Handschuhe, Mütze, Schal

„Handschuhe, Mütze, Schal!”, rief mir die Freundin meiner Mitbewohnerin zu, als ich mich anschickte, aus dem Haus zu gehen. „Draußen kann es glatt sein!”
Diese halbironische Fürsorglichkeit hat mich belustigt, fand ich aber nett.
So glatt war es übrigens nicht.
Die Handschuhe habe ich letzten Montag in der Buchhandlung vergessen, jetzt habe ich sie wieder.

Mon intention était d’acheter quelque disque du rayon chanson française (aussi pop, pourquoi pas), ou un classique (je ne supporte que quelques-uns) ou une chansonnière de nos jours. Je ne pouvais pas me décider de choisir une anthologie (Juliette Gréco, Georges Brassens, Georges Moustaki, Boris Vian, Barbara, et cétéra) mais je tombais sur une pochette qui me plaisait. Je ne connaissais pas l’artiste, Mesparrow, le mot sparrow me – ach, wie sagt man das jetzt, nicht souvenait de sondern … kann mich nicht erinnern … – Edith Piaf et je pensais prions qu’elle ne chante pas comme elle (je ne suis pas fan d’Edith Piaf).

Mir gefällt’s. Die Stimme ein bisschen mehlig (kann man das sagen?), find ick juut.

Soll ich jetzt vom Konzert des ensemble mosaik erzählen? Ist schon so spät, kann ja nicht jeden Abend bis 2 aufbleiben.
Es fand gestern abend im Theater im Delphi statt, einem früheren Kino. Der Raum strahlte den abgeblätterten Charme alten Glanzes aus. (Den Charme abgeblätterten Glanzes? Na, ihr versteht schon. Ein in Würde gealterter Bau.) Illuminierte Bögen gaben den Blick nicht auf ein Sakralobjekt frei, sondern auf eine Backsteinwand.
Die Musiker waren davor postiert, zwischen den Notenpulten hier und da Laptops.
Vier Stücke wurden gegeben, drei davon Uraufführungen.
si callalo pudié sentirsas (2020) [„Wenn du es leise spüren könntest”] für Ensemble und Elektronik von Irene Galindo Quero machte den Anfang. Ich kann dazu so wenig Verlässliches sagen wie zu den anderen Werken. Rhythmische und melodische Verschleierung schienen ein Thema zu sein, vielleicht auch semantische Verschleierung, denn ein Gedicht (von Ángela Segovia Soriano) war, auf zwei Sprechstimmen verteilt, in die Musik integriert – wie überhaupt der ganze Abend unter dem Zeichen von Text und Sprache stand. Ligeti fiel mir ein, wegen der Eleganz und Mysteriösität, die das Ganze für mich hatte. Eine gute Komposition, glaube ich.

Es folgte, als erste der Uraufführungen, Schlachten 1: Arie für Bariton und Ensemble (2019) von Sebastian Claren, nach einer Textvorlage von Rainald Goetz. Spektakulär die Gesangspartie (Zitat Programmheft: „So bewegt sich der Bariton zwischen Falsett- und Bruststimme, Strohbass oder Sprechgesang, verfällt mitunter in expressive Koloraturen, manisches Murmeln oder in Jodeln, Rufen, Schreien, Raunen, Schluckauf …”.)
(Strohbass nachgucken.)
Und das Ensemble? Dem farbigen Vokalpart wurde ein karges Tömmern (würden wir in Kevelaer sagen) zur Seite gestellt, dem ich – auf die Dauer des Stücks – wenig abgewinnen konnte. Als ginge ein Filmabend mit Kubrick feurig los, würde dann aber von der Ödheit Straub-Huillets jäh abgelöscht. (Chronik der Anna Magdalena Bach: grauenhaft.)
Die karge koreanische Trommel des Schlagzeugers war nicht der einzige Verweis auf (von uns aus gesehen) Fernost, auch Spieltechniken der Bläser wiesen in diese Richtung. Dazu Kaskaden schraffurartiger Pizzicati. Schilfrohr-/Bambus-Sounds. Ein stimmiges Klangbild.
Das ensemble mosaik hat das alles phantastisch gespielt, Bariton Fabian Hemmelmann halsbrecherisch gut gesungen – aber es gab Längen, Redundanzen, die einen Teil der Wirkung vermasselt haben. [Fortsetzung folgt]

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