Espressokocher „Venus“

Gestern hatte ich kurz den Impuls, mich wieder bei Facebook anzumelden. Denn das digitale Wohnzimmer, in dem alle zum Quatschen zusammenkommen, ist ja nicht WordPress. Aber ich weiß nicht. Wahrscheinlich würde mich Facebook ebenso (wieder) enttäuschen wie mich Twitter enttäuscht hat oder wie mich WordPress enttäuscht.
Besser wäre es sowieso, eine andere Utopie zu verfolgen: die der Briefe und Postkarten, der Handschrift, der Tintenkleckse und gezahnten Briefmarken, der Zustellungsdauer / Vorfreude / Überraschung.

An anderer Stelle habe ich schon erwähnt … ich kann diese Stelle nicht wiederfinden …, dass ich es für einen überlebensnotwendigen Akt des Widerstands ansehe, sich immerzu mit intelligenten, sperrigen, herausfordernden, leisen, abseitigen Dingen der Kultur zu beschäftigen. Denn wir haben (auch) im Jahre 2020 beunruhigend viele Schwachköpfe in Machtpositionen , und deren zerstörerische Energie muss in Schach gehalten und nach Möglichkeit unwirksam gemacht werden.
In diesem Sinne hier ein Stück aus dem im Januar erschienenen Album Reckon des Jim Black Trios, mit Jim Black, dr, Elias Stemeseder, p, und Thomas Morgan, b. (Auch Bach und Purcell sind erlaubt, oder Sleater-Kinney, ganz nach Belieben.)

Am Nachthafen

Dies Heftli von Erich Auerbach, das ich da neulich gelesen habe – ich hab’s nur teilweise verstanden. Das ist eine Gelehrsamkeit, von der ich mit meiner Durchschnittsintelligenz unwiderruflich abgeschnitten bin (nicht, dass ich jemals an sie angebunden gewesen wäre!), also: halbe Seiten mit Zitaten in lateinischer Sprache, einmal ein altgriechisches Wort (in griechischer Schrift), bei den Zuhörern und Lesern als bekannt vorausgesetzt, dazu anspruchsvolle Literaturhinweise à la „Den Romanisten unter meinen Hörern ist gewiß der Rosenroman gegenwärtig” … Ist er? Gewiss? Welcher Zuhörer konnte das 1953 bejahen, welcher könnte es 2020?
Typologische Motive in der mittelalterlichen Literatur war zuerst ein Vortrag („Schriften und Vorträge des Petrarca-Instituts Köln”, Heft 2, 2. Auflage, Scherpe Verlag, Krefeld 1964), übrigens gut lesbar, von den genannten Schwierigkeiten abgesehen. Allerdings muss ich mich fragen, ob mich das Thema so doll interessiert. Ich hatte mir, als ich das Büchel kaufte, vermutlich irgendeine Dante-Erhellung erhofft, und Dante kommt natürlich auch vor, aber auch ‚dunkle’ Gestalten wie Notker Balbulus (never heard) oder Alanus de Insulis (same). Na ja, trotzdem immer beeindruckend, wenn jemand so selbstverständlich im Bildungsgarten wandelt und nebenbei den akademischen Disput pflegt: „Was C. sonst dort S. 31 zu der Stelle sagt, ist nicht zuverlässig.”
C. ist Ernst Robert Curtius.
Meine Mitbewohnerin führt rumpelnd den fauchenden Staubsauger durchs Treppenhaus. So viel zu meinen Schreibumständen.
Von den Schreibumständen eines Erich Auerbach kündet, dezent in den Fußnoten verborgen, der Publikationsort „Istanbul, 1944”.

