Drei Friedhöfe

Bei dem Sonntagsausflug der Fit Analytics-Wandergruppe haben wir uns wegen zu hoher Temperaturen dann doch mit nur zwei Schöneberger Friedhöfen begnügt, dem Alten St. Matthäus Kirchhof und dem Alten Zwölf Apostel Friedhof an der Kolonnenstraße. Zum Abschluss aßen wir noch ein Eis. (Sie hatten die billigste Waffel zu ihrem Gefrorenen, die Dummen, schmeckte nach nichts, nach Esspapier, Hostie allenfalls.) Der dritte Friedhof wäre der Friedhof Alt-Schöneberg gewesen, auch Friedhof an der Dorfkirche genannt. Läuft ja nicht weg.
Dass ich jetzt mal wieder was schreiben kann, liegt daran, dass ich Ferien habe! Gut, Montag muss ich noch arbeiten (Buchhandlung), aber dann. Erst am 23. September werde ich wieder ein nützliches Mitglied der Gesellschaft sein.

Inzwischen habe ich Johnsons Jahrestage zu Ende gelesen. Eine Erkenntnis, die sich aus der Lektüre ziehen lässt: einmal lesen reicht nicht. Vielleicht sage ich noch mehr dazu, jetzt erst mal nicht.
Außerdem (ich tu, was ich kann): zwei Komödien von Alfred de Musset, die jeweils mit einem Tod enden und auch sonst nicht nur lustig sind – brillant rundum.
Nun lese ich wieder eine Komödie, Das Spiel von Liebe und Zufall, 1730 uraufgeführt. Keine Toten diesmal. Stattdessen: Zwei, die sich noch nie begegnet sind, sollen einander heiraten. Die Braut bittet ihren Vater, mit ihrer Dienerin Rollen tauschen zu dürfen, um den Zukünftigen auf Tauglichkeit zu prüfen. Der Vater stimmt zögernd zu. Man versteht sein Zögern, denn die nachfolgende Szene offenbart, dass er Post vom Vater des Bräutigams erhalten hatte, in dem dieser ihm mitteilt, sein Sohn habe die kuriose Idee geäußert, in Verkleidung seines Dieners seine Aufwartung machen zu wollen. Die geschliffenen Dialoge sind wunderbar zu lesen. Verwirrend ist das Ganze aber auch, weil die Personen im Textbuch ihren angestammten Namen behalten, also Dorante, der Bräutigam, ‚ist‘ Arlequin, behält aber den Buchnamen Dorante (und umgekehrt), Sylvia, die Braut, ‚ist‘ Lisette, bleibt im Buch aber stets Sylvia.

Oben ein reizvolles Stück von Andrew Hill. Da die Welt von Dummheit regiert (und zerstört) wird, ist es eine politische Pflicht und ein Gebot des Widerstands, sich so gut als möglich mit intelligentem Zeug zu umgeben.

6 Kommentare zu „Drei Friedhöfe“

  1. Das Internet hat mir verraten, dass „Illusion“ am 1. August 1969 von Rudy van Gelder im Van Gelder Studio, Englewood Cliffs, NJ, aufgenommen wurde (für Blue Note). Die Band besteht aus:
    Andrew Hill (ldr, p), Bennie Maupin (ts), Ron Carter (b), Mickey Roker (d), Sanford Allen (vn), Alfred Brown, Selwart Clarke (vl), Kermit Moore (vc). Erstveröffentlichung 1975 auf One For One. (s. http://jazzdiscography.com/Artists/Hill/hill-disc.php)

  2. Ich hab die Pappewaffeln gern, weil’s die immer beim Klingelmann gab, der an Samstagen über Land gurkte und aus dem türkisgrauen VW-Bulli Schoko-, Vanille-, Erdbeereis (das Fürst-Pückler-

  3. Nein, Pappewaffeln sind nicht lecker, aber diese Kindheitserinnerung habe ich auch, nur dass der Bulli bei uns weiß war, mit der Aufschrift ITAL. EIS. Den Preis je Kugel habe ich vergessen, aber dass sie billiger waren als die heute üblichen 1.50 Euro, das ist klar.

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