Auf dem Sprengplatz

Einen Sprengplatz – so was hat wahrscheinlich auch nur Berlin. 25 Tonnen Dynamit dort zu horten … gut, kein Dynamit, aber Bomben, Munition und Feuerwerk …, im „beliebten Naherholungsgebiet”, wie das ZDF mit einem Unterton der Missbilligung berichtet, das scheint, mit einem Wort des geschätzten Altkanzlers, suboptimal. Immerhin war die Avus ein paar Tage lang gesperrt, die berühmte Rennstrecke. Das hat den Autosüchtigen sicher nicht geschmeckt, aber vielleicht doch auch einmal ganz gut getan.

À propos: Die heute von ihrem Amt zurückgetretene Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg gehört mit einem Jahresgehalt von 300.000 Euro wahrscheinlich, wie ich selbst (oder Friedrich Merz), zur bedrohten Mittelschicht. Wie gut, dass es das Dienstwagenprivileg gibt. Dadurch lassen sich Härten abfedern.
Massage-Sitze in die Luxuskarosse montieren lassen ist ja nicht billig.
(Ein Revolverblatt wie Im Dickicht lässt sich ein solches Detail nicht entgehen, klar.)
Man darf gespannt sein, welcher Regierung die Ehre zukommen wird, es eines Tages abzuschaffen. Vermutlich muss zunächst einmal der kleine Koalitionspartner abgeschafft werden.
Ulrike Herrmann von der taz gibt zu bedenken, dass die gesamte Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, kurz ARD, der „Selbstbedienungsmentalität” frönt, und fordert, damit müsse Schluss sein.
Träumen darf man!
In einem anderen Artikel zum Thema verlinkt die taz diese beiden lesenswerten Blogeinträge der Freien beim rbb, die die Unverfrorenheit und Schamlosigkeit der (gewesenen) Intendantin noch einmal ins rechte Licht rücken. (Wie gesagt: Ähnliche Stories gibt’s bestimmt auch unter, zum Beispiel, Tom Buhrow.)
Löffelhäppchen + Schlagzeilen + Belegschaftsversammlung
Vorwürfe + Bestandsschutz + Energiepreispauschale

In der Ukraine ist ein Atomkraftwerk beschossen worden – das größte Europas.
Unser kleiner Sprengplatz im Grunewald ist ein Sandkasten dagegen.

Der Landwirtschaftsminister (von den Grünen) verschiebt das EU-Artenschutzprogramm ein bisschen, damit die Landwirte mehr Getreide anbauen können. Der Oberlobbyist der Landwirte ist erleichtert. Er sorgt sich um die Ernährung der Weltbevölkerung, guter Mann! Es wäre aber auch möglich, die Ackerflächen, die jetzt zur Produktion von Biotreibstoff und Futtermitteln für die Fleischindustrie benutzt werden, umzuwidmen. (Möglicherweise hat sich der kleine Koalitionspartner dagegen gesperrt. Oder die Agrarlobby, oder beide.)

Für die Nachgeborenen: Insekten, das waren diese kleinen Dingerchen ->
Insekten.

Fazit: Auch nach dem Urlaub ist die Selbstabschaffung des Menschen – einschließlich der Vernichtung aller anderen Arten – eine denkbare, und man darf sagen: eine aktiv betriebene, Sache und, wie es aussieht, der wahrscheinliche Ausgang des Dramas. Schade.

Kimbra hat zusammen mit dem mexikanischen Jazzdrummer Antonio Sánchez einen neuen Song veröffentlicht. Leider ist nach drei Minuten Schluss. Trotzdem toll!

4 Kommentare zu „Auf dem Sprengplatz“

  1. Das werde ich mir doch mal ganz anhören:
    https://www.deutschlandfunk.de/zwischentoene-mit-hermann-knoflacher-vom-07-08-2022-originalfassung-mit-musik-dlf-53159f11-100.html
    Neulich – war das diese Nacht? – nur einen Ausschnitt daraus in der Radionacht des DLF gehört. 3.00 Uhr ist nicht so meine Zeit.
    Dazu ein Zitat aus der Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Knoflacher):
    „Ich freue mich immer, wenn ich persönlich angegriffen werde, weil das bedeutet, dass mein Gegenüber keine Sachargumente hat.”

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  2. Hm, gerade gelesen, dass sich Kimbra im Mai auf Instagram anlässlich des mental health awareness month über ihre Depressionen und Angststörungen geäußert hat. Vor diesem Hintergrund hört sich das „I’m jump off the edge … I’m suicidal” im oben verlinkten Stück nicht gut an … Hoffentlich hilft ihr Reden. Reden und (Kunst) Machen.

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