Bandcamp reicht die Einnahmen aus den heutigen Verkäufen (gilt noch bis Mitternacht) eins zu eins an die Künstler weiter – nicht zum ersten Mal. Sehr löblich!
So richtig die Spendierhosen angezogen habe ich mir trotzdem nicht, nur ein Mini-Album der Londoner Dichterin Kate Tempest (Bad Place For A Good Time) und eine CD des Schweizer Bassisten Luca Sisera und seiner Band ROOFER gekauft (Starlex Complex), auf welch letztere ich eher zufällig gestoßen bin.
Ich erinnere mich, dass Soundcheck-Moderator Andreas Müller einmal sagte, das Erbe von Blue Note werde nicht von Blue Note weitergeführt, sondern von kleinen, unbekannteren Jazzlabels. Eins davon ist nWog Records, das auch hinsichtlich der überragenden Covergestaltung dem berühmten Paten aus New York (und Reid Miles) das Wasser reichen kann.

Am Nachthafen, da hab ich mich verguckt, als ich bei mäßigem Kühlschranklicht sehen wollte, wo der Käse eigentlich herkommt. Es kann aber nur die Konfektionierstelle gewesen sein, denn es ist ja ein französisches Produkt! Und am Ende war es natürlich auch nicht Nachthafen (schade!), sondern Yachthafen.

Ist dies jetzt ein „Original”, wie Robert es verlangt hat? Ich bzweiefel es (und hab hier zur Lockerung, von der ja zur Zeit mit nervenraubender Stetigkeit die Rede ist, die Buchstaben ein bisschen durcheinandergewürfelt).

Florian Neuner Inseltexte

„Wenn an Büchern wie meinen überhaupt jemand etwas verdient, dann der Gestalter.”
Florian Neuner

Ich hab hier fünf abgebrochene Bücher, das kann ich ja gar nicht leiden. Also werde ich sie jetzt eins nach dem anderen – es brauchte wohl die Erklärung, dies nicht zu tun – fertiglesen, angefangen mit den Inseltexten von Florian Neuner. Passt ja auch. (Bis Helgoland war ich gekommen.) Der letzte, noch ausstehende Text heißt „Fließtext Emscherpassage. Annäherung an die Insel”.
Warum ich angefangen habe: Ich hatte noch nie was von Florian Neuner gelesen und wollte das nun einmal tun.
Warum ich aufgehört habe: Konzentrationsstörungen, (weitgehendes) Fehlen eines Handlungsfadens – sodass ein Leser auf jeder Seite vom Pferd fallen kann – und will er dann wieder aufsteigen?

Meiner Einschätzung nach ist Florian Neuner ein writer’s writer, übrigens nicht schwer zu lesen, warum hatte nicht schon längst ein anderer zugegriffen? [Mein Chef hatte das Buch sechs Jahre lang in seiner Buchhandlung liegen, bis ich es kaufte.] Aber ich kann mich irren.
Mich interessieren seine Fragen, wie ein Text entsteht, wie man schreiben kann, wenn einem nichts einfällt, oder wenn man weiß, dass alle schon alles gesagt haben.

„Wäre ich gezwungen, mein ‚Konzept’ zu skizzieren, ich würde sagen, dass ich mich an einem Schreiben ohne Einfall versuche, bzw. mich dazu zwinge, über den Punkt hinaus weiterzuschreiben, an dem mir nichts mehr einfällt”, heißt es ziemlich zu Beginn des ersten Textes, „… oder: verflucht!”, der dem rings von Wasser umgebenen Berliner Stadtteil Moabit gewidmet ist (der zum Bezirk Mitte gehört). – Die Überschrift bezieht sich auf einen der Deutungsversuche des Namens Moabit: Er könnte sich von Moor oder Moos herleiten, oder auch, wegen seines unfruchtbaren Bodens, von terre maudite, verfluchtes Fleckchen Erde, frei übersetzt.

Der Autor als Produzent ist immer mit im Bild, wenn er durch Moabit oder Český Krumlov spaziert (auch als Krumau bekannt, aber Neuner vermeidet diesen Namen), in Kneipen sitzt, Bier trinkt und schreibt, sich auf Helgoland gegen den Wind stemmt, oder – ausnahmsweise per Fahrrad – im Ruhrgebiet unterwegs ist.
Da lese ich jetzt noch.
Auch der Stil ist mäandernd, flanierend („Aber ich schweife ab – falls man das überhaupt sagen kann, denn dazu müßte es ja wohl einen Hauptstrang, gar so etwas wie eine Handlung geben, von der aus diese Abschweifungen erfolgen”). Das haut im ersten Text besser hin als im zweiten, der etwas zäh ist (viele Anstreichungen aber). Und war es nicht L., die gesagt hat, dass das – von Neuner viel genutzte – „&”-Zeichen auf sie immer wie ein Stop-Zeichen wirkt? Gut, das nimmt jeder vielleicht anders wahr.

