Anrufe in Abwesenheit

Vier Anrufe in Abwesenheit waren in das Speicherkissen gesunken.
Zu Hause schrieb ich Unbekannt: „In meinem Tran habe ich mein Handy in Heinz‘ Auto liegenlassen, so dass ich eine etwaige Einladung von Dir zum Essen nicht abhören kann. Vielleicht, wenn ich dann noch wach bin, komme ich gegen halb sieben mal vorbei und guck in die Töpfe.”
Die Antwort – „Halb sieben ist zu spät, besser Du kommst jetzt bald, muss heute früh zu Bett, Wetter macht mich depressiv, Essen ist von gestern, aber lecker. Gruß” – hat mich, wenngleich ich sie erhielt, nicht erreicht, weil ich erst am Abend wieder in den Computer sah.
Der Türsummer ging nach einer Weile.
Selber müde, verging fast eine Stunde, ehe ich fragte: „Hast du geschlafen?”
Udo war dabei, seine Tasche zu packen. Ob er noch nach draußen wolle?
Unbekannt lachte. „Das hast du nett formuliert.”
Da fiel mir wieder Udos Nachtdienst ein.
Gerade drehte er mit philosophischer Ruhe eine Banane in seiner Hand. Sie war unansehnlich; mit ihren grauschwarzen Verfärbungen erinnerte sie an eine Alukartoffel, die man in der Glut vergessen hat, und die nun Spuren von Oxydation, Ruß und Asche trug. Udo hatte sie frisch gekauft, aber über Nacht im Auto vergessen.
„Innen ist die noch gut”, sagte er ohne Sturheit und steckte sie zu den anderen Sachen in die Tasche und zog den Reißverschluss zu.
Ich war verschnupft und Unbekannt machte mir Tee, zwei Tassen. Später gab sie mir Lindenblüten mit, sollte ich vor dem Schlafengehen trinken.
„Bist du langweilig?”, fragte ich sie, eine Zukunft überfliegend.
„Ja sicher”, sagte sie mit Überzeugung, aber ich glaubte ihr nicht.

Vermischte Meldungen

Trag nie eine helle Hose, wenn der Hund deiner Gastgeber schwarz ist.
Wie immer(,) sprang mich Eddie zur Begrüßung an. Wiedererkennensfreude oder Randale? Sein griffiges Pudelfell war erbarmenswürdig geschoren, er sah aus wie ein Lämmchen. Die schwarzen Augen, sonst als glimmende Knöpfe nur erahnbar, waren jetzt klar zu sehen; sie blickten kritisch und humorlos.
Im Behandlungszimmer stieg beruhigende Musik auf und zerging wie Rauch in der Luft. Dr. B. stopfte mir eine Art Watteknubbel in den Zahn und drückte ihn platt, so wie manche Schickimickiignoranten es mit Kaffee tun. Der Kaffeekegel wird beim Zusammenschrauben der Caffettiera sowieso zusammengedrückt. Hier bei der Zahnbehandlung hatte es natürlich seinen Sinn, sag ich nichts.
Wenn ich ‚lache‘ (mechanisch, vor dem Spiegel), sieht es aus, als klebte mir ein Kaugummi zwischen den Zähnen.
Dr. B. mahnte mich ironisch, nächstes Mal gutgelaunt zu erscheinen.
Beim Aufschließen des Fahrrads hatte ich ölige Finger, weil ich neulich, nächtens, die knarzende Kette mit Sonnenblumenöl begossen hatte; es war auf den Sattel (Lepper) getropft. An sich gut fürs Leder. Bei einer meiner frühmorgendlichen lichtlosen Rasereien nach Lüllingen, bei denen ich die raren Schemen erschrecke, die steif am Straßenrand stehen und auf ihre Mitfahrgelegenheit warten, war die Kette abgesprungen.
Fremd-Wörter schubsen Eigen-Wörter an.