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Die durchschnittliche Dauer, die jemand bei einem Start Up-Unternehmen verbringe, betrage ja eher ein halbes Jahr, meinte mein Arbeitskollege neulich zu mir, als wir in der Küche standen, er für seinen Tee, ich für meinen Kaffee – aber wir, old school … Und wirklich ist er demnächst zwei Jahre in der Firma; bei mir ist es jetzt ein Jahr. Ich habe den Jahrestag zum Anlass genommen, wieder einmal zu Kaffee (Tee) und Kuchen (Brötchen, Obstsalat) einzuladen. Dies Mal war es eine Siebenerrunde, sehr gemütlich, für mich zudem mit dem Vorteil verbunden, nicht nachher noch durch die Kälte zu müssen. Den veganen Apfelkuchen mit Zimtstreuseln hatte ich vor einiger Zeit zum ersten Mal gebacken, anlässlich eines Backwettbewerbs in unserer Firma, bei dem ein Kürbiskuchen mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde. Ich finde ihn ganz gut, doch habe ich das Rezept jetzt nur für eine Kollegin wieder herausgekramt, die vielleicht kommen wollte. Mit der Adventsbäckerei habe ich im übrigen immer noch nicht angefangen, aber das eine oder andere Rezept der Rubrik „Weite Welt im bunten Teller” werde ich sicherlich ausprobieren, da warte ich jetzt aber noch auf die Mandelmühle, die ich, als ich in meiner Heimatstadt Kevelaer war, im dortigen Haushaltswarengeschäft bestellt hatte, und die mir ein Freund mitbringen wird, der jetzt gerade da ist. Die niederrheinischen Ferien haben mir gut getan, und ich werde von nun an alle halbe Jahre hinfahren, um Familie und Freunde wiederzusehen – und die fabelhaft melancholische Landschaft mit ihrem hohen wolkenzergrübelten Himmel. Auf dem Kapellenplatz in den kahlen Linden lachten die Dohlen und Edmund kam vorbei und begrüßte mich ohne stehenzubleiben mit „Meister Reul”, so im fragenden Ton. Außerdem kann ich den Besuch jeweils mit den zahnärztlichen Vorsorgeterminen bei meinem Schwippschwager in Winnekendonk verbinden, die ich auf meine alten Tage regelmäßiger wahrnehmen möchte. In Kleinmachnow ist alles beim alten, wie immer erfreue ich mich an den Vögeln, die die Futterstellen auf der Gartenmauer und auf meinem Fensterbrett anfliegen oder sich an den Meisenknödel im Vorgarten hängen. Ich lese weiter die Jahrestage (hinke allerdings ein bisschen hinterher, denn ich bin auf Seite 392 beim 1. Dezember 1967) und gucke mir in der Arte Mediathek eine Serie an, „Im fremden Körper”, von der mehr als eine Folge je Abend zu sehen ich nicht ertragen könnte, glaube ich.

Die Entscheidung von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt, den Weg für die weitere Zulassung des Umweltgifts Glyphosat freizumachen (die Bezeichnung „Unkrautvernichtungsmittel” betont seinen angeblichen Nutzen und ist daher irreführend) hat mich traurig gemacht. Ich bilde mir ein, dass der größere Teil der Bevölkerung der Europäischen Union gegen eine solche Verlängerung war. Was sagt es über die Verfassung der Europäischen Union aus, dass ein Dämelack wie Schmidt solche Macht hat?
Ferner: Ein Teil der Arktis ist als Öl- und Gasausbeutungsgebiet deklariert worden, RWE holzt den Hambacher Forst ab, um Kohle zu scheffeln … laufend gibt es solche Schreckensmeldungen, der Weltlauf wird von Männern bestimmt, die eigentlich schon tot und verrottet sind und nur als Zombies noch ihr Unwesen treiben (so kommt es mir vor). „Women of the world take over”, möchte man da mit Jim O’Rourke ausrufen.

Hier noch ein rotnasiges Musikvideo von Angel Olsen. Ihre neue Platte Phases hat der Soultrade-Mann in der Sanderstraße noch nicht beschaffen können, offenbar war die Auflage zu klein. Bedauerlich! – Ich bewundere A.O.s Fähigkeit, lange Musikstücke zu gestalten; das hat sie mit Joanna Newsom gemein (und sonst nichts).

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