Frühjahrsbelebung

Im rbb inforadio hörte ich heute morgen einen Bericht der ARD-Korrespondentin für Nordwestafrika Dunja Sadaqi über eine Kautschukplantage in Kamerun -> Kautschuk-Anbau in Kamerun. Greenwashing bei der Deutschen Bank?, für deren Ausbau am Rand eines Biosphärenreservats die Deutsche Bank („Eine neue Zeit braucht neue Antworten. Wir haben sie”) dem Konzern Halcyon Agri Corporation einen Kredit von 25 Millionen US-Dollar gewährt hat.
Wie einem diesbezüglichen Bericht von Greenpeace zu entnehmen ist, geschah dies in bester Absicht:
„Vertraglich wurden dabei Ziele zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsstandards bei der Bewirtschaftung ihrer Kautschuk-Plantagen in Kamerun und Malaysia vereinbart”, so ein Unternehmenssprecher.
Wie sich das in der Wirklichkeit ausnimmt, davon gibt das Beitragsfoto auf erwähnter Greenpeace-Seite einen ungefähren Eindruck.
Die Umweltschutzorganisation hat den Facebook-Kanal der Bank gespammt, um diesen Skandal anzuprangern – ob’s hilft? Negative Publicity kann jedenfalls nicht schaden.

Übrigens habe ich beschlossen – wie im letzten Beitrag angedeutet -, via atmosfair vierteljährlich eine CO2-Kompensation zu zahlen (‚kompensieren’ – vermutlich eine Selbsttäuschung).
Mir liegt daran, dass es besser wird auf der Welt!
Werde trotzdem einmal nachhören, welche Bäume gepflanzt werden, denn irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass für Wiederaufforstungen häufig Eukalyptus verwendet wird, der viel Wasser zieht, das dann den Leuten fehlt.

Was würde Bruno Manser zur Lage des Waldes sagen?
Nicht auszuschließen, dass sein – mutmaßlicher – Tod in Malaysia auf das Konto ebenjener Firma Corrie MacColl geht, der die Deutsche Bank ihren schmutzigen Kredit gegeben hat, damit sie auf ihren wachsenden Kautschuk-Plantagen in Kamerun und Malaysia den Kahlschlag, wie bisher, nachhaltig betreiben kann.

Eine positive Nachricht inmitten dieser fortgesetzten Tragödie ist, dass sich das französische Parlament dafür ausgesprochen hat, Ökozid zum Straftatbestand zu erklären, worüber in diesem Monat die Nationalversammlung abstimmen wird. Ich wünsche viel Erfolg! – und auf dass das Beispiel Schule mache.
In Deutschland werden es Minister P. Altmaier und Ministerin J. Klöckner zu verhindern wissen, doch ihre Zeit wird mit der kommenden Bundestagswahl ablaufen (wie auch die von Straßenbau-Champion A. Scheuer, Gott sei Dank).

Was sonst geschah: Ich habe mir nach vielen Jahren mal wieder eine Germanistik-Vorlesung an der Freien Universität Berlin angehört (online) – prima! Muss ich mir aber noch mal zu Gemüte führen.
„Alle Hände voll zu deuten haben”, habe ich (u.a.) mitgeschrieben.
Gestern lud Kimbra kurzfristig zu einem Chat ein, der um 23.00 Uhr Berliner Zeit stattfand (17.00 Uhr New Yorker Zeit).
Sie wollte die Meinungen ihrer Fans zu einer noch zu treffenden künstlerischen Entscheidung einholen (I’d love to get my core fanbases‘ thoughts!).
Die Teilnehmerzahl lag um 50, viele Leute aus Europa, schien mir, alle tippten fleißig ihre Kommentare.
Schlechte Internetverbindung.
Unabhängig von der Musikindustrie produzieren und veröffentlichen.
Dafür sind wir da!, wurde in die Kommentarspalte getippt.

