Wollen Sie aufhören?

„Du hast doch Urlaub”, sagte mein Chef und gab mir ein Päckchen Zigarillos (Romeo y Julieta Club 20), das er gerade bei Zigarren Herzog gekauft hatte. Dessen Inhaber ist ein soignierter, stattlicher Herr, der, wenn er mir mit zwei Fingern einen Zeitungsausschnitt über die Theke reicht, immer nur gerade so viel sagt, dass ich nicht zu entscheiden wüsste, ob er Österreicher oder Schweizer ist. Nun habe ich seit März allerdings kaum noch geraucht, mit sparsamen Ausnahmen bei Verwandtenbesuchen. Aber das Zeug vertrocknen lassen ist vermutlich auch doof, bei einem Stückpreis von 77 ½ Cent. Wahrscheinlich lässt sich auf der Strandpromenade von Warnemünde prima rauchen, aber ich will gar nicht.
Heute habe ich einen kleinen Rest Mandeln auf die Mauer gelegt, für die nächste Krähe, die vorbeigeflogen kommt – vielleicht auch für Eichhörnchen interessant? Überraschenderweise waren es dann aber Feuerkäfer, die als erste aufkreuzten. Schlenkrig kletterten sie den Efeu empor, wo ich zuvor einige von ihnen zusammenklucken gesehen hatte, und lehnten sich in verschiedenen Schrägegeraden an die Mandeln an oder ließen sich auf ihnen nieder, ich weiß nicht, was ich davon halten soll.
Mehr habe ich in meinem Urlaub noch nicht erlebt.
Jetzt lese ich in meinem langsamen Tempo Die Topeka-Schule, den hervorragenden neuen Roman von Ben Lerner (sehr gut von Nikolaus Stingl übersetzt) und schreibe eine Kritik zum Album RGB des Trios Autochrom, was mir nicht leicht fällt, aber es fällt mir nie leicht, eine Kritik zu schreiben. Ich will aber unbedingt meinen Teil dazu beitragen, dass mehr Leute auf dieses 1A-Jazzalbum neugierig werden.
Im übrigen steht, diesen Sonntag schon, eine neue Aufnahmesitzung des Podcasts radio satt an, der zwei Jahre pausiert hatte. Diesmal zu Gast die Schriftstellerin Veronika Reichl, die ihr grenzgängerisches, Literatur und Theorie verbindendes, Buch Im Schaum dieser Sprache. Hegel lesen vorstellen wird. (Die bisherigen Folgen: Luise Boege, Sofie Lichtenstein und Moritz Müller-Schwefe, Deniz Ohde, Lilian Peter und Julia Veihelmann.)
Und wenn der Sonntag um ist, fängt meine zweite Urlaubswoche an, und danach werde ich wahrscheinlich happy sein, wieder (abhängig) arbeiten zu dürfen. Trotzdem, nächstes Jahr kann von mir aus die Vier-Tage-Woche kommen.
Hier jetzt noch ein Stück für tikerscherk aus den ‚guten‘ 50%.

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