Wasserschwein am Rechner

Das Segelschulschiff Gorch Fock ist an die Marine übergeben worden. Aus diesem Anlass wurde noch einmal an die erstaunliche Kostenexplosion erinnert, die es seit Beginn der Grundinstandsetzung gegeben hat. Aus den ursprünglich veranschlagten zehn Millionen Euro wurden 135 Millionen Euro – hoppla! Der Wikipedia ist zu entnehmen, dass die maximalen Kosten bereits drei Jahre vor Ende der Arbeiten auf eben diese 135 Millionen Euro beziffert worden waren. Dieser Kostenrahmen wurde ausgeschöpft.
Auch unser schöner Hauptstadtflughafen BER ist teurer geworden als gedacht. Einst waren ca. zwei Milliarden Euro kalkuliert worden, zuletzt war von mehr als sieben Milliarden Euro die Rede, und es werden sicher noch mehr. Dies weiß alles die Wikipedia. Der Artikel Bau des Flughafens Berlin Brandenburg ist so lesenswert wie deprimierend:

„Des Weiteren sei Alfredo di Mauro kein Ingenieur, wie bisher in Berlin allgemein angenommen, sondern verfüge lediglich über einen Gesellenbrief als Technischer Zeichner.”

„Am 28. September 2015 gab Flughafenchef Mühlenfeld bekannt, dass rund 600 Wände eingerissen werden müssten, die als Brandschutzwände vorgesehen waren, „aber so nicht gebaut wurden“.”

Über den Ausbau der Berliner Stadtautobahn A100, den die zukünftige Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey befürwortet, ließe sich auch einiges sagen, s. den Beitrag Kostenexplosion am 16. Bauabschnitt usw.
Janine Wissler hatte im Wahlkampf zurecht darauf hingewiesen, dass die Union kein Problem in Enteignungen sieht, wenn sie dem Bau von Autobahnen und der Förderung von Kohle dienen (Stichwort Lützerath) – aber Enteignungen von Wohnungskonzernen zwecks Entlastung von Mietern? Nicht mit der Union!

Am 22. Oktober findet der nächste Klimastreik statt.

Hier ein toller Song von Charlotte Adigéry & Bolis Pupul.

Gestern abend in Friedrichshain, um eine Kollegin zu verabschieden, die in ein anderes Team wechselt, und eine weitere Kollegin, die in der Computerspiele-Branche angeheuert hat und Berlin verlassen wird.
Die erste, nicht nur technisch-mathematisch begabt, sondern auch eine professionelle Schneiderin und wunderbare Zeichnerin, überreichte mir den Zweifarbdruck eines ihrer Werke (worum ich sie gebeten hatte): Es zeigt ein Wasserschwein mit mittelalterlicher Brille, das – eine Pfote auf der Tastatur – am Computer sitzt und höchst konzentriert auf den Bildschirm blickt. (Wasserschweine, Capybaras, auch Carpinchos genannt, gehören zur Tierwelt ihrer Heimatstadt. – Vor einiger Zeit war zu lesen, dass mehrere Individuen dieser Spezies in eine Gated Community vorgedrungen sind … invaded by … destroyed manicured lawns, bitten dogs and caused traffic accidents … – wobei ein Umweltschützer, den der Guardian zitiert, zu bedenken gibt, dass es sich umgekehrt verhält: Die Reichen haben sich im Revier der Wasserschweine breitgemacht, und diese kehren einfach dorthin zurück, wo sie vorher schon gewesen waren.
„Wealthy real-estate developers with government backing have to destroy nature in order to sell clients the dream of living in the wild – because the people who buy those homes want nature, but without the mosquitoes, snakes or carpinchos.”)

3 Kommentare zu „Wasserschwein am Rechner“

  1. „Wasserschwein“ ist ein fieser Name, dabei ist das Tierchen ja ganz niedlich! Ich hatte mir etwas Feistes, Aufgedunsenes vorgestellt. So wie der BER.

    1. Ha, ha, stimmt, das Wort führt ein bisschen in die Irre. Die Capybaras strahlen eine Ruhe, Genügsamkeit, Friedlichkeit und Unerschütterlichkeit aus, die mir gefallen. Ich würde mich freuen, sie einmal zu treffen! (Dazu müsste ich am besten nach Südamerika reisen: erst einmal nicht auf meinem Plan, doch nicht grundsätzlich ausgeschlossen.)
      Oliver Welke hat Berlin kürzlich als failed state bezeichnet, womit er sicherlich Recht hat.
      Aus den Erfahrungen mit dem BER werden keine Lehren gezogen, andere Baustellen werden ebenso schlecht gemanaged, neue Großbaustellen drohen.
      Die U-Bahn-Haltestelle Rathaus Steglitz wird seit 2015 erneuert. Der Satz „Das Warten hat bald ein Ende” (oder so ähnlich), der monatelang auf den Baustellenwänden zu lesen war, ist längst wieder verschwunden. Eine Baustellensimulationsinstallation, auf Dauer angelegt wie die John Cage-Aufführung in der St. Burchardi-Kirche zu Halberstadt. Na, vielleicht nicht ganz so lang.
      Am U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim der U3 werden alle zwei Wochen „Frisch gestrichen”-Schilder angebracht und Sitzbänke mit Absperrband umhängt, doch würde ich mich wundern, wenn in den letzten Jahren dort überhaupt jemals ein Farbeimerchen geöffnet worden wäre. Die Haltestelle sieht immer gleich angeranzt aus.
      So gibt es sicherlich noch viele andere Beispiele.

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