Aldekerk, Nieukerk

Raiffeisenmarkt.
Strommasten.
Ruhende Kühe.
So nähert man sich der alten Heimat, nur dass irgendwann die Schienen aufhören, sie werden repariert, der SEV muss einspringen.
Der Expressbus bretterte an Kevelaer vorbei, auch an Weeze (Ronald Pofalla, Flughafen), erst in Goch kam er zum Halt.
Gab’s die Möwen früher schon?

Das erste der beiden Taxis machte eine abwehrende Handbewegung, das zweite kurbelte das Fenster herunter, gerade Auftrag reingekommen, aber der Bus. Na, erst mal Fahrschein lösen, sechs Euro, ganz ordentlich!
Der ganze Tag war draufgegangen, der ICE hatte Verspätung gehabt, und der Zug nach Geldern fährt am Wochenende nicht so oft. Kleiner Spaziergang im und rund um den Bahnhof, eine äußerst lebendige Stadt, nicht gut in Schuss, aber doch sicherlich inspirierend, dachte ich.
Duisburg ist echt (Stadtwerbung).
Möwen.

Duisburg Hauptbahnhof, 2.11.2021. Klebearbeit

Endlich kam ich doch an.

Der für mich wichtigste Satz in Marguerite Duras‘ Sammlung von Beiträgen für die Zeitung Libération – in der sie 1980 für kurze Zeit eine Kolumne hatte – steht am Beginn des ersten Beitrags: Il faudrait écrire pour un journal comme on marche dans la rue. (Man müsste so für eine Zeitung schreiben wie man über eine Straße läuft.) Das ist vielleicht gar nicht so weit von Stendhal entfernt (Le roman est un miroir qui se promène sur une grande route […]), nur dass dessen Vergleich des Romans mit einem eine Straße entlang spazierenden Spiegel das Widergespiegelte betont – den Bildinhalt (Himmelsblau, Modder) -, während Duras den Akzent auf die erzählerische Haltung/Gangart setzt, den Bildrahmen. Selbstverständlich kommt auch bei ihr Gesehenes ins Spiel, aber eben gefiltert durch einen Rhythmus – und durch ein Subjekt/Temperament. Ein Spiegel hat kein Temperament.
Nur, schief wird die Sache in dem Augenblick, als sich die Autorin entschließt, aus den Zeitungsbeiträgen ein Buch zu machen. Als wenn sich so einfach das Medium wechseln ließe!
Aber gut, ich bin auch darum kritisch, weil ich mit Marguerite Duras‘ lauem Stil nichts anfangen kann, der in diesen Kolumnen zudem etwas Brabbeliges, Blasenwerfendes, Schaumschlägerisches hat.

Ein neuer Song von Charlotte Adigéry und Boris Zeebroek alias Bolis Pupul.

6 Kommentare zu „Aldekerk, Nieukerk“

  1. Durch Gegenden, die auf -erk enden, würde ich auch gern mal schlendern und mir Klebearbeiten anschauen, die schreienden Möwen über mir. Duras las ich gerne, als ich zwanzig war. Ich schwor mir, nie so kaputt und alt und verächtlich zu werden wie sie.
    das Schaumschlägerische ist mir allerdings nicht aufgefallen.

  2. Na, ich werd vielleicht auch noch mehr von Duras lesen (obwohl ich nicht mehr zwanzig bin). Schaumschlägerisch ist im Zusammenhang mit den beiden vorhergehenden, auch nicht besonders freundlich klingenden, Umschreibungen zu verstehen. Ich würde nicht sagen, dass Marguerite Duras blufft oder blendet, ich meinte die Konsistenz ihres Textes. Eine größere Festigkeit ist mir bei Prosa einfach lieber, ich finde, die Autorin macht (in besagtem Buch) mehr Worte als nötig, das ist mir suspekt. Sicherlich ist es möglich, die Sache wohlwollender zu betrachten, einen musikalischen Aspekt darin zu sehen, einen flow, der genau so beabsichtigt war.
    Die Ortsnamen am Niederrhein sind wirklich schön: Auwel-Holt, St. Hubert Vösch, Hülm, Kalkar (das berühmte), Herongen, Wachtendonk, Achterhoek … -donk gibt’s auch viele.

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