Hier nun aber ein schöner, majestätischer Song von Julia Holter (auf die sich mein Fantum ebenfalls erstreckt) aus ihrem letzten Album Aviary.
Vielleicht höre ich die falschen Sender, aber Musik dieser Qualität begegnet mir nie, wenn ich das Radio einschalte. Mein Verdacht ist, dass der Maßstab der Redaktionen ist: Wir spielen nicht die Musik, die gut ist, sondern die, die nicht so mies ist, dass die Leute abschalten.
À propos: Ich kann es der Komponistin Rebecca Saunders nicht verzeihen, dass sie als einziges Pop-Stück in der ihr gewidmeten Ausgabe der Zwischentöne ausgerechnet das unsägliche Killing me softly der Fugees spielen ließ – der Ausverkauf des Ausverkaufs /smh.
Zu solcher Ignoranz fällt mir nichts mehr ein.

Julia Holter tauchte neulich im Fernsehen auf, in Tracks: Die Ungerechtigkeiten des Musikgeschäfts. Sie war dort auf einer Demonstration in Los Angeles zu sehen, im Rahmen eines internationalen Protesttags gegen den Verteilmechanismus der Streamingdienste. Auf Plakaten wurde 1 Cent per Stream gefordert – jetzt sind es 0,02 oder 0,03 Cent, wenn ich mich richtig erinnere.
„Beutet uns nicht aus mit euerem Algorithmus!” (Transparent auf der Berliner Demo).

21 Kommentare zu „Frühjahrsbelebung“

  1. lieber m.,

    ich habe in den „schönen majestätischen song“ reingehört. nach zehn sekunden habe ich den leiserdrehknopf gesucht. danach habe ich mich gefragt, ob ich vielleicht versehentlich zwei videos gleichzeitig höre. dann sprang meine katze vom schreibtisch und ich habe den song dann gestoppt. ist immer wieder interessant bei deinen musiktipps reinzuhören. dieses mal war es eher nicht so meins. ich höre im moment häufig ruhige musik, ich hab davon zuletzt gestern was gepostet.
    was das bäumepflanzen angeht, kannst du das u.a. auch durch nutzung von „ecosia“ (suchmaschine) tun, das weißt du sicher. die welt zu einem besseren ort machen, ja, das ist eine menge arbeit und dabei können nicht genug mitmachen.

    liebe grüße, m.

    1. Interessant! Ich frage mich, ob Du tatsächlich den Song I Would Rather See gehört hast, den ich am Fuß des Beitrags verlinkt habe, oder Turn the Light On, das erste Stück auf Aviary, das in der Tat wild und dissonant ist, und auf das Deine Beschreibung zu passen scheint.
      Ecosia kenne ich, nutze die Maschine aber nur auf der Arbeit (Buchhandlung). Privat verwende ich die französische Suchmaschine Qwant, zur Not auch Google.
      Liebe Grüße, Meinolf

      1. hallo meinolf,
        ja, ich hatte das obige, zuoberst verlinkte angehört.
        der track „i would rather see“ hat mir hingegen gut gefallen. den habe ich allerdings erst nachdem ich deinen kommentar gelesen habe angehört.

        liebe grüße zurück.

  2. lieber meinolf, wie kommst du denn in so eine online-vorlesung rein? und: könnte i das auch können? (hab ja keinerlei lit.wiss.background. [das fühlt sich gelegentlich so an als fehlten mir gliedmaßen, von denen ich kaum mehr weiß als dass manche menschen sie haben und glücklich gebrauchen …] womöglich wirkte die ein oder andere vorlesung im laufe der zeit diesbezüglich horizontweitend und überhaupt auch förderlich, was das schreiben angeht …)

    1. Liebe Pega, in dem genannten Fall hat das Institut einen – allerdings vergänglichen – Link bereitgestellt, der für die Dauer der Vorlesung angesteuert werden konnte.
      Es wurde erwähnt, dass das Ganze beizeiten (auf der Seite der Universität? auf YouTube? – erinner mich nicht …) ins Internest gelegt werden wird.
      Abwarten!
      Förderlich für’s Schreiben ist vor allem die Wachheit für’s Leben, glaube ich, und die hast Du, wenn mich nicht alles täuscht.
      Herzliche Grüße!
      Meinolf

