Arbheit

Wenn ich mich schon sonst nicht bewege, abgesehen von den paar Schritten durch den Garten, wenn ich ein Zigarrchen paffe oder Futter nachlege – Freitag kam auch ein Eichhörnchen ganz nah ans Fenster und drechselte die Erdnüsse weg -: Liegestütze mache ich doch weiterhin, ein-zweimal am Tag. Meine Marke liegt zur Zeit bei 120 (enge) bzw. 70 (weite), falls sich jemand dafür interessiert. Nicht furchtbar viel, aber ist ja wurscht. Ich bin froh, keine Rückenprobleme zu haben.
Jetzt beglückwünsche ich mich doch dazu, das kleine Zimmer behalten zu haben. So habe ich zur Straße hin die Morgensonne/das Morgengrau und zum Garten hin die Nachmittagssonne/das Nachmittagsgrau. Und Privatheit und Arbeit (‚Arbheit‘) sind klar getrennt.
Kollege Andrii meinte, das Gartenzimmer sehe aus wie ein „writer’s retreat”, Asia stimmte zu, genau das habe sie auch gedacht. (Nur dass ich nicht schreibe, abgesehen von diesen Sachen hier, okay, und eine Kritik oder zwei im Jahr.)
Ich habe es aber wirklich glücklich getroffen, die Phase erzwungenen Rückzugs an diesem idyllischen Ort zubringen zu dürfen, und nicht in einem sechsten Stock in Neukölln oder Marzahn eingeklemmt zu sein.
Vor der Glotze bin ich derzeit wenig. Ich könnte natürlich, wegen Henriette Confurius, noch mal Die verlorene Tochter gucken, aber so toll war die Serie nicht, tut mir leid, Jette. (Sie selbst hat ja gut gespielt, aber das Drehbuch war so lala. Da haben mir Unit 42 oder Zimmer 108 mehr Spaß gemacht. Die Belgier haben’s raus.)
Dies Wochenende findet der Hackathon WirVsVirus statt. Den Teilnehmenden viel Erfolg!
Vielleicht unternimmt die Politik ja auch einmal etwas gegen die Tracking-Wut der Großen Fünf (Apple, Amazon, Alphabet/Google, Facebook, Microsoft), das würde das Internet entlasten. Netflix und Alphabet/YouTube haben schon einen kleinen Beitrag dazu geleistet.
Im großen und ganzen bin ich mit der deutschen Krisen-Politik zufrieden, sie strahlt Professionalität und Ruhe aus.

8 Kommentare zu „Arbheit“

  1. Ja, eine Schreiberhöhle! So kommt mir Zuhause im Moment auch vor, was doch eigentlich ein überflüssiger Eindruck ist, denn an meinem Zuhause und seiner Einrichtung und auch meiner Anwesenheitszeit hat sich doch nicht viel geändert. Trotzdem empfindet man das Zuhause schwerwiegender als Lebensmittelpunkt, als man das vorher so tat, nicht? Ich bin übrigens auch heilfroh, nicht mehr im Hamburger Hühnerhaltungskasten zu wohnen und auch nicht mehr in der studentisch vollbepackten Altbauzeile in Hannover, sondern doch grün.

  2. Meine Anwesenheitszeit hat sich allerdings schon geändert, die ganze Woche ist auf links gedreht. Bin ich sonst zwischen acht Uhr und zwanzig nach acht aus dem Haus gegangen und ungefähr zwölf Stunden später zurückgekommen (montags alles ein bisschen später, weil die Buchhandlung nicht so früh öffnet wie das Büro), so bin ich nun montags zu Hause und muss da auch nicht arbeiten, und dienstags bis freitags bin ich ebenfalls zu Hause.
    Ich stimme Dir also zu: man empfindet das Zuhause schwerwiegender als Lebensmittelpunkt.
    Mal sehen, was die Regierung heute beschließt. Angesichts der Tatsache, dass wir weltweit an fünfter Stelle der von der Pandemie betroffenen Staaten stehen und ein überaus reisefreudiges Völkchen sind, muss man ja für sich selbst und für die Staatengemeinschaft geradezu hoffen, dass wir für drei Wochen in Ferien auf Balkonien geschickt werden. – Bin sicher nicht der einzige, der in der letzten Zeit an Blaise Pascals Satz gedacht hat: „Tout le malheur des hommes vient d’une seule chose, qui est de ne savoir pas demeurer en repos, dans une chambre.”
    Jetzt müssen wir’s lernen.
    Gruß an die Wildschweine

  3. Gegen das Wort von Pascal muss ich mich verwahren! Mein Ausgehen ist sinnlos, wenn dies alle anderen nicht tun. Von der angeblichen Tracking-Wut merke ich so gut wie nichts!

  4. He he, was der einen ihre Schreiberhöhle, ist dem anderen seine Räuberhöhle. Klar, verstehe ich, in Wohnungen einsteigen ist schwierig, wenn alle zu Hause sind. Ich bin da aber ganz gleichmütig, was geht es mich an? – Den Satz von der Tracking-Wut kann ich nur als sarkastisch verstehen, selbst ein Computer-Neuling wird am linken unteren Bildrand mitlesen, welche Skripte gerade laufen und mit wem da – trotz Abstandgebots – handshakes gemacht werden.

  5. Ich war so tief im Schreiben, daß „Arbheit“, wie eine Brummfliege an der Scheibe, ein paarmal gegen mein Hirn prallte und nicht durchkam. Jetzt habe ich’s geschnallt. Pfiffig, aber auch traurig wegen der düsteren Nebenbedeutung.
    Toll, daß es mit dem LAN klappt, weil jetzt leibhaftige Hausbesuche verboten sind. Laß Dich nicht verdrießen und bleib gesund!

  6. Och, wieso düstere Nebenbedeutung? So sind jetzt eben die Bedingungen. Allerdings bedauere ich, erst einmal niemanden mehr von denen, die ich sonst an vier Tagen in der Woche sah, zu Gesicht zu bekommen – auf unbestimmte Zeit …, was, ehrlich gesagt, keine angenehme Vorstellung ist, jedoch auch keine, die mich in Panik versetzen würde.
    Den Prognosen nach werden sich zwei Drittel der deutschen Bevölkerung infizieren, und jetzt sind wir, laut Mr Johns Hopkins, Baltimore, bei 76544 [21.14 Uhr MESZ]. Das sieht ja beinahe so aus, als wären wir noch über Sonntag, den 19. April(, [kommt hier ein Komma hin?]) hinaus zum Fensterputzen verdammt – ein sehr gnädiges Urteil, selbstverständlich!
    Ja, dat dat LAN jetz löppt (für Nicht-Niederrheiner https://mitmachwoerterbuch.lvr.de/detailansicht.php?Artikel=löppen&Eintrag1=1084), ist prima und hat sehr zur Beruhigung meiner Nerven beigetragen.
    Bleib Du auch gesund!
    Am Wochenende wird’s hier Arme Ritter geben. Auch eine Art Medizin.

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