„Das Werk ist die Totenmaske der Konzeption”: dies Zitat von Walter Benjamin ist mir im Kopf, ich hab’s jetzt nicht noch mal nachgeschlagen, wo steht es überhaupt? Bei Florian Neuner gibt’s aber keine Totenmaske (oder war es Lebendmaske?), die Konzeption ist das Thema (kann man das sagen?), aber jetzt auch nicht als etwas in Stein Gemeißeltes (das wäre auch wieder zu nah am Grab, zu werkmäßig, und das Werk ist doch egal!), sondern mehr in der Art von Konzeptpapier. Da wird auch manches wieder durchgestrichen und so, durchgestrichen, stehengelassen.

Der „Helgoland”-Text ist als Collage gestaltet, das Ruhrgebietsstück, wie der Titel schon sagt, als Textband angelegt. Es umfasst knapp vierzig Seiten und ist ganz auf die rechte Buchseite gelegt, während die linken Buchseiten – noch mal vierzig – Ergänzungen bieten, s/w-Fotos, kleine Schlenker („Gaststätte Turf”, „Am Herner Meer”, „Eine Trinkhalle verschwindet”).

Aber man soll nur über das schreiben, was man gelesen hat, und so weit bin ich jetzt noch nicht.

Florian Neuner, Inseltexte [„… oder: verflucht!”, „An der böhmischen Küste”, „Helgoland”, „Fließtext Emscherpassage”]. 184 Seiten, Klappenbroschur. Klever Verlag, Wien 2014. 17,00 Euro

These are hard times to fall in love

Zur Feier des nahenden Wochenendes – und weil man sich ja irgendwie bei Laune halten muss – habe ich meine Bandcamp-Sammlung um das Debütalbum von Cate Le Bon, Me Oh My (2009), erweitert (und bereichert). Auf das schöne Artwork musste ich aber verzichten und mit Fraktur vorliebnehmen.
Beim Hören fühle ich mich an Neil Youngs After The Gold Rush (1970) erinnert, stimmungsmäßig. Das wäre kein schlechtes Vorbild, sollte es eines sein.
Hier ein Stück aus Me Oh My, Shoeing The Bones (dem auch die Überschrift entnommen ist – oder sollte ich mich verhört haben?), und danach ein auf Walisisch gesungenes, das ursprünglich auch auf die Platte sollte, um der Geschlossenheit willen aber herausfiel.
Cate Le Bon ist super, ich sag’s nur.
Zu beiden Songs gibt es auch Videos mit laufenden Bildern: hier ein Film, da ein Fernsehauftritt, beides sehenswert. Hier eingefügt nur die Standvideos.

Von der Verwandtschaft habe ich ein nagelneues Telefon bekommen.
Die SIM-PIN, die zusammen in einem Umschlag mit der neuen SIM-Karte hier eintraf, hat das Gerät aber leider nicht angenommen. Offenbar verlangt Android nach einer Geräte-PIN.
Heute in der Mittagspause bin ich mit aller Vorsicht zu einem Telefonladen am Teltower Damm geradelt [in einer früheren Version stand: Machnower Damm]. Dort hatte ich es mit lauter leichtsinnigen Zehlendorfern zu tun, die sich auf Straße, Rad- und Gehweg tummelten, so als wäre schon wieder alles in Butter. Weit gefehlt! Ich sehe Tote auf uns kommen, und zwar in rauhen Mengen! Leider haben nicht alle einen Blick für den Tod. Man kann aber Gift darauf nehmen, dass dies umgekehrt nicht gilt. Was soll ich sagen.
Aber im Telefonladen habe ich mich sicher gefühlt, ich war der einzige Kunde, und ich blieb zwei Meter vor dem Plexiglas stehen. Doch mit einer Geräte-PIN konnten sie auch nicht dienen, Rücksetzen auf Werkseinstellung dito, da könne ich aber zum Phonedoctor in Steglitz. Gut, dass ist dann morgen an der Reihe.

