müde bin, sehe ich drei Episoden hintereinander, Französisch mit französischen Untertiteln für Gehörlose und Hörgeschädigte, drücke hin und wieder auf Pause, um ein Wort nachzusehen, la frichedie Brache, oder um einen Satz aufzuschreiben: À la fête foraine des angoisses, n’essayez pas tous les manègesWenn Sie auf der Angstkirmes sind, gehen Sie nicht auf jedes Gerät. (Wie heißt es wohl in der synchronisierten Fassung?)

Letztes Mal haben wir über Schimpfwörter gesprochen, von denen mir nur wenige einfielen, und die waren von der Art, wie sie bestenfalls in vornehmen Pariser Arrondissements von älteren Damen noch verwendet werden (sagte sie).
Da gab es einiges Neues. Mir wurde ernstlich davon abgeraten, vom Gelernten Gebrauch zu machen.

Auf der Suche nach sTiL.e(vir) Lyrik, Glückswürdigkeit (2021), dem Abschlussband der sTiL.e-Tetralogie von Konstantin Ames, stieß ich auch auf Rosmarie Waldrops Pippins Tochters Taschentuch, ein Geschenk meines Chefs (zum Geburtstag? zu Weihnachten?), einige Monate, nachdem ich besagtes Buch aus eigener Tasche erworben hatte. Wenn ich wem eine Freude mit dem überzähligen Exemplar machen kann, bitte melden (per Mail an reul@imdickicht.blog, oder über Signal, oder über Snapchat, oder telefonisch, oder oder).

Aus dem Newsletter von everwave, dem Aachener Verein zur Säuberung der Flüsse von Plastik:

Es ist noch gar nicht lange her, da ist unsere erste HiveX Flussplattform feierlich in Bremen eingeweiht worden – und jetzt? Feiert HiveX bereits ihren Piloteinsatz im Bacchiglione, einem Fluss nahe Padua in Italien. Ein so wichtiger Meilenstein für everwave und unsere Vision sauberer Gewässer weltweit!

HiveX nutzt die Strömung des Flusses, um schwimmende Abfälle umzuleiten und aufzunehmen. Ihre passive interne Architektur ist energieeffizient und umweltfreundlich. Das Ziel: Verhindern, dass Abfälle in den Golf von Venedig gelangen, während Umwelt und Tieren nichts geschieht.

Gut zu wissen, dass an Lösungen für die Probleme gearbeitet wird, in denen wir schwimmen.

Reise nach Westen

Welche Tiere genau von Futter und Wasser profitieren, man weiß es ja nicht. Es gibt einen Igel, der sich unters Vogelhaus setzt, abends, und die heruntergefallenen Haferflocken frisst – oder doch die Schnecken, die er vielleicht dort findet?

Die Schnecke ist ein Lieblingstier von Issa, hier eins seiner Haikus in der Übersetzung von Géza S. Dombrady.

Kleine Schnecke!
Musst du denn den Fuji besteigen?
Dann aber ganz langsam!

Die Wasserschale wird von Spatz, Meise, Specht, Star, Taube und Krähe besucht, Eichelhäher nicht zu vergessen, Bienen setzen sich auf den Rand und neigen sich ganz hinein, fliegen dann zurück zur Hortensie, summender Hut auf dem zugewachsenen Schuppen.

In Brasilien verschlimmert sich die Lage für Mensch und Natur (ein Ganzes) unter der Regierung des rechtsradikalen (Noch-) Machthabers in beängstigender Weise. Sachwalter der indigenen Bevölkerung ‚verschwinden‘, zuletzt der Journalist Dom Phillips und sein Mitstreiter Bruno Pereira. Unbekümmert wird das Paradies zerstört, um die Hölle zu schaffen. Viele Wege führen darauf zu und werden rüstig beschritten.
Im Kleinen geschieht auch Gutes, s. hier.

Zwei Musiken: Das Tyshawn Sorey Trio (Tyshawn Sorey, dr, Aaron Diehl, p, Matt Brewer, b) mit einer Komposition von Muhal Richard Abrams, Two Over One, ein friedliches Stück, das an John Coltrane (vor seiner späten Free Jazz-Phase) erinnert.

https://tyshawn-sorey.bandcamp.com/album/mesmerism

Und das Marta Sánchez Quintet aus New York mit dem zweiten Stück aus SAAM (Spanish American Art Museum), eine der besten Jazz-Veröffentlichungen des Jahres. (Ebenfalls top: Partenika (2015), Danza Imposible (2017), El Rayo de Luz (2019).)
Die Band besteht aus Marta Sánchez, p & comp, Alex LoRe, as, Román Filiú, ts, Rashaan Carter, b, Allan Mednard, dr.

Nächsten Monat geht’s auf Reisen, erst nach Bonn, zu einem nachgeholten 65. Geburtstag, möglicherweise auch einer Emeritierung, dann nach Limoges und Aubusson (und, voraussichtlich, Brest).