Wann, wenn nicht wir

„Mallarmé, intraduisible, même en français.” Dies Bonmot von Jules Renard wollte ich noch nachreichen. Auf Deutsch etwa: Mallarmé kann man nicht übersetzen, nicht mal ins Französische.
Ich klaue das von Tim Trzaskalik (Aussprache?), der sein Nachwort zu den Mallarmé-Studien von Jean Bollack mit eben diesem Zitat eröffnet.
(Dies Buch ist noch ungelesen. Ich frage mich, ob es für mein – grob gesagt – künstlerisches Gehirn nicht zu akademisch sein könnte. Ein Wort wie ehrpusselig, das Stefan Ripplinger in seinem lesbaren, und ich würde sagen: lesenswerten, Essay Mallarmés Menge verwendet hat, wird man beim todernsten Bollack vermutlich nicht antreffen, was bedauerlich ist. Überhaupt – jetzt allgemein gesprochen – wird sprachlich tendenziell eher wenig geschnoddert. Wer aber stilistisch nichts wagt, schreibt nicht gut, möchte ich keck behaupten.) (Ob ich Stefan Ripplinger in seiner Argumentation unwidersprochen folge, steht auf einem anderen Blatt. Ich kann mir Mallarmé auch in 200 Jahren nur als von einzelnen gelesen vorstellen, wenn es bis dahin noch Menschen gibt. Ich schließe keine Wette darauf ab.)

Heute nachmittag bin ich in die Maske des Aktivisten geschlüpft und habe an einer Fahrraddemonstration der Extinction Rebellion teilgenommen, wo ich ein Schild mit der Aufschrift „Wann wenn nicht wir” las. Die Polizei umsorglich. Einer meiner Brüder tauchte zu meiner Überraschung ebenfalls auf, was mich sehr freute, und noch besser: nachher lud er mich auf einen Cappuccino ein. Die Radlergruppe fuhr noch weiter bis zum Park am Gleisdreieck, um dort T-Shirts zu bedrucken.

Ab dem 16.8. sind unter dem Motto RiseUp umfangreichere Aktionen geplant. Der 16.8. ist ein Montag, da arbeite ich in der Buchhandlung, aber irgendwo werde ich während dieser Tage sicherlich aufkreuzen. – Bei der Demonstration der Fridays for Future am 24.9., kurz vor der Bundestagswahl, werde ich auch mitgehen, hab mir einen halben Tag frei genommen.
In Zeiten, da es überall auf der Welt brennt und eine Julia Klöckner dennoch einen Plan zur Renaturierung von Mooren blockieren darf (Plan zum Moorschutz gescheitert, taz, 6.8.2021), scheint es mir angemessen, auf die Straße zu gehen und zu stören.

Von Regenerativer Kultur habe ich zum ersten Mal gehört und mir zu Hause einen vierzigminütigen Vortrag von Yari Or von der Frankfurt University of Applied Sciences angesehen: Was ist Regenerative Kultur? (nach unten scrollen). – Der Text auf der Seite der Extinction Rebellion bereitet mir ein wenig Unbehagen, gebe ich zu, aber der Vortrag war interessant, und es ist gut möglich, dass hier der Weg beschrieben ist, der einzuschlagen wäre. (Dabei fällt mir ein, dass Grönland erklärt hat, auf die Ausbeutung seiner Bodenschätze zu verzichten. Das würde den chinesischen Superkapitalisten natürlich nicht im Traum einfallen, die mit ihren Scheckbüchern nach Afrika reisen, um die Gewinnung Seltener Erden klarzumachen.)

À propos Mafia, bevor ich’s vergesse: Gestern entdeckte ich bei Dussmann eine Import-DVD des Films Le conseguenze dell’amore von Paolo Sorrentino, den ich mit einer Freundin in Rom gesehen hatte, er war gerade in die Kinos gekommen, 2004. Jetzt habe ich ihn mir ein zweites Mal angesehen und fand ihn immer noch stark. Ein ruhig erzähltes Mafiadrama, absolut sehenswert. Ich hatte vergessen, dass sich die Hauptperson, ein ehemaliger Investmentbanker, einmal wöchentlich Heroin spritzt, aber stimmt, so war’s gewesen. Dafür hatte ich noch die Blutwäsche in Erinnerung und die schreckliche Schluss-Szene. Super!

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