  3. lieber meinolf, danke für deine antwort.
    ja, vielleicht ist das lit.wiss.en gar nicht so wichtig.
    zu schreiben, wie mehr oder weniger gut auch immer es gelingen mag, ist vermutlich irgendwie „essentiell“ für mich: ich kann und kann es nicht lassen, obwohl ich dabei dauernd gegen die strömungen meiner biografie anrudern muss.
    jetzt erscheint sogar ein ganz schmales bändchen, mit dem ich aber ganz zufrieden bin; es ist mir wie ein kiesel, der glatt in der hand bewegt wird, bis er warm wird, immer sich gleich; es ist eben so geworden, wie es werden wollte … wenn ich daran gearbeitet habe, war ich parallel oft auf planet lyrik (http://www.planetlyrik.de) unterwegs, immer am roten zufallsfaden lang, so von fund zu fundstück schweifend, mich von einem textkörper zum nächsten treiben lassend … das habe ich als sehr anregend, nährend empfunden …

    hm, jetzt frage ich dich einfach mal: dürfte ich dir das bändchen schicken? das möchte ich gerne … (http://www.blackink.de/literatur/lyrikreihe/pega-mund-reste-von-landschaft/index.html) – wär es dir recht?

    lieben gruß: pega

    1. Liebe Pega, toll, toll! Gratuliere! – Klar kannst Du mir das Bändchen schicken, freu ich mich! Retour schick ich Dir dafür (dürfte ich?) ein Büchel von Thomas Kling mit schmissigen Catull-Übersetzungen, das mir mein Chef neulich aus dem Ankauf eines Nachlasses geschenkt hatte, aber ich habe es schon zwei Mal (warum zwei Mal, weiß ich gerade nicht, vielleicht noch aus dem Bestand meiner Buchhandlung). Du kannst doch was damit anfangen, nehme ich an?
      Was das „mehr oder weniger gut gelingen” angeht, zitiere ich aus der sechsten der „10 rules for students and teachers“ von Corita Kent (ergänzt von John Cage):
      „Nothing is a mistake. There is no win and no fail. There is only make.“
      Ich hab’s von Charlotte (Elisabeth) Greve, Begleittext zur CD There is only make des Lisbeth Quartetts.
      Ich möchte Dich doch sehr ermuntern, das Schreiben weiterhin nicht bleiben zu lassen! Wozu sollte das auch gut sein?
      Liebe Grüße, Meinolf

      1. yuhu, meinolf, das find ich genial, also dein angebot mit dem klingschen catull: sofort schlag ich ein! es ist bislang kein kling in meinen regalen, null mal hab ich kling (nicht, dass ich ihn nicht kennte), ja, ich freu mich!

        in den nächsten tagen kommt mein bändchen aus dem druck, dann geht die post ab.

        deine adresse, die ich hier habe, im dickicht in klein-m, die gültet noch, oder?

        viellieben gruß aus dem süden,
        pega

        1. Die Adresse gilt, ja! – Ich freu mich, dass Das Haar der Berenice (1997 erschienen) bei Dir landen wird. Bin sicher, es wird Dir gefallen.
          Liebe Grüße, und, wie die wolkenbeobachterin sagt, positive Rückmeldungen!
          Meinolf

  4. Zitat: Was das „mehr oder weniger gut gelingen” angeht, zitiere ich aus der sechsten der „10 rules for students and teachers“ von Corita Kent (ergänzt von John Cage):
    „Nothing is a mistake. There is no win and no fail. There is only make.“

    —-
    das habe ich mir gerade herauskopiert, da ich auch diesen trost und die ermutigung hinsichtlich des schreibens gerade auch ziemlich gut gebrauchen kann. danke schön fürs teilen.

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