Ostertorte aus Kampanien

Die habe ich Samstag gebacken. [Foto folgt.] Eine Freundin hatte vorgeschlagen, spazierenzugehen oder -zufahren, wir trafen uns am S-Bahnhof Zehlendorf, aber dann fand sie die Kuchenaussicht schöner als die, zum Wannsee zu radeln, und so schoben wir unsere Räder so lange, bis sie mit dem Milchkaffee fertig war, während ich meinen Espresso längst ausgetrunken hatte, und dann fuhren wir ohne weiteren Umweg zur Kuchentafel.

Die kleine Kaffeepause auf den Stufen zum (geschlossenen) Steakrestaurant („seit 1968”) habe ich später in dem einen Punkt bedauert, dass ich bei der Gelegenheit mein Telefon abgelegt hatte – und dann, beim Aufbruch, nicht wieder aufgehoben, was mir aber erst am späten Abend bewusst wurde. Ich bin dann zurück nach Zehlendorf – bis auf Hundehalter mit ihren Hunden der einzige Verkehrsteilnehmer weit und breit -, wo das Telefon aber natürlich nicht mehr lag – zum Glück kein teures Teil, aber doch eines mit vielen Telefonnummern und Textnachrichten.
Auf dem Rückweg ein Fuchs, immerhin!

Eine Maske habe ich übrigens auch gekauft, 7.50 Euro hat sie gekostet. Ob der qua Amt wirtschaftsfreundliche Minister Altmaier den künftigen deutschen Maskenherstellern eine Preisobergrenze einziehen wird, wenn er schon so nett ist, eine Mindestabnahmemenge zu garantieren? – Wird die auch bei 7.50 Euro liegen, oder eher bei 14.00 Euro? – Teuer wird es so oder so. Doch wird’s auch nützen? Non si sa.

In puncto social distancing war ich dies Wochenende nicht vorbildlich, aber ich kann es vertreten.

Ich habe mir etwas aus dem Vorprogramm von Lady Gagas ausgedehnter Musiksendung angesehen und wollte auch den Hauptteil gucken, aber als ich aufwachte, war es schon halb fünf. – Sehr gutes Timing von ihr, das Ding einen Tag nach Mister Gagas Ankündigung auf die Beine zu stellen, die Weltgesundheitsorganisation nicht länger zu unterstützen. Und es ist nicht das geringste Verdienst von One World: Together At Home, den nichtswürdigen Trump acht Stunden lang stummgestellt zu haben.

Im Firmenchat teilte jemand diesen I miss the office-Link:
https://imisstheoffice.eu/
Man kann die Zahl der Kollegen wählen (0 bis 10) und auf einzelne Teile der Büroausstattung klicken – Kopierer, Wasserspender, Tastatur, Sessel – und auf diese Weise eine Art Büro-Illusion herstellen.

Erinnere ein vergessenes Konzert

„Erinnere einen vergessenen Text”, hieß einmal eine paradoxe Spielanweisung des Schweizer Verlegers Urs Engeler an befreundete Schriftstellernnien (polnisch gegendert), aus deren Ergebnissen dann ein Buch geworden ist. Ich kenne es nur dem Titel nach. – Natürlich war die Vorgabe gewesen, vor dem Schreiben den vergessenen Text nicht erst noch einmal zu konsultieren.
Wollte ich meine Berichterstattung vom Ultraschall Berlin Festival unter dieser Maßgabe fortsetzen, wäre ich vermutlich schnell damit fertig. Zunächst fiele mir einiges ein, was nicht direkt mit der Musik zu tun hat, z.B. mit wem ich da war (L.), wen wir getroffen haben (Rumiana, Viola, Axel, Gernot, auch Achim?), wovon unter anderem die Rede war: den alten Vater in der Kur abgeben, Blick auf den Watzmann …, das Pausengespräch des Musikredakteurs mit der Komponistin mit dem Doppelnamen, die auf eine Krücke gestützt die Stufen zur Bühne erklomm und einen sehr vifen Eindruck machte, ihr Stück hatte „fire” im Titel. Eine Paetzoldflöte kam wieder vor, und wahrscheinlich ein Cembalo. Und gab es nicht noch ein zweites Komponistinnengespräch? (Es wurden ja überhaupt nur Werke von Komponistinnen gespielt.)
Das war mit Elena Mendoza. Es ging um Integration und Desintegration und die Frage der Perspektive. Einige der Instrumente waren präpariert, aber die Verfremdung im Gesamtklang aufgehoben. Dann gab es auf einmal einen Tisch und einen Mimen – oder stand der Tisch von Beginn an da? Der Mime ging zu den präparierten Instrumenten hin, nahm ihnen die Gegenstände der Präparation weg (sie waren ja gar nicht aufgefallen!) und exponierte sie auf dem Zaubertisch: ein Glas, eine Flasche … was noch? Ein Tuch? Tat so, als streiche er mit dem Finger über den Rand des Glases, berührte es aber gar nicht, und einer der Musiker gab einen Klang dazu. Tat so, als entkorke er die Flasche, schenke zu trinken ein, und ein Instrument unterlegte die Geste mit einer musikalischen Geste. In ihrer ostentativen Zurschaustellung wurde die ‚Integration‘ der Gegenstände der Klangverfremdung – die ja immer noch integraler Bestandteil der Komposition waren – nicht so sehr abgebrochen als auf eine andere Stufe gehoben.
Vielleicht lässt es sich anhand eines Vergleichs erklären: Bei Übersetzungen gibt es zwei Möglichkeiten (unter den unendlich vielen Möglichkeiten). Die Übersetzung kann anstreben, das Original rückstandslos der Zielsprache anzuverwandeln, oder sie kann eine Erinnerung an die ‚Fremdheit‘ des Ursprungstextes gleichsam mitlaufen lassen. Beides sind legitime Übersetzungen, unter je anderem Vorzeichen.
Auf die Komposition von Elena Mendoza gewendet, schien es, als seien hier nacheinander beide Möglichkeiten durchgespielt worden. – So beschrieben, könnte der Eindruck entstehen, als hätten wir es mit einer furchtbar didaktischen Arbeit zu tun – doch keineswegs! Ich erinnere [Titel einsetzen] als eines der (auch konzeptuell) stärksten Werke des Abends.
Aber ich muss das Programmheft heraussuchen und mir die Sachen noch mal anhören, so wird das ja nichts.

Hier zum Schluss ein Stück von Julia Holter, die ich in ihrer übergroßen Ambition immer ein wenig anstrengend finde, ihr Album Loud City Song, das ich hierhabe, wollte ich lange loswerden, aber jetzt habe ich mich entschieden, es zu behalten und sogar wieder anzuhören, denn trotz allem habe ich Julia Holter gern und verfolge mit Sympathie, was sie macht. ¯\_(ツ)_/¯

Frohe Ostern again!

L.Z.

Gestern planmäßig den letzten Zigarillo gepafft und – wie um einer Leere vorzubeugen, die ich aber nicht einmal erwarte – angefangen, meine Bücher umzuräumen, nämlich: alle Literaturzeitschriften, Kindlers Literaturlexikon (in der billigen Lizenz-Ausgabe von Komet), Jürgen von Stackelbergs Das französische Theater (Bagel, Düsseldorf 1968), Georg Hensels Spielplan und vor allem alle Gedichte und befreundete Sachen sollen jetzt ins Gartenzimmer.
Die Lücken, die diese Umzugsaktion in die Bücherregale meines Wohnzimmers gerissen hat, kann ich wahrscheinlich mit den Büchern auffüllen, die bisher als Stapelgemeinschaft existierten und sich jetzt erstmals ein bisschen werden ausstrecken können.
Sicher werde ich auch eine Kiste für meinen Chef packen – Bücher gegen Platz, so ist unsere Verabredung, denn bekanntlich sind die Antiquariatspreise im Keller, was sollte ich da schon verlangen?
Manche Titel habe ich auch doppelt und dreifach, Ausgaben von Zwischen den Zeilen, von sprachgebunden, drei Mal einflüsterungen von seitlich (Debütband von Hendrik Jackson, vor bald zwanzig Jahren erschienen, im Berliner Morpheo Verlag, der jetzt tatsächlich lange schon schläft – ich hatte ihn in meiner Buchhandlung, hat aber keiner gekauft), die alten kleinformatigen Ausgaben der parasitenpresse und so weiter, die kriegt er aber nicht, mein Chef :-b
Im übrigen bin ich jetzt wieder in der Lage, DVDs zu gucken: ein Fortschritt! Als erstes gestern Unga Astrid (Schwedisch mit deutschen Untertiteln), ein Biopic über Astrid Lindgrens frühe Jahre, toll gespielt von Alba August. (Das war ein Weihnachtsgeschenk gewesen.) Auch CDs sind wieder über Computer abspielbar.
Jetzt muss ich noch herausfinden, wie Telefonkonferenzen funktionieren. Ich höre (und sehe, sofern sie eine Kamera eingeschaltet haben) meine Kollegen, aber sie hören (und sehen) mich nicht, oder vielleicht hat es einmal geklappt, dann aber nicht mehr, und statt zu sagen, was ich zu sagen hatte, habe ich es geschrieben und eine Kollegin hat es dann vorgelesen. Also, das scheint mir noch verbesserungsfähig. Am besten wäre es, jemand käme her und zeigte mir, wie es geht, aber das ist natürlich utopisch. Ich werde also meine Nichte noch einmal um einen Testanruf bitten und versuchen, mir zu merken, was ich in welcher Reihenfolge gemacht habe, damit das Experiment jederzeit mit gleichem Erfolg wiederholt werden kann.
Ich gehe jetzt weiter aufräumen.

Simple and Quiet Painting, 1965

Die Feministinnen unter meinen Leserinnen mögen mir bitte nachsehen, dass ich eine Fuchs-Graphik, die mir bisher als Desktop-Hintergrund diente, durch eine Abbildung des Simple and Quiet Painting(s) von Martial Raysse ausgetauscht habe (hier). Im übrigen gibt es kaum Veränderungen zu melden. Ein Wetterumschwung zeichnet sich ab, im Grün unterm Fenster gurgelt eine Biene, eine Meise kam direkt ans Fenster geflogen, guckte zu mir herein, ich hab ihr Körner und Erdnüsse in einen Blumentopf gestreut, dessen ausgetrocknete Erde schon lange keine Pflanze mehr nährt. (Daneben zwei Plastiktöpfe mit Geranien. Ich musste sie stark stutzen, nachdem sie Frost abbekommen hatten, sie berappeln sich aber wieder.)
Mein Neffe fand den optischen Eindruck zu „rummelig”, der sich aus der ungeplanten Replikation der fünf Trompeter – von Bandcamp automatisch vorgenommen – ergeben hatte, und hat deswegen nun ein neues, abstraktes Banner eingesetzt. Sieht gut aus, legt mich musikalisch auch nicht fest, was mir recht ist.
Obwohl ich sonst allergisch auf Orange reagiere, habe ich zuletzt ein orangenes Osterei von den Orielles ins Nest gelegt, Disco Volador. Hier ein Stück daraus:

Ansonsten möchte ich eine Naturbeobachtung von Monika Rinck (aus Alle Türen) festhalten. Da habe ich mich gefreut, dass jemand ein Auge und Ohr dafür hatte, und den treffenden sprachlichen Ausdruck.

das hochkante Streifen des getrockneten Laubs, / wie laut das ist

Heute mache ich Arme